Beschreibung
<p><strong>Bayerische Staatskanzlei</strong> An der Stelle des im Krieg weitgehend zerstörten ehemal igen Bayerischen Armeemuseums (s. u.) nach Plänen von Siegert 1990-93 errichteter reprär sentativer Staatsbau.</p>
<p><strong>Vorgängerbauten: </strong>Nachdem unter Karl Theodor in das >Vischhaus< am Unteren -> Hofgarten eine Seidenmanufaktur eingerichtet und 1769 ein ergänzender >Filatoriibau< (Seidenspinnerei; Pläne von Lespilliez) errichtet worden war, kam es 1796 an der Südostseite des Unteren Hofgartens (gegen heutigen Marstal [platz) zur Errichtung der Seidenfabrik Altmutter, aber bereits wenige Jahre später mit Artilleristen belegt: sog. >Seidenhauskaserne<. 1801 Einebnung des großen Fischteichs und Umgestaltung zu einer Place d armes vor der nach Plänen von Frey zwischen 1801 und 1807 erbauten Hofgartenkaserne: dieser vierstöckige, kaum gegliederte Baublock von knapp 190 m Länge war die erste massive Abriegelung der Ostseite des Hofgartens gegen das Lehel und die wachsende Anna-Vorstadt. Ehe beide Kasernen 1893 aufgelassen wurden, mehrere Projekte vorgeschlagen: Grünanlage im Unteren Hofgarten (Klen-ze, 1848-63), Neubau einer kleineren Hofgartenkaserne (Klenze, 1860-63), Standort für das von Ludwig II. gewünschte Festspielhaus (Semper, 1866), Umgestaltung der Place d armes (Th. Fischer, 1895), Gebäude für kulturelle Zwecke (anstelle Hofgartenkaserne, Lasne 1895). 1898 Abbruch der Altbauten und Beschluss, für die von Ludwig II. 1870 gegründete und seit 1880/81 im Zeughaus an -> Lothstraße 1 untergebrachte bayerische Waffensammlung ein repräsentatives Gebäude zu errichten (Gedenktafel im Treppenaufgang zur Kuppelhalle der heutigen Staatskanzlei, s. u.). Im ehemaligen <strong>Königlichen Bayerischen Armeemuseum</strong> waren neben Museum (heute in Ingolstadt, -> S. 46) Kriegsarchiv, Armeebibliothek, Stadtkommandantur und Zeugmeisterei untergebracht. Projekt von Habler (1898/99) abgewiesen, dafür Planung von Mellinger ab 1899, Ausführung zwischen 1900 und 1904/05.</p>
<p><strong>Beschreibung: </strong>Der ca. 160 m lange viergeschossige Baukörper von dem monumentalen Mittelbau mitsechssäuligem Portikus und Kuppel beherrscht, flankiert von zwei niedrigeren, durch Kolossalpilaster gegliederten, siebenachsigen Seitenflügeln sowie dreiachsigen Kopfbauten; die repräsentative Schauseite zum Hofgarten und die Südfassade des rechten Kopfbaus zum Marstallplatz über Granitsockel in grauem Mainsandstein ausgeführt, die Ost- und Nordfassaden einfacher gestaltet; die 52 m hohe, in ihrer Form angeblich von Hildebrand überarbeitete Kuppel über der >Ruhmeshalle< (einstmals mit Fahnen der alten bayerischen Armee) auf parabolisch geformten Eisenbetonbögen und -pfeilern aufliegend, die beiden Kuppelschalen ebenfalls in Eisenbeton konstruiert. Durch Sprengbomben die beiden Flügelbauten 1944 fast ganz zerstört; ihre Ruinen und die beiden schwerbeschädigten Kopfbauten 1968/69 abgetragen, der Kuppelbau dagegen 1982 saniert und in den Neubau der Staatskanzlei eingefügt (s. u.). -Zu Füßen der hohen Freitreppe, in der Achse des Kuppelbaus, Reiterdenkmal (f. v. Miller d. J., 1911) für den ersten wittelsbachischen Herzog Bayerns, Pfalzgraf Otto l. (t 1183). Im Zentrum des begrünten ehemaligen Exerzierplatzes <strong>Kriegerdenkmal</strong>: Ursprünglich unter der Kuppel des Armeemuseums, dann in einer geplanten Krypta im Sockel der Feldherrnhalle vorgesehen, wurde das an ein Hünengrab erinnernde Mahnmal 1924-26 nach Plänen der Architekten Wechs und E. F. Finsterwalder errichtet: umgeben von abgesenktem Ehrenhof, in dessen Futtermauern ursprünglich Steinschnitte von Knappe sowie eingemeißelt die Namen der 13 000 im I.Weltkrieg gefallenen Münchener; nach Bombenzerstörung durch kleinere Steinschnitte, ohne Namen, ersetzt.</p>
