Name Monumentalbau mit Ecktürmen
Architekt Heilmann und Littmann  
Stadtbezirk 13. Bogenhausen
Stadtbezirksteil Altbogenhausen
Straße Ismaninger Straße 109
Jahr Baubeginn 1909
Jahr Fertigstellung 1923
Kategorie Keine Kategorie
Baustil Keine Kategorie
Suchbegriffe Bundesfinanzhof Fleischervilla 
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Bemerkung

Schlossartiger, neubarocker Monumentalbau mit Ecktürmen, Hausteinfassaden, begonnen 1909 von Heilmann und Littmann als Privatbau, 1921-23 vollendet; jetzt Bundesfinanzhof; in großem Garten gelegen.

Beschreibung

<p> <strong>Bundesfinanzhof </strong>Nach Bewerbung Münchens um Sitz des Reichsfinanzhofs (1918) und Entscheidung des Bundesrats für die bayerische Hauptstadt ist die oberste Steuerrechtsbehörde des Deutschen Reichs bzw. der Bundesrepublik Deutschland hier ansässig. Auf Südteil des Areals (zwischen Ismaninger, Montgelas- undTörringstraße) der seit Ende des 17. Jh. errichtete Rittersitz Stepberg; dessen Schlößchen um 1800 in Besitz von Montgelas: Hier am 25.8.1805 Abschluss des &gt;Geheimvertrags von Bogenhausen&lt;, wonach Bayern aus der Koalition mit Österreich und Russland ausschied und sich Frankreich anschloss; daraufhin Erhebung Bayerns zum Königreich von Napoleons Gnaden (1.1.1806). Im Lauf des 19. Jh. Schlößchen und Parkanlage nach und nach verschwunden. - Der Historien- und Panoramenmaler Fleischer (Piloty-Schüler und Produzent von Malmaterialien) erwarb um Jahrhundertwende (1900) das Areal von 2,38 ha und beauftragte die Baufirma Heilmann &amp; Littmann mit dem Bau eines sehr aufwändigen Künstlersitzes mit Gemäldegalerie im Wettstreit mit Villa Kaulbach (-&gt; Kaulbachstraße 15), Lenbach-Haus (•-&gt; Luisenstraße 33) und Stuck-Villa (-&gt;• Prinzregentenstraße 60): Baubeginn 1909 (nicht von Littmann entworfen), bereits im folgenden Jahr Einstellung der Bauarbeiten aus finanziellen Gründen und notdürftige Eindeckung des Rohbaus; nicht mehr ausgeführt Atelierbau, Stall- und Remisengebäude, Gewächshaus und Portierbau an Ismaninger Straße. Zwangsversteigerung (1913) von Rohbau und Grundstück, in folgenden Jahren unterschiedliche Nutzungen (Bürogebäude, Museum, Krankenanstalt, Einbau von Kleinwohnungen), sogar Sprengung des Rohbaus erwogen. Nach Entscheidung für Sitz des Reichsfinanzhofs in München Kauf der Bauruine durch Reichsfinanzverwaltung 1918, die das Gebäude durch Zentralstelle der Reichsbauverwaltung&lt; für die Zwecke des Reichsgerichts (Pläne von Perignon) um- und ausbauen ließ: Hauptbau 1922-24; im gleichen Zeitraum Errichtung eines vierflügeligen Beamtenwohngebäudes gegen Effnerplatz (Pläne von l. Kurz, Allescher und Simm der Baugruppe Landesfinanzamt München).</p> <p> <strong>Beschreibung:</strong> Bei dem 77 m langen Baukörper an seinen Ecken fünfseitige Risalite (über Achteckgrundriss), die Diagonalseiten leicht eingewölbt; die ursprünglich vorhandenen hohen Kuppeln durch zusätzlichesTurmgeschoss bis ins Mansardendach ersetzt und von gedrückten Hauben besetzt. Gebäude über niedrigem bossierten Erdgeschoss errichtet, darüber zwei Obergeschosse mit je fünf Fensterachsen beiderseits der dreiachsigen Mittelrisalite; Gliederung durch Kolossalpilaster, die Beletage alternierend durch Dreieck- und Segmentbogengiebel akzentuiert. Beim Umbau (1922 ff.) die beiden ursprünglich konvexen Mittelrisalite vereinfacht (und Verzicht auf die an Vorderseite vorgesehene Kuppel) sowie Einbau großer Dacherker in das Mansardenwalmdach. Das Atelier des Malers sollte ursprünglich in einem eigenen, der nördlichen Schmalseite des Hauptbaus vorgesetzten und mit diesem locker verbundenen polygonalen Pavillon untergebracht werden (nicht realisiert). Das Innere war im Stil der Art deco der 1920er Jahre ausgestaltet und ist trotz der Renovierung 1986 z.T. erhalten. -Vor der Rück-(Nordwest-)Fassade 1972/73 Errichtung eines eingeschossigen kubischen Bibliothekbaus (mit Dokumentationsstelle), der aber in seinen zurückhaltend gestalteten, bronzefarbenen Leichtmetall-Paneelfassaden in keiner Beziehung zur neobarocken Hausteinarchitektur des Altbaus steht; Planung: Bundesfinanzverwaltung.</p> <p> <strong>Bedeutung: </strong>Unter Einfluss barocker Schloßbauten (Oberes Belvedere in Wien, kurfürstliches Schloß Mannheim, Schloß Rastatt sowie Wiener Ringstraßen-Architektur) konzipiert als eindrucksvolles Beispiel späthistoristischen Repräsentationsanspruchs des Großbürgertums, ein »ins Monströse gesteigerter« Typus eines Künstlerwohnsitzes, bezeichnend für den gesellschaftlichen Anspruch eines arrivierten Malers und Unternehmers.</p>