Name Ehem. Karmeliterkirche St. Nikolaus
Architekt Schedel von Greifenstein Nikolaus  Ruf Sep  
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Kreuzviertel
Straße Karmeliterstraße 1
Jahr Baubeginn 1657
Jahr Fertigstellung 1660
Baustil Frühbarock
Sakral katholisch
Kategorie Religiöse Bauwerke
Kirche
Baustil Keine Kategorie
Frühbarock
Unterkategorie Kirche  
Suchbegriffe Karmeliterkirche St. Nikolaus 
Ehem. Karmeliterkirche St. Nikolaus
Ehem. Karmeliterkirche St. Nikolaus Karmeliterstraße
Bildrechte: © Gerhard Willhalm, <a title='Ehem. Karmeliterkirche St. Nikolaus München Karmeliterstraße ' href='https://fotoagentur-muenchen.de/bilder/d_bilder.php?id=14933'>Ehem. Karmeliterkirche St. Nikolaus</a>, <a title='Lizenzhinweis Fotoagentur München' href='https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode'>CC BY-NC 4.0</a>

Bemerkung

Ehem. Karmeliterkirche St. Nikolaus (profaniert), Frühbarockbau 1657-60 von Marx Schinnagl, Äußeres 1802 von Nikolaus Schedel von Greifenstein klassizistisch umgestaltet; Inneres 1955-57 durch Sep Ruf umgebaut und unterteilt; vgl. auch Ensemble Altstadt, Platzbild Promenadeplatz.

Beschreibung

<p> <strong>Ehemalige Karmelitenkirche St. Nikolaus</strong> An der Stelle einer durch Herzog WilhelmV. 1582 erbauten Nikolauskapelle - wohl Ersatz für die beim Bau von St. Michael (- &gt; Neu-hauser Straße 6) abgebrochene mittelalterliche Nikolaus-»Kapelle auf dem Haberfeld« - als Votiv Maximilians l. zum Dank für seinen Sieg am Weißen Berg bei Prag (1620) zu bauende Kirche; Versprechen aber erst durch Kurfürst Ferdinand Maria eingelöst: Konventbau 1654-57, Kirche 1657-60 (mit Ergänzung des Nikolaus-Patroziniums &gt;Unsere liebe Frau vom Berg Karmel&lt;): Pläne von Asper, ausgeführt von Schinnagl.</p> <p> <strong>Beschreibung:</strong> Dreiflügelige Klosteranlage östlich der ehemaligen Herzog-Max-Burg (-&gt; Len-bachplatz 7), an Nordseite Kirche. Im Gefolge der Säkularisation (1802) Kloster aufgelöst und teils als (Ludwigs-)Cymnasium, teils als Erziehungsinstitut &gt;Hollandeum&lt; verwendet, später als Ordinariat. Kirche durch Schedel von Greifenstein 1802-11 zunStu-dienkirche&lt; (und damit verbunden Versachlichung der Fassade) umgestaltet, ferner Portal an Nordflanke eingebrochen. 1943 und 1944 wiederholt z. T. schwer beschädigt, wurden die Klostergebäude 1954/55 zugunsten eines Neubaus für Erzbischöfliches Ordinariat und Domherrnwohnungen völlig abgeräumt. Restauration der Kirche durch Ruf 1955-57 mit Umfunktionierung des Langhauses zu einem Versammlungs- und Vor-tragssaal, des ehemaligen Querhauses zur Kapelle für das Ordinariat und des Chorraums zu fünfstöckiger Bibliothek; die anschließende frühere Sakristei nach Restaurierung (1980/81) zum Archiv- und Bibliothekslesesaal umgestaltet.</p> <p> <strong>Äußeres:</strong> Basilikaler Aufriss mit Querhaus (in den Rechteckgrundriss eingebunden), rechteckiges Altarhaus, mit Südturm. Rundbogenfenster in Seitenwänden und Hochschiff, mit zurückhaltender Pilastergliederung. Einzig die Ostfassade reicher gestaltet; durch Umgestaltung 1802 ff. jedoch sehr viel nüchterner.</p> <p> <strong>Inneres:</strong> Hauptschiff mit Kreuzgewölben auf pfeilerhaften Trennwänden zwischen den flachrechteckigen Kapellen (Abfolge: vier Joche, Querhaus, vier Joche, Altarraum); qualitätsvoller Stuck von ca. 1720. Beseitigung barocker Altäre und Bildwerke wie Tabernakel von ca. 1740/43 (heute in Allerheiligenkirche am Kreuz, &gt; Kreuzstraße 10) oder Schutzengelgruppevon . Günther (heute im Bürgersaal, -&gt; Neuhauser Straße 14, Abb. S. 305). Dagegen klassizistisch-frühnazarenische A/far-b;7c/er(&gt;Christusals Kinderfreundc vonj. P. Langer, 1812-19, und &gt;HI. Albert&lt; von Sto-rer, 1803; heute Bayerische Staatsgemäldesammlungen). - In reich stuckierter ehemaliger 5a/crisfe/*(Quadratraum mit Mittelsäule und vier Kreuzgewölben) bei Restaurierung 1981 Fresken von Gumpp (um 1715-19) freigelegt (Thematik: marianische Embleme und schützende Hilfe bei irdischen Nöten durch Maria als Ordens- und Kirchenpatronin). Von ursprünglicher Ausstattung des Klosters erhalten 13 Gemälde aus einer Folge über Leben und Wirken des Karmeliterpaters, Mystikers und Feldpredigers unter Herzog und Kurfürst Maximilian, Dominikus a Jesu Maria, St. Theresia, &gt; Dom-Pedro-Straße 39: vier im Chorumgang (im rechten Bild »Ansicht des Karmelitenklosters in der Stadt Münchem zu Anfang des 17. Jh.), neun im Kloster.</p> <p> <strong>Bedeutung:</strong> Erster ein-heimischerbarocker Kirchenbau Münchens in städtebaulich wichtiger Lage; der bereits im Original spröde Architekturstil (v. a. bei Fassade) weniger durch Bettelorden bedingt als vielmehr durch Unsicherheit bei Anwendung manieristischer Stilmittel der Spätrenaissance (ähnlich Altes Schloß Schleißheim); durch Eingriffe des 19. Jh. noch verstärkt, bei Wiederherstellung nach Kriegsschäden abermalige Simplifizierung.</p>