<p><strong>Beschreibung: </strong>Auf zwölf Travertinblöcken aufliegender mächtiger Deckquader, in der durch schmale Treppenläufe zwischen den Trageblöcken zugänglichen, gruftähnlichen Krypta der >Tote Soldat« von Bleeker(1924), ursprünglich Rotmarmorfigur, seit 1972 durch Bronzeabguss nach dem Steinoriginal ersetzt.</p>
<p><strong>Bedeutung: </strong>In der unaufdringlichen Würde und der gleichzeitigen Abkehr von heroisierender Clorifizierung eines der besten Kriegerdenkmäler.</p>
<p><strong>Staatskanzlei </strong>Die Absicht, anstelle des schwer zerstörten Armeemuseums ein neues Sendegebäude für Bayerischen Rundfunk zu errichten (Projektentwürfe von Abel 1949/50), kam nicht zur Ausführung. Erst 1961 Beratungen im Bayerischen Landtag, 1962 Beschluss im Ministerrat, auf Museumsgelände neue Staatskanzlei zu bauen. Anlässlich des Umbaus des Prinz-Karl-Palais (-> Franz-Josef-Strauß-Ring 5) 1971-80 zum Amts- und Repräsentationssitz des bayerischen Ministerpräsidenten Planung, im westlich des Palais gelegenen Finanzgarten die neue Staatskanzlei zu errichten; der Entwurf von Kiessler (1969), ein Bau aus Stahl, Beton und Glas, aus Kostengründen und wegen Anfälligkeit bei Terroranschlägen 1977 endgültig aufgegeben. 1980 abermaliger Ministerratsbeschluss, die Staatskanzlei, zusammen mit >Haus der Bayerischen Geschichte^ an der Stelle des ehemaligen Armeemuseums (unter Einbeziehung des Kuppelbaus) zu errichten; 1981/82 Wettbewerb (66 Teilnehmer), den die Architekten Gansser und Siegert gewannen. Veröffentlichung (1984) von Modellfotos des geplanten Baus - lang gestreckter, hoher Haupttrakt mit zum Hofgarten vorgezogenen Seitenflügeln - rief Proteste von Stadtplanern, Architekten und Bürgern (Bürgerinitiative > Rettet den Hofgartem) sowie beachtenswerte Gegenvorschläge (u. a. durch Braunfels) hervor, jedoch von der Staatsregierung ignoriert. Nach Entdeckung (Dez. 1985) der Al-brechtinischen Arkaden (mit Resten von Bemalung) und des Klenzeschen Brunnhauses (-> Hofgarten) erhob Stadt Klage gegen den Zustimmungsbescheid der Regierung von Oberbayern; Gegenvorschläge und Sachgutachten (1986) erforderten 1987 Überarbeitung der bisherigen Pläne, die jedoch erneut auf Widerspruch stießen; Grundtenor: Verkennung der historischen und kulturellen Bedeutung des Geländes und Überdimensionierung der Gebäudevolumina. Schließlich 1989 Kompromiss zwischen Freistaat und Landeshauptstadt: Erhalt der frei zugänglichen Arkaden, Reduzierung der Baumasse des Neubaus, Auflockerung der Front zum Hofgarten durch Vorhängen einer Glasfassade sowie Integration und Restaurierung des Kuppelbaus. Nach abermals modifizierten Plänen durch Siegert Bau 1990-1993.</p>
<p><strong>Beschreibung:</strong> Die Hofgartenfassade beherrscht der Mitteltrakt mit Kuppel und fünf-achsigem Portikus aus Kolossalsäulen über hoher Freitreppe, die mittleren drei Achsen durch halbrunde Mosaikbilder über Hauptgeschossfenster (Krieg, bayerischer Löwe, Friede, von Marr) hervorgehoben; die mächtige Attika von zwei Statuen (Kraft und Eintracht, von Kaufmann) und beiderseits von je zwei Trophäen (von Pruska) bekrönt und dem kubushaften Unterbau des Kuppelsockels vorgesetzt; dieser, durch übergiebelte Thermenfenster gegliedert, trägt den niedrigen Tambour der verhältnismäßig