Beschreibung
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<strong>St. Johann Baptist</strong> Erste Pläne für Bau einer neuen Pfarrkirche von Haidhausen 1837/38; wegen Krankenhausbau (heute: Klinikum rechts der Isar) Wiederaufnahme erst 1848 mit Amtsantritt des Pfarrers J. G. Waiser. Zwei Projekte von Ziebland 1848/49 an der Stelle der alten Johanniskirche (-> Kirchenstraße 39), der seine Pläne zurückfordert, weil bei Konkurrenzausschreibungen 1850 übergangen; Sieger war Berger, der Planungsauftrag erhielt. Bereits seit 1837 auch Bemühungen um geeigneten Bauplatz: >Ripflanger< (heute Standort des Maximilianeum) schied aus, weil König Ludwig l. dort den Bau einer altchristlichen Basilika favorisiert hatte; deshalb Entscheidung für >Metz-geranger< (heute Johannisplatz), erworben 1849. Grundsteinlegung 1852, Dachstuhl 1856, Inneres 1858 fertig. Finanzierungsbeihilfe durch aufopfernde Sammeltätigkeit von Pfarrer Waiser, des >Bettlers von Haidhausen<, in 29 Sammelreisen in Bayern zwischen 1854 und 1863. Vollendung des Baus 1874, Weihe jedoch erst 1879 wegen Rechtsstreit zwischen Kirchenverwaltung und Stadt München (nach der Haidhausen 1854 eingemeindet worden war). 1904 unausgeführte Vorschläge (von Hocheder, Grässel u. a.) zur Platzgestaltung durch Terrasse. 1908 Anfügung des Chorumgangs, ab 1903 Ausführung der Glasfenster, mit deren Vollendung 1918 die Ausstattung abgeschlossen wurde. -Außen- und Innenrenovierung 1928. Kriegsschäden 1943, behoben 1949 und Abschlagen der Gewölberippen; zwischen 1950 und 1954 Wiedereinfügung der 1943 geretteten Glasfenster. Erhebliche Veränderung des Innenraums ab 1956 durch verständnislose Purifizierung sowie des Äußeren (1963-69) durch Entfernen des neugotischen Zierrats und Ersatz der Turmhelme durch phantasielos-sachliche, niedrigere Spitzhelme; Leitung dieser denkmalpflegerische Belange missachtenden Aktion durch Steinbrecher. Abermalige Innenrenovierung 1978-79 mit Ausmalung nach Entwurf von P. Burkart, Außenrenovierung 1989/90.</p>
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<strong>Beschreibung:</strong>Ms Backsteinbaukörper ohne Beziehung zur Umgebung in Platzareal gestellt; hochragende Einturmfassade mit drei Portalen, derTurm über Uhrgeschoss achteckig; die ursprünglich acht Giebel mit filigranen Helmen durch kupferverkleidete Spitzen ersetzt. Siebenjochiges Langhaus mit hohen Spitzbogenfenstern, am Übergang zum eingezogenen Chor mit 3/8-Schluss beidseitig Achtecktürme mit ursprünglich ebenfalls filigranen Helmen. Außenseite in Terrakotta verkleidet. Zusammenfassung von Westbau und Langhaus durch umlaufende Galerie über Fensterzone. An Westfassade Statuen von KnabI (oder nach seinem Entwurf) um 1886: Kreuzigungsgruppe und Heilige (u. a. Ludwig und Maximilian: Namenspatrone der bayerischen Könige).</p>
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<strong>Inneres: </strong>siebenjochiger Wandpfeilerraum, ehemalige Ausmalung am Chorbogen (durch J. B. Schmid, 1904-07) erhalten: Jüngstes Gericht, Geburt und Bestattungjohannes des Täufers; zwei weitere Bilder übermalt; im Chorbogen Triumphkreuz, angeregt durch Leinberger, von A. Mayer (1907). Die 1949 abgeschlagenen Rippen durch gemalte Bänder unzureichend ersetzt. Die bemerkenswerten 21 Glasgemälde* nach Entwürfen von Bradl, Megerle und Pacher (1903-18) stellen im Chor Szenen aus dem Leben des Täufers dar, im Langhaus Leben der Heiligen (in Abfolge der >Allerheiligenlitanei<). In der Taufkapelle seit 1956 spätgotische > Taufe Christi <, wahrscheinlich vom Meister von Mauern.-Der marmorne Hocha/farwieOstensorium gestaltet; Figuren von KnabI (1860): Johannes d. T., Johannes Ev. und Andreas; Seitenfiguren: Hll. Maximilian und Korbinian; im Auszug die Erzengel Michael und Gabriel, darüber Gottvater. Am Chorbogen Se/fena/färe(ähnlich gotischen Reliquienschreinen): links Marienaltar (von Waitzer), rechtsjosephsaltar(von Westermayer). - An Westseiten der Wandpfeiler K/euzwegsfaf/onen(Lindenholzreliefs von Niessen, 1882/83), die Rahmen verloren.</p>
