Name ehem. Palais (Fugger-) Portia
Architekt Cuvilliés Francois de  
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Kreuzviertel
Straße Kardinal-Faulhaber-Straße 12
Jahr Baubeginn 1693
Jahr Fertigstellung 1694
Baustil Barock
Kategorie Keine Kategorie
Baustil Barock
Barock
Suchbegriffe Palais Fugger Palais Portia 
Kein Bild vorhanden
Noch kein Bild vorhanden

Bemerkung

Fassade des ehem. Palais (Fugger-) Portia, reich gegliederte und stuckierte Barockfassade, von Philipp Zwerger nach Entwurf von Enrico Zuccali, 1693/94, umgestaltet von François de Cuvilliés der Ältere, 1737.

Beschreibung

<p> <strong>Palais Portia</strong> Kaufeines im Kern noch gotischen Hauses 1693 durch Obersthofmeisterin A. M. Gräfin Fugger-Kirchheim; Auftrag an Zuccalli für Neubau unter Bauleitung Zwergers: Vierflügelanlage um rechteckigen Innenhof 1693/94 (»Fuggerisches Haus«); die ursprünglich vorgesehenen Zwerchgiebel über den seitlichen Fensterachsen und über Mittelrisalit nicht ausgeführt, die Schöpfer der hochbarocken Innenausstattung nicht bekannt. 1710 Übergabe an Ph. J. GrafTörring, 1731 von Kurfürst Karl Albrecht gekauft, der es im selben Jahr der Gräfin M.J. von Topor-Morawitzky (Kammerfräulein der Kurfürstin) als eine Art Morgengabe schenkte. Zwischen 1731 und 1733 &gt;Moder-nisierung&lt; der Fassade, neue Raumeinteilung und Inneneinrichtung des Appartements der Gräfin durch Cuvil lies unter Mitwirkung von J.B. Zimmermann (Stuck), Pichler, Mi-rowsky und Dietrich (Paneele, Supraporten) sowie N. G. Stuber (Fresken). 1737 heiratete die Gräfin den Hofkämmerer J. A. Fürst Portia (&gt;Palais Portia&lt;). Ab 1806 im Besitz der Rechberg, wurde das Anwesen 1819 von der 1802 gegründeten Literarischen Gesellschaft &gt;Museum&lt; erworben. Einbau eines großen Tanz- und Konzertsaals im zweiten Obergeschoss des Rückgebäudes (1819/20) durch Metivier (unter Aufsicht Klenzes); abermalige &gt;Verschönerungen&lt; durch Metivier 1825 und 1837. Umfassende Renovierung der &gt;Museum&lt;-Räume 1900-02 (Dekoration in Anlehnung an Stilformen G. v. Seidls); 1918/19 Umbau bzw. Neubau erwogen (Planung von Th. Fischer 1919/20), durch Einspruch Münchener Kulturvertreter verhindert. Das Gebäude seit 1934 im Besitz der Bayerischen Vereinsbank. 1944 bis auf Fassade weitgehend zerstört; 1950-52 Wiederinstandsetzung der Fassade und funktionsgerechter Neuausbau im Innern. Bei Baumaßnahmen im Gefolge der Fusion von Hypo-Bank und Vereinsbank (1998) erneute Renovierung der Straßenfassade sowie Gestaltung der Rückseite (gegen die Passage der &gt;Fünf Höfe&lt;, -&gt;• S. 42 0)1999-2 001 wohl nach Zuccallis ursprünglich seitlichen Hoffassaden (1693), jedoch ohne Erdgeschossarkaden.</p> <p> <strong>Fassade*</strong>: Über rustiziertem Sockelgeschoss mit (schräg ansetzPalais Portia Kaufeines im Kern noch gotischen Hauses 1693 durch Obersthofmeisterin A. M. Gräfin Fugger-Kirchheim; Auftrag an Zuccalli für Neubau unter Bauleitung Zwergers: Vierflügelanlage um rechteckigen Innenhof 1693/94 (»Fuggerisches Haus«); die ursprünglich vorgesehenen Zwerchgiebel über den seitlichen Fensterachsen und über Mittelrisalit nicht ausgeführt, die Schöpfer der hochbarocken Innenausstattung nicht bekannt. 