kleinen Kuppel mit Laterne. Der unverständliche Abbruch der als >Gelenk< zu den Neubautrakten eigentlich höchst notwendigen einachsigen, rustizierten Rücklagen beiderseits des Portikus führte zur Reduzierung des Mittelbaukubus und zu unvermitteltem An-schluss der beiden verglasten Flügelbauten, durch dünne, stählerne Doppelsäulen über Sockelgeschoss in je 14 Achsen gegliedert; in etwa halber Höhe der Portikussäulen Übergang in eine ebenfalls verglaste Halbtonne: diese »Orangerie« kaschiert die >Fas-saden< von vier Bürogeschossen, die dagegen in der architektonischen Gliederung der Ostfassade zum Ring (über dem Sockelgeschoss) sichtbar gemacht werden. Prismatisch harte Risalite als südlicher und nördlicher Abschluss; der Letztere auf die restaurierte und durch bügelartige Stahlkonstruktion gesicherte Arkadenreihe des ehemal igen Unteren Hofgartens< (-> S. 159) ausgerichtet. - Hauptportal im Sockelgeschoss der Ostfassade des Kuppelbaus; über kreuzgewölbtem früheren Eingangsraum des Museums Aufgang zur ehemaligen Ruhmeshalle unter der Kuppel (vereinfacht restauriert): allseits von fünf Arkaden auf gedoppelten Säulen umgeben, darüber Balustraden unter kasset-tierten Tonnen. - Während der Untere Hofgarten mit dem Kriegerdenkmal als Rasenparterre gestaltet wurde, konnte durch Rückbau des Altstadtrings der Abstand zur Ostfassade verbreitert und die Vorfahrt zum Eingangsportal der Staatskanzlei angelegt werden. Dabei wurde auch der ehemalige Kögelmühlbach revitalisiert und, im Zusammenhang mit der gärtnerischen Neugestaltung zwischen Hofgarten und dem Vorfeld des Prinz-Karl-Palais (nach Plänen von G. und T. Hansjakob), in den Englischen Garten eingeleitet.</p>
<p><strong>Bedeutung:</strong> An städtebaulich sehr exponierter Lage als Repräsentationsbau errichtetes Kanzleigebäude - wobei auch ein demokratischer Staat sich unbestritten durch Architektur sichtbar (re-)präsentieren kann. Ob jedoch dieser Neubau als eine dem Freistaat Bayern entsprechende Baukunst bewertet werden darf, ist fraglich: Anstatt ein städtebauliches Gesamtkonzept zu berücksichtigen bzw. einzuplanen, steht der Neubau isoliert; zudem unorganische Einbindung des Kuppelbaus, schematische >Treibhausfassa-de< zum Hofgarten und Rasterfassade zum Ring (bei der darüber hinaus die Rückseite des Kuppelbaus zur Eingangsseite umgewidmet wurde). Somit besitzt das Gebäude -ebenso prädominant wie schon sein Vorgänger - eine Schauseite (zum Hofgarten) ohne (offiziell genutzten) Eingang und eine Hauptportalseite mit historischem Mitteltrakt (am Ring) in penibel restaurierter Rückseiten-Architekturgliederung. Typischer Fall einer durch falsch verstandenen Repräsentationswillen, bürokratische Sachzwänge, denkmalpflegerische Vorgaben, baurechtliche Auflagen und von politischer Polemik belasteten Planung und somit eines von erzwungenen Kompromissen stigmatisierten Bau-Produktes. </p>
Quellen
Armee-Museum
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)
Armee-Museum. Hofgartenstr. 1. Im Stil italienischer Hochrenaissance (in Rücksicht auf den benachbarten Festsaalbau der Residenz gleichen Stils) 1903,05 von L. v. Mellinger als prächtiger Abschluß des Hofgartenterrains (anstelle der alten Hofgartenkaserne) errichtet. Hauptfront 160m lang, geteilt in den überhöhten Mittelbau (mit monumentaler Kuppel, sechssäuliger Vorhalle und Freitreppe), in 2 Zwischenbauten und 2 mit Pfeilerrisaliten ausgestatteten Eckpavillons (südlich K. Kommandantur, nördlich K. Feldzeugmeisterei). Fassadenverkleidung in fränkischem Sandstein.
