Name Thomass-Eck
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Angerviertel
Straße Marienplatz 1
Kategorie Keine Kategorie
Baustil Keine Kategorie
Suchbegriffe Thomass-Eck Cuvillies François des d. J. 
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Bemerkung

ehem. Hauptwache, jetzt Wohn- und Geschäftshaus, sechsgeschossiger Eckbau mit Stuckdekor am ersten bis dritten Obergeschoss, Rokoko, weitgehender Neubau vermutlich über älterem Kern, von François de Cuvillies d. J., 1769-71, zwei Geschosse aufgestockt und mit Nr. 2 vereinigt, 1870, z. T vereinfachter Wiederaufbau nach Kriegsschäden, 1950

Beschreibung

<p><strong>Marienplatz 1 </strong>(mit vormals Kaufingerstraße 2, s. dort). Sogenanntes <em>Greifen- </em>oder <em>Thomass-Eck. </em>Jetzt zugehörig das nördlich anschließende Haus Marienplatz 2 (vgl. dort). Das Eckhaus in städtebaulich zentraler Position übergreift drei mittelalterliche Parzellen. Sandtners Stadtmodell von 1570 zeigt die spätgotische Bebauung mit einem Eckhaus (früher nach Besitzerfamilien Rieger- oder Greifeneck genannt, auch Vogelmarktsecke nach einer Marktfunktion vor dem Haus) mit Erkertürmchen an der Ecke und gegen Norden ansteigendem Pultdach; zugehörig ist ein ursprünglich sicher selbständiger, gleich hoher Bauteil westlich anschließend an der Kaufingerstraße. Nördlich schließt sich ein viergeschossiges Haus mit zweiachsigem Flacherker und größtenteils durch eine Vorschussmauer verdecktem Pultdach- Halbgiebel an. Die platzseitigen Erdgeschossarkaden hießen bzw. dienten als Obere Kornschranne; das Haus war durch Jahrhunderte im Besitz von Kornmessern, aber auch Wohnsitz von Schwertfegern. Die gotische Bebauung, im Einzelnen zeitgemäß fortgeschrieben, zeigen u. a. die Marktansichten von M. Merian (um 1640) und M. Wening (um 1700) sowie noch die Skizze J. P. Stimmelmayrs (im Zustand vor 1769), der das Hauszeichen eines beim Türmchen aufgehängten Schwertes erwähnt.</p> <p>Die Stadt München erwarb 1769 den Eckbauteil und ließ ihn bis 1771 durch Francois Cuvillies d. J. zur Unterbringung der Hauptwache neu- oder umbauen; wie dessen Stichwerk, die sog. Architecture bavaroise, und mehrere Ansichten bezeugen, umfasste der Neubau auch das nördlich anschließende Haus, das jedoch - nach Häuserbuch II - nicht der Stadt gehörte (die angeblich erst 1851 das Erdgeschoss für das Wachlokal pachtete). Über dem rustizierten Erdgeschoss mit der Hauptwache kragte auf Konsolen ein Schutzdach vor, an der Platzseite mittig besetzt mit dem kurfürstlichen Wappen zwischen Trophäen; an der Hausecke - hier schräg gestellt - wie an den Fassadenenden standen Schilderhäuschen. Der Entwurf von Cuvillies d. J., der zu den kennzeichnenden Leistungen am Übergang vom Rokoko zum Klassizismus zu rechnen ist, wurde offenbar im Wesentlichen auch ausgeführt, wie eine Ansicht von L. Huber um 1830 (Erd- mannsdorffer 1972, T. 59 a) und eine Aufnahme von ca. 1865 (Bauer/Graf 1996, S. 86) erkennen lassen, während die Platzansichten von Angelo Quaglio (1805) und Gustav Kraus (1825) in kleineren Details abweichen.</p> <p>Nach Verlegung der Hauptwache ins Neue Rathaus kaufte der Juwelier Karl Thomass 1865 das Doppelanwesen und das Nachbarhaus Nr. 2, ließ beide gemeinsam 1870 um zwei Geschosse aufstocken und unter einem sehr flachen kupferblechgedeckten Mansarddach zusammenfassen (vgl. Kaufingerstraße 2). Das Eckhaus, dessen Erdgeschoss zu Ladenzwecken umgebaut wurde, erhielt zugleich eine z. T. in Neurenaissanceformen veränderte Gliederung und eine reiche Sgraffitobemalung (mit der Inschrift „Greifen-Eck“) von Emil von Lange und August Spieß.</p> <p>Im Luftkrieg brannten die drei oberen Geschosse aus, auch darunter entstanden Schäden. Beim Wiederaufbau 1950 wurden die Sgraffiti und Teile der Gliederung, u. a. die Rustikafugen an den Ecklisenen, beseitigt, im Erdgeschoss Fußgängerarkaden mit Rechtecköffnungen eingebaut.</p> <p>Angesichts mehrfacher Umgestaltungen ist schwer feststellbar, welche Details des Wohn- und Geschäftshauses noch auf den Bau von 1769-71 zurückgehen - auf jeden Fall die geraden Fensterverdachungen im 1. Stock mit Trophäen- und Girlanden- Stuckdekor zwischen mit Widderköpfen besetzten Völutenkon- solen und die beiden prachtvollen - heute isolierten - Trophäengehänge zu Seiten des Fensters im 2. Stock der breiteren Mittelachse an der Kaufingerstraße (Südseite).</p>