1710 Übergabe an Ph. J. GrafTörring, 1731 von Kurfürst Karl Albrecht gekauft, der es im selben Jahr der Gräfin M.J. von Topor-Morawitzky (Kammerfräulein der Kurfürstin) als eine Art Morgengabe schenkte. Zwischen 1731 und 1733 &gt;Moder-nisierung&lt; der Fassade, neue Raumeinteilung und Inneneinrichtung des Appartements der Gräfin durch Cuvil lies unter Mitwirkung von J.B. Zimmermann (Stuck), Pichler, Mi-rowsky und Dietrich (Paneele, Supraporten) sowie N. G. Stuber (Fresken). 1737 heiratete die Gräfin den Hofkämmerer J. A. Fürst Portia (&gt;Palais Portia&lt;). Ab 1806 im Besitz der Rechberg, wurde das Anwesen 1819 von der 1802 gegründeten Literarischen Gesellschaft &gt;Museum&lt; erworben. Einbau eines großen Tanz- und Konzertsaals im zweiten Obergeschoss des Rückgebäudes (1819/20) durch Metivier (unter Aufsicht Klenzes); abermalige &gt;Verschönerungen&lt; durch Metivier 1825 und 1837. Umfassende Renovierung der &gt;Museum&lt;-Räume 1900-02 (Dekoration in Anlehnung an Stilformen G. v. Seidls); 1918/19 Umbau bzw. Neubau erwogen (Planung von Th. Fischer 1919/20), durch Einspruch Münchener Kulturvertreter verhindert. Das Gebäude seit 1934 im Besitz der Bayerischen Vereinsbank. 1944 bis auf Fassade weitgehend zerstört; 1950-52 Wiederinstandsetzung der Fassade und funktionsgerechter Neuausbau im Innern. Bei Baumaßnahmen im Gefolge der Fusion von Hypo-Bank und Vereinsbank (1998) erneute Renovierung der Straßenfassade sowie Gestaltung der Rückseite (gegen die Passage der &gt;Fünf Höfe&lt;, -&gt;• S. 42 0)1999-2 001 wohl nach Zuccallis ursprünglich seitlichen Hoffassaden (1693), jedoch ohne Erdgeschossarkaden. Fassade*: Über rustiziertem Sockelgeschoss mit (schräg ansetzendem) Säulenportal zwei Obergeschosse zu sieben Fensterachsen, durch vier Pilaster im Verhältnis 2:3:2 gegliedert; kräftiges Konsolgesims. Aufriss noch auf Zuccalli zurückgehend, Cuvillies beschränkte sich auf Anbringen von Stuckdekor, wohl durch J. B. Zimmermann, und ersetzte die Balkonbalustrade durch ein Schmiedeeisengitter mit Initialen JTM (für JosephaTopor-Morawitzky). In der Nische über dem ersten Stock Madonna, Kopie des heute im Treppenhaus verwahrten Originals aus Basalt.</p> <p> <strong>Vestibül</strong> wieTreppenhaus beim Wiederaufbau verändert, aber in Anpassung an den alten Stilcharakter gestaltet. In der Wand einige bei der Fassadenerneuerung übrig gebliebene Ornamentabgüsse. In der Nische (seit 1952) Stuckplastik einer Bellona, um 1735, ursprünglich im Palais Holnstein.</p> <p> <strong>Bedeutung</strong>: Frühestes und für die barocke Palastarchitektur Münchens vorbildliches Adelspalais im Stil italienischer Palazzi. Die im Krieg untergegangenen Innenräume mit der von Cuvillies entworfenen und von Zimmermann, Dietrich und Stuber geschaffenen Ausstattung zählten zu den schönsten Privatgemächern des bayerischen Rokoko. -Von 1819 bis zur Auflösung der Gesellschaft &gt;Museum&lt; 1937 war ihr Konzertsaal neben dem Odeon (-* Odeonsplatz 3) eine der renommiertesten Musikpflegestätten in München.</p>