Ausschmückung: 3 Reliefskulpturen (Stadtwappen und kriegerische Embleme), über der Vorhalle 3 Mosaiken (Bayerns Löwe, Allegorie von Krieg und Frieden), steinerne Trophäen und Allegorien von Kraft und Eintracht auf der Mittelbau-Attika. Vor dem Eingang auf einer Rustikaterrasse das Reiterstandbild des ersten wittelsbachischen Bayernherzogs (Siegers an der Bernerklause) Otto von Wittelsbach (von Ferd. v. Miller). Vielleicht würde sich der Prachtbau noch machtvoller präsentieren, wenn nicht die Kuppel, die vor allem bei hochliegenden Gebäuden wirksam ist, den an und für sich schon tiefgelegenen Bau zu drücken schiene. [„Das Armee-Museum“ von H. Fahrmbacher],
Armeemuseum
München und seine Bauten (1912)
Das Armeemuseum wurde 1900/1905 vom K.Geh.OberbauratRitterv. Mellinger nach dessen Entwurf erbaut. Gesamtbausumme (ohne Inneneinrichtung) rund M. 2070000, 1 cbm umbauter Raum M. 19.50. Der Mittelbau, die Unterund Erdgeschosse der Zwischenbauten sind dem Armeemuseum, die Obergeschosse der Zwischenbauten dem Kriegsarchiv und der Armeebibliothek, der südliche Kopfbau der Stadtkommandantur(einschließlichDienstwohnungfürden Stadtkommandanten), der nördliche Kopfbau sowie der Flügel an der Galeriestraße der Feldzeugmeisterei und der Intendantur der militärischen Institute zugewiesen. Die Fassaden gegen den Hofgarten sind aus grauem Mainsandstein (Eltmann), die Fassaden des Hofes und diejenigen der Galeriestraße mit rauhem Kalkmörtel unter Verwendung von Jsarsand verputzt. Der Sockel ist bei den Hausteinfronten aus Mettner Granit, sonst aus gestocktem Beton.
Das Dach des Mittelbaues ist mitKupfer gedeckt, die übrigen Gebäudeteile, ausgenommen der Pavillon in der Galeriestraße, habenHolzzementdächer; letzterer Falzziegeldach. Der Kuppelbau wird von vier parabolisch geformten Eisenbetonbögen und Eisenbetonpfeilern getragen. Die innere und äußere Kuppel, sowie die Laterne sind vollständig in Eisenbeton hergestellt. Die Decken im Mittelbau und in den Zwischenbauten sind zum Teil Eisenbeton-, zum Teil Hohlstein- (Secura-) Decken, in den Kopfbauten Holzbalkendecken. Die Fußböden in den Ausstellungsräumen sind teils aus Terrazzo, Granit, Marmor, Eichenriemen und Linoleum, in den Bureaus und Wohnrüumen aus Linoleum auf Gipsestrich und Eichenriemen. Die im Gebäude vorhandene Niederdruckdampfheizung heizt die Sammlungsrüume des Armeemuseums, des Kriegsarchivs und die Armeebibliothek, alle übrigen Räume haben Kachelöfen beziehungsweise eiserne Regulierfüllöfen. Der äußere bildnerische Schmuck über dem Portikus, aus Muschelkalk, ist von den Professoren Pruska und Kaufmann, alle übrigen an den Hausteinfassaden und im Innern vorkommenden Bildhauerarbeiten von den Bildhauern Kopf, Burger, Professoren Pfeifer und Seidler, die Glasmosaikbilder im Mittelbau sind nach Entwürfen Professors Marr von der Bayerischen Mosaikkunstanstalt hergestellt. 551