Name Ehem. Palais Holnstein
Architekt Cuvilliés Francois de  
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Kreuzviertel
Straße Kardinal-Faulhaber-Straße 7
Jahr Baubeginn 1735
Jahr Fertigstellung 1737
Baustil Rokoko
Kategorie Adelssitze & Höfe
Palais
Baustil Rokoko
Rokoko
Unterkategorie Palais  
Suchbegriffe Palais Holnstein Erzbischöfliches Palais 
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Bemerkung

Ehem. Palais Holnstein, ursprünglich Adelswohnsitz, seit 1818 Erzbischöfliches Palais, mit um einen Innenhof gruppierten Flügeln, dreigeschossiger Bau mit reicher Rokokogliederung und Dreiecksgiebel, von Francois de Cuvilliés d. Ä., 1735/37; mit Innenausstattung. (Geschütztes Kulturgut)

  • März 2012 - Kardinal Reinhard Marx zieht in das renovierte Palais ein

Beschreibung

<p> <strong>Erzbischöfliches Palais</strong>* Früher Palais Holnstein, dann (seit 1749) Palais Königsfeld, 1733-37 im Auftrag von Kurfürst Karl Albrecht für seinen natürlichen Sohn Franz Ludwig von Holnstein (aus der Liaison mit dem Hoffräulein Sophie Caroline von Ingenheim) durch Cuvillies d. Ä. an der Stelle von drei Vorgängerbauten bei Verwendung vorhandener Mauersubstanz errichtet. Ab 1818 Staatsbesitz, dem Erzbischof von München und Freising (seit 1821) zur Verfügung gestellt. 1890 und 1945 (nach leichten Kriegsschäden) restauriert, Fassade 1961 und 1972 renoviert; 1970/71 Innenrestaurierung und weitgehender Umbau der rückwärtigen Teile.</p> <p> <strong>Fassade:</strong> neun Fensterachsen, die mittleren drei durch übergiebelten Risalit zusammengefasst; über dem Einfahrtstor in der Mitte vorschwingender Balkon, in der Dachzone flacher Giebel mitWappen. Über bossiertem Erdgeschoss mit vergitterten Bogen- und runden Mezzaninfenstern die auf Gesimsband aufstehende kolossale Pilasterordnung, die als &gt;Würdemotiv&lt; galt (wie beim benachbarten Palais Portia, -&gt;• Kardinal-Faulhaber-Straße 12), künstlerisch aber damals bereits ein veraltetes Motiv war. Zwischen den Pilastern die hochrechteckigen Fenster der Beletage mit Segmentbogen und die Stichbogenfenster des zweiten Obergeschosses. Über breitem Architrav mit Konsolen das Gesims unter dem Dachansatz. Die Stuckdekorationen,). B. Zimmermann zugeschrieben, gleichmäßig über die Wandflächen verteilt, dem tektonischen Prinzip der Fassadengliederung untergeordnet; lediglich Häufung im Giebel (Wappen der Grafen Holnstein, mit Bastardbalken) und in der Zone über dem Portal (&gt;Marienhuldigung&lt;); das Portal J. Dietrich zugeschrieben.</p> <p> <strong>Grundriss:</strong> Schema des barocken Stadtpalais mit regulärer Dreiteilung der Fassade: der dem Mittelrisalit entsprechende tiefrechteckige Hof von zwei unterschiedlich tiefen Trakten flankiert. Die Anordnung der (nicht zugänglichen)</p> <p> <strong>Innenräume</strong> - durch J. B. Zimmermann vermutlich nach Entwürfen von Cuvillies ausgestattet-folgt demselben Stadtpalaisschema: im Erdgeschoss-Westflügel Durchfahrt (unter 4 und 7) und neue Hauskapelle (unter 3; Entwurf von Foltz 1865); Süd- und Ostflügel (unter 9) Wirtschaftsräume (Stallung, Remisen U.A.); im Nordflügel Vestibül (unter 2) mit Zugang zur Haupttreppe</p> <p> <strong>1</strong>: im Erdgeschoss Kopie der einst hier, seit 1952 im Palais Portia aufgestellten &gt;Bellona&lt; (Minerva als Kriegsgöttin); das 1970/71 freigelegte Deckenfresko von Zimmermann zeigt Gerechtigkeit und Friede&lt;; Stuckfiguren &gt;Architectura&lt; und &gt;lngeniumErkenntnis&lt; (von Zimmermann) im Hauptgeschoss. Die im Folgenden verwendeten Raumbezeichnungen entsprechen der derzeitigen Nutzung (über ursprüngliche Verwendung der Räume des ersten und der gleich angeordneten Räume im zweiten Obergeschoss für die Dame des Hauses keine Angaben aus der Zeit erhalten):&nbsp;<br /> <strong>2</strong> Vorraum.&nbsp;<br /> <strong>3</strong> Sitzungszimmer (in der Mitte der Decke Stuckfigur &gt;Flora&lt;).&nbsp;<br /> <strong>4</strong> Empfangszimmer/Salon (früher Schlafzimmer; im Mittelfeld der Decke &gt;Apollo auf dem Sonnenwagen&lt;).&nbsp;<br /> <strong>5</strong> Arbeitszimmer (mit Planetendarstellungen).&nbsp;<br /> <strong>6</strong> Kabinett mit Alkoven (mit stilistisch am weitesten entwickeltem Stuck).&nbsp;<br /> <strong>7</strong> Vorraum.&nbsp;<br /> <strong>8</strong> Speisezimmer. - Im zweiten Obergeschoss (über 1) Bibliothek mit verrestauriertem Deckengemälde von Zimmermann (&gt;Apollo musizierend&lt;). Über 5 und 6 Gastzimmer mit Kabinett (von Cuvillies und Zimmermann 1735 ausgestattet: mit Boiserien, Spiegel, Wandbespannung und Gemälden), der am ursprünglichsten erhaltene Raum des Palais; es handelt sich um das einzige erhaltene Rokokokabinett* i n einem Münchener Stadtpalais, das die Kriegszerstörungen überstanden hat. Bei der nur noch teilweise vorhandenen Stuckierung bemerkenswert die abwechslungsreiche Nuancierung zwischen Regence- und Rokokoformen. - Im Hof (Erdgeschoss bei 9) in halbrunder Brunnennische ursprünglich Gruppe &gt;Venus mit drei Genien&lt; von Sträub, der der Künstler seine Ernennung zum Hofbildhauer (1737) verdankte (außer schriftlichem Hinweis nichts überliefert).&nbsp;</p> <p> <strong>Bedeutung: </strong>Einzig annähernd unversehrt erhaltenes Stadtpalais Cuvillies in München. Einklang von Raumdisposition und Fassadengestaltung, straffe Reihung der Pilasterordnung im Kontrast zur dekorativen Plastik, Dreier-Rhythmisierung der Fassade und ausgewogene Proportionierung des Erdgeschosses sowie der Beletage und des zweiten Obergeschosses verleihen dem Palais seinen überragenden künstlerischen Rang.</p> <p> <strong>Nachtrag 2009</strong><br /> Das seit der letzten Restaurierung 1971 vernachlässigte Gebäude 2008-2011 in Generalsanierung, wobei das Deckenfresko // Parnasso im Raum unter dem Dachgarten restauriert, die erzbischöflichen Wohnräume in den 2.Stock des Haupttrakts verlegt, im 1. Stock Büros eingerichtet und eine frühere Treppe vom 1. in den 2. Stock im Raum nordöstlich des Treppenhauses rekonstruiert werden sollen. An der Bestimmung der Räume 2 bis 8 soll sich nichts ändern.</p> <p> &nbsp;</p>

Quellen

Erzbischöfliches Palais,
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Erzbischöfliches Palais, Promenadestr. 7. Von Cuvillies dem Aeltern 1733—35 für den Grafen Holnstein erbaut; spätere Inhaber: die kurfürstliche Hofdame Sophie Freiin von Ingenheim [JW] und der Graf Königsfeld [KB], Der Palast bietet eine der allerfeinst durchgeführten Kokokofassaden, die München hat und ist, legen wir den Akzent auf den Begriff „vornehm“, entschieden der vornehmste Privatbau der Residenzstadt. Der Grundriß hat viel Aehnlichkeit mit einem früheren Werke Cuvillies in München, dem Eichthalpalais, namentlich in den vornehm und abwechslungsreich angelegten Zugangsräumen — die, wie auch ein Teil der Innenausstattung, glücklicherweise erhalten blieben. Die Fassade bedeutet eine starke Annäherung an das typische französische Palastschema mit dem gequaderten Erdgeschoß und der die 2 obern Stockwerke zusammenfassenden Pilasterordnung, dem wir namentlich in Nordfrankreich oft begegnen können, das aber hier in München (neben Zuccalis Versuch am Museumsgebäude (Porciapalais) vereinzelt dasteht, Ueber dem Portal kragt im „piano nobile“ das stark schattende Gesims zu einem von 3 Konsolen getragenen Gitterbalkon vor. Das Erdgeschoß selbst ist höher und strenger gehalten, darum auch vornehmer wirkend als das an dem viel früheren Preysingpalais des Effner, und ist gegliedert durch Bundbogenfenster und Ochsenaugen. Auf dem Gesims ruhen die 10 breiten und kräftig vortretenden Pilaster, mit denen die Fensterfolgen der beiden Obergeschosse durchweg — nicht nur im Mittelrisalit — ausgesetzt sind und die nur eine sehr schmale Wandfläche, gerade ausreichend für die Fensterbreite, übrig lassen. Der Abschluß nach oben erfolgt durch ein hohes, auf geparten Widderkopf-Konsolen ruhendes Dachsims mit dem markant überragenden und vorragenden Giebel, der das Mittelrisalit heraushebt. Die rokokomäßig belebende Flächen dekoration, die — bei einem sehr reserviert gehaltenem Relief — prikelnd über das Ganze hinzieht, ist hier mit einer selten zu findenden Delikatesse behandelt. Die jugendliche Lust am Vielfältigen, die am Eichthal-Palais noch stört, ist hier am Werk des Gereifteren gelöscht; und obwohl es dem Gebäude an Abwechslung nicht fehlt — hervortretendes Mittelrisalit, vorkragender Dachgiebel — schlägt doch das Verbindende durch gegenüber dem, was als trennend in der Fassade gegeben ist: der Blick verflüchtigt sich nicht aufs einzelne, sondern vermag den durchziehenden Bewegungsstrom wohl aufzunehmen. Im einzelnen zeigt die Dekoration Muschelwerk und Löwenfratzen im Erdgeschoß, im 1. Stock Kartuschen mit männlichen und weiblichen Köpfen, im 2. Stock Muschelmotive mit Blumenguirlanden. Reizvoll ist der von 2 Putten getragene Schild im Giebel und das Füllstück überm Portal: ein von einem Genius und 2 Putten gehaltener Muschelschild mit einem Madonnenrelief [BAJ, KB].