Quellen

Karmelitenkirche St. Nikolaus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Karmelitenkirche St. Nikolaus, Karmeliterstraße 2.

Geschichte. Kurfürst Maximilian I. gelobte in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag, 8. September 1620, für den Fall seines Sieges den Karmelitern in München Kirche und Kloster zu bauen — wahrscheinlich in Hinsicht auf den heiligmäßigen Karmelitenmönch Dominikus Kuzzola aus Spanien, der als Feld pater (ähnlich wie der Tiroler Kapuziner Haspinger) mit einem Kreuz in der Hand während des Kampfes die Soldaten begeisterte und zur Tapferkeit entflammte. Schon 1629 zog dieser Orden aus Prag in München ein; indes erst 1657 wurde mit dem Bau der großen Klosterkirche an Stelle der alten kleinen Nikolauskirche begonnen.

In der Säkularisation wurde das Kloster aufgehoben, die Kirchenausstattung größtenteils entfernt, das Kloster als Erziehungs- Institut den Benediktinern unter Leitung des P. Holland (daher heute noch „Hollandeum“) übertragen und die Kirche als „Studienkirche“ verwendet; ein anderer Teil des Klosters dient dem „Ludwigsgymnasium“ (Maxburgstraße), ein anderer dem erzbischöflichen Ordinariat (Pfandhausstr. 1).

Kunst. Kirche erbaut 1657—60 von Hans Konrad As/jeraus Konstanz, interessant alsMittelglied zwischen der Michelsund Theatinerkirche; der Architekt konnte sich noch nicht ganz von der mittelalterlichen Tradition befreien: er wendet für das Mittel- und Querschiff noch immer das mittelalterliche Kreuzgewölbe an, obgleich er sich bemüht, in Weiträumigkeit und Uebersichtlichkeit dem neueren Kirchentypus möglichst gerecht zu werden [BAJ 114]; übrigens „einen sakralen Raum von weitem lichtem Eindruck mit noch simpleren Mitteln herzustellen und nirgends ans Profane zu streifen, dürfte schwer sein; hier war der Ansatz zu einer populären Ausbreitung des Münchner Jesuitenbaues in kleineren Verhältnissen gegeben [W 124].“