Quellen

Portia-Palais
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Promenadestraße 10, Portia-Palais, jetzt Haus der Museumsqesellschaft. Vom Italiener Henrico Zuccali 1693 für den Grafen Philipp Joseph von Törring-Seefeld (nach BAJ für den Grafen Fugger) erbaut, schenkte es Kurf. Karl Albrecht 1731 der Freiin Josepha Topor Morawitzky (aus diesen 3 Buchstaben das Monogramm am Balkon), der nachmaligen „Fürstin Portia“, nachdem er es durch den Franzosen Cuvillies außen und innen hatte modernisieren lassen. Das Palastmäßige des Baues, das hier vorgetragen ist, geht ganz abseits von der bisherigen Münchner Baugewohnheit, ist so sehr „direkter Import“, daß er — ein echt italienischer Palazzo, wie er im Buch steht — ebensogut in irgend einer italienischen Stadt wie Bologna stehen könnte. Dieser Bau hat in dem damals immerhin noch ländlich anmutenden Kesidenzstädtchen — dieser Ausdruck ist für das München der damaligen Zeit durchaus berechtigt — ein so großes Aufsehen gemacht, daß er alsbald zum „Typus“ wurde, der dann in mannigfaltiger Brechung und Abschwächung auch das minder vornehme Haus in weiterm Umfang bedingte. Um nun den ursprünglichen Eindruck des Gebäudes, wie er früher war, wieder herzustellen, muß man sich vor allem die kleinen Läden, die sich im Erdgeschoß eingenistet haben, wegdenken und dafür die streng horizontalen Fugungen durchaus gehen lassen.

Der sockelmäßige Eindruck des Erdgeschosses ist nicht nur dadurch bedingt, daß die ursprünglichen Oeffnungen knapp sind, sondern namentlich auch dadurch, daß die Vertikale hier noch gar nicht vorkommt. Die Vertikale als die durch die 4 Kompositpilaster markierte große Kontrastlinie ist vielmehr dem obern Teil des Gebäudes Vorbehalten, der (obwohl zweigeschossig) dennoch zu einer Einheit zusammengenommen ist — eben dadurch, daß das Erdgeschoß als bloßer Sockel figuriert, — eine Geschlossenheit, wie sie in der gesamten deutschen Architektur bis dahin noch nicht vorhanden war; ein deutscher Baumeister hätte alle 3 Stockwerke als eine Folge von drei gleichwertigen Einheiten gebildet. Die Vertikalgliederung ergibt ein Mittelrisalit mit 3 Fensterachsen und 2 Seitenrisalite mit je 2 Fensterachsen. In diese Folge von 3 Geschossen hat die Fensterreihe des Hauptgeschosses auch den Hauptakzent, nicht gerade durch die Größe der Fensterlöcher, sondern durch die Wucht der Verdachungen, die — als Segmentgiebel gebildet — auf stark vortretenden, kurzstämmigen jonisierenden Säulen ruhen und eine Blendbalustrade zur Basis haben. Die Fensterfolge darüber ist als etwas Sekundäres in Abhängigkeit von der ersten behandelt, und das Gleichgewicht wird erst wieder hergestellt durch die markante Reihe der in enger Flucht angeordneten Konsolen des Dachgesimses.

Das architektonisch gebildete Auge ersieht demnach unschwer die Dominante der tektonischen Formenharmonie sofort in dem starken plastischen Akzent des Dachgesimses zusammen mit dem zweiten großen plastischen Akzent der (ebenfalls eine Linie für sich bildenden) Fensterverdachungen des ersten Stockes. Es kommt hierzu als Unterbrechung das ursprünglich vorspringende Portal mit seinen beiden toskanischen Säulen, wo später nur insofern eine Veränderung eingetreten ist, als der aufs Zierliche gerichtete Geschmack Cuvillies dort einen sehr schönen eisernen Balkon angeordnet hat, wo anfänglich eine derbe Steinbalustrade stand (entsprechend den Fensterbalustraden im Hauptgeschoß). Als etwa 100 Jahre später der Bau für die „Porcia“ adaptiert werden mußte, tat Cuvilliés alles mögliche, um den strengen und herben Charakter zu mildern. Alles, was an blühendem Formenspiel über dem Portal imd den Fenstern erscheint, was sich an flimmernder Flächenbelebung über die Fassade hinzieht, die zierlichen Trophäen und Roeaillekartuschen, die ganze Dekoration an den obern Fenstern und die Heraussetzung jener Giebelverdachung in der Art, daß die strenge, lastende Horizontale durchbrochen ist, das alles gehört dem Rokoko an — und, weil in durchaus künstlerischem Sinn geschaffen, verträgt sich Altes und Neues recht gut miteinander. Im Innern blieb der Hof aus Zuccalis Zeiten unverändert. Als Werk Cuvillies blieb erhalten namentlich der erste Saal mit seinem Kamin aus grauem Stuckmarmor und dem reichvergoldeten Rokokorahmenwerk darüber sowie seiner flach stuckierten Decke; dann der zweite Saal mit seinen prächtigen Flügeln und den zierlichen Muschel- und Akanthusornameuten an der Decke [KB].