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<strong>Bedeutung:</strong> Der Innenraum als >Wand-pfeilersaal< typologisch bemerkenswert: barocke Raumform in neugotischer Gestalt. Der formal spröde Bau ist aber, obwohl er durch ungekonnte Vereinfachung der Helme seine stilistische Einheit und Wirkung einbüßte, entwicklungsgeschichtlich von lokalem Interesse, da er in der Nachfolge der Mariahilfkirche (-> Mariahilfplatz 42) steht und nach deren modernistischem Wiederaufbau das einzige-freilich nicht mehr ganz ursprünglich erhaltene - Beispiel der Neugotik zwischen romantisierendem und doktrinärem Historismus (Hl. Kreuz -> Ichostraße 1) darstellt; durch Terrakottaverkleidung dem >Maximiliansstil< verbunden. Nach Vernichtung der Ciasfenster der Mariahilfkirche besitzt St. Johann Baptist den einzig noch vollständig geretteten Glasgemäldezyklus der späten Neugotik in München. -Von 1901-07 Wirkungsstätte von Max Reger als Organist.</p>
Quellen
Haidhauser Johanniskirche, neue
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Haidhauser Johanniskirche, neue; Johannesplatz 2. Von Mathias Berger 1852—75 erbaut. Ein stattlicher gotischer Bau von 73 m Länge und 20,4 m Breite mit einem 98 m hohen Turm in der Mitte und — abgesehen vom figürlichen Schmuck und der Kreuzblume — ganz aus Backstein und Terracotta hergestellt; an der Front 3 Portale (Fassade beeinflußt vom damaligen .Maximiliansstil1,); unterm Dachansatz eine sehr wirkungsvolle Arkatur-Anlage. Strebepfeiler nach außen gezogen und mit Fialen gekrönt; hiedurch und namentlich auch durch die 2 Treppentürmchen am Choransatz — die dem Fassadenturm ein wirksames Gegengewicht bieten — Außeres sehr vorteilhaft belebt. Chorabschluß dreiseitig, eine Anordnung, die durch die 2 kapellenartigen Ausweitungen rechts und links der Fassade wiederholt ist. Inneres einschiffig, von sehr wohltuenden Verhältnissen; Sterngewölbe mit schönem Netzwerk. Hochaltar aus Marmor von Prof. Knabl; Hauptgruppe: der Kirchenpatron St. Johannes der Täufer weist auf den von den Aposteln Andreas und Johannes umgebenen Heiland hin. Seitenaltäre von Weitzer und Westermaier. Zu beiden Seiten des Hochaltares 2 prachtvolle Glas- gemälde, gestiftet von König Ludwig II. Die übrigen Glasgemälde — darunter die 2 hervorragenden „Bischof“- und „Antoniusfenster“ nach Entwürfen von Pacher — aus den letzten Jahren [Rb, F].
Neue Pfarrkirche zu Haidhausen
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)
Die neue Pfarrkirche zu Haidhausen wurde z. Th. aus Sammlungserträgnissen des Pfarrers Waliser, z. Th. aus städtischen Mitteln durch den Architekten Math. Berger, den Restaurator der Frauenkirche, erbaut und 1863 in der Hauptsache vollendet. Es ist ein stattlicher gothischer Bau mit einem Thurm in der Fasadenmitte und mit Ausschluss des figürlichen Schmuckes und der Kreuzblumen ganz aus Backstein und Terracotta hergestellt. In der durch drei Portale ausgezeichneten Fronte machen sich die Einwirkungen des Maximilianstyles geltend, im Uebrigen ist die Anordnung gefällig und ohne kleinliche Spielerei, wie z. B. die schlichte Arkatur unter dem Dachansatz von trefflicher Wirkung ist. Die mit Fialen gekrönten nach aussen gezogenen Strebepfeiler und besonders die zwei Trcppenthürme am Choransatz, welche dem Thurm der Facade ein wirksames Gegengewicht bieten, beleben das Aeussere vortheilhaft, wie auch die rings um den Chor gezogenen Sakristeiräume für den Kapellenkranz um den Chor entschädigen. Der Chorschluss ist dreiseitig, und diese Anordnung wird durch die zwei kapellenartigen Ausweitungen zur Rechten und Linken der Fronte wiederholt. Das Innere, einschiffig, macht durch das schöne Netzwerk des Sterngewülbes wie durch die Verhältnisse einen sehr wohlthuenden Eindruck; nicht minder befriedigen die drei marmornen Altäre gothisehen Styles von Waitz aus Haidhausen. Die Kirche ist wegen Besitzstreit zwischen Magistrat und geistlicher Behörde bis zur Stunde uneingeweiht und folglich unbenutzt, nach Erledigung des Conflicts wird sie Johann den Täufer als Namenspatron erhalten.