Grundriß und Aufbau: einfacher und rechteckiger Renaissancebau, durch das Querschiff in der Mitte der Länge kreuzförmig; rechtwinkliger Chorabschluß; Nebenschiffe durch Pfeiler in Kapellenräume geteilt, die jedoch mittelst schmaler Durchgänge unter sich verbunden sind. Pfeiler mit jonischen Pilastern besetzt; über ihnen Gesims und Attika. In Haupt- und Nebenschiffen Kreuzgewölbe; Stuckdekoration spärlich und schwerfällig; Orgelempore: von Engeln getragen; gut gearbeitetes schmiedeeisernes Abschlußgitter. Aeußeres um 1805 von Nikolaus Schedel von Greifenstein in Front und Langseite in eine toskanische Pilasterarchitektur im Sinne des französischen Klassizismus umgebildet. Altäre aus 1805 in klassizistischem Stil, mit Altarbildern aus der Schleißheimer Galerie; für letztere die Hochbauten als Rahmen errichtet mit dem Streben jener Zeit, die Formen der wahren Antike nachzuahmen. Hochaltar (Altarbild „Mariä Himmelfahrt“ von Andreas Wolf) nach dem System des römischen Portalbaues: 2 mächtige korinthische Säulen, darüber das wuchtige Gebälk mit einfachem Dreieckgiebel; Gebälk und Giebel mit Konsolenschmuck; architektonische Teile grau marmoriert, Kapitelle und Konsolen vergoldet; seitlich aus der Erbauungszeit 2 bewegte Barockfiguren St. Joseph und Andreas Faistenberger. Seitenaltarbilder: rechts „Christus am Kreuz“ von Zenetti, links „Die hl. Verwandtschaft Jesu“ von P. Candid. Bemerkenswert ein Bild „St. Nikolaus“ gemalt von Konservator Karl Mattenheimer 1845, sowie ein „St. Aloysius“ mit den (porträtähnlichen) Gesichtszügen eines 1844 als Kooperator von Haidhausen verstorbenen jungen Münchner Geistlichen Otto Mühlbauer, dem die dankbaren Haidhauser an der Außenwand der alten Haidhauserkirche ein Denkmal setzten. In der Sakristei eine Votivtafel mit einer Szene aus der Schlacht bei St. Gotthard in Ungarn (gegen die Türken) am 1. August 1664, gestiftet von Rittmeister Jakob Pendler [F. Hf. KB, R, Rb].

Karmelitenkirche
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)

Die Karmelitenkirche in der Karmelitengasse mit anstossendem Kloster, jetzt Ludwigsgymnasium und k. Erziehungsinstitut für Studirende, wurde in Folge Gelöbnisses des Churfürsten Maximilian I. von dessen Sohn Ferdinand Maria durch H. C. Asper erbaut und 1660 geweiht (vgl. S. 47). Es ist ein einfacher Renaissancebau mit Querschiff und rechtwinkligem Chorabschlusse. Die mit jonischen Pilastern verzierten Pfeiler theilen die Nebenschiffe in Kapellenr ume, die jedoch vermittelst schmaler Durchg nge unter sich in Verbindung stehen. Bemerkenswerthes besitzt die Kirche, die jetzt von den zur Abtei S. Bonifaz geh rigen Benediktinern des Erziehungsinstitutes besorgt wird, nichts. Auch das Aeussere hat durch den zopfigen Classicismus toscanischer Ordnung in welchen es N. v. Schedel 1802—11 an Fronte und Langseite kleidete, nicht gewonnen. Die Facade des Erziehungsinstitutes bietet ein Spezimen des Zopfstyles dar.

Ehem. Karmeliterkirche St. Nikolaus, jetzt Bibliothek des Metropolitankapitels München und Archiv des Erzbistums München und Freising, ehem. gewestete Basilika über rechteckigem Grundriss mit Querhaus und Chorflankenturm, Frühbarockbau, von Marx Schinnagl, 1657-60, Äußeres mit Pilastern, Friesen und Segmentgiebel klassizistisch umgestaltet, von Nikolaus Schedel von Greiffenstein, 1802-05, nach schwerer Kriegsbeschädigung 1944 äußerlich wiederhergestellt, bis 1949, Inneres umgebaut und unterteilt, durch Sep Ruf, 1955-57.

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege