Name Künstlerhaus
Architekt Seidl Gabriel von  
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Kreuzviertel
Straße Lenbachplatz 8
Jahr Baubeginn 1893
Jahr Fertigstellung 1896
Baustil Neurenaissance
Kategorie Keine Kategorie
Baustil Keine Kategorie
Neurenaissance
Suchbegriffe Künstlerhaus 
Künstlerhaus
Künstlerhaus Lenbachplatz
Urheber:

Bemerkung

Künstlerhaus, malerischer, städtebaulich wirkungsvoller Neurenaissancebau, 1896-1900 von Gabriel von Seidl; besteht aus dem hohen, zurückgesetzten Hauptbau und niedrigem Vorbau mit Restaurant; dazwischen malerischer Hof; Innenräume nur z. T. original erhalten, u. a. Treppenhaus sowie das Venezianische Zimmer im Nordpavillon des Restaurants.

Beschreibung

<p> <strong>Künstlerhaus </strong>AlsVereinshaus und Treffpunkt für verschiedene (etablierte) Münchener Künstlergruppen (It. Inschrift über Portal: »Nobis et amicis«) zwischen 1893 und 1900 errichtete mehrteilige Baugruppe vor der &gt;Kulisse&lt; der 1938 zerstörten Hauptsynagoge (Pläne von A. Schmidt, 1884-87) an Maxburgstraße. Geschichte: Erste Überlegungen zu Haus der Münchener Künstler um 1840, Gründung eines Baukomitees 1852 (Kostenvoranschlag von Bürklein); in der Folge Suche nach Baugrund bzw. geeignetem Gebäude, u. a. Dultplatz (heute Maximiliansplatz) oder Umbau des Himbsel-Hauses (Pläne von Lange 1860 an der Stelle der späteren Deutschen Bank, -&gt; Lenbachplatz 2); Adaptierung der Frauengebäranstalt (heute Deutsche Telekom, -&gt; Sonnenstraße 24) oder Räume im Hotel Leinfelder, Vereinslokal der 1873 gegründeten Künstlergesellschaft &gt;Allotria&lt; (1883 von Gedon renoviert); vom Vorsitzenden Lenbach (seit 1879) der jetzige Standort 1892 bestimmt, nach Plänen von G. v. Seidl erbaut: Grundsteinlegung 3.7.1893 durch Prinzregent Luitpold, Einweihung (mit Festspiel von Wilhelm Busch) 29.3.1900. Übergang des Hauses von der Künstlergenossenschaft an Künstlerhausverein (7.4.1911), der 1938 seine Auflösung beschloss und das Haus der &gt;NS-Kamerad-schaft der Künstlen übergab; von Hitler befohlener Umbau (durch Brinkmann 1938). - Hauptbau am 14.7.1944 ausgebrannt, Resträume und Keller 1945-49 durch Besatzungsmacht genutzt (Offizierskasino &gt;The American Way&lt;). Trotz 1948 neu gegründetem Künstlerhausverein Freigabe durch Amerikaner erst 1955, Restaurierung des Restaurants durch Biehler und Breuning 1958/59 (Wiedereröffnung 19.4.1959); Rekonstruktion des Hauptbaus (im Innern vereinfacht) durch Schleich 1960/61. Theatereinbau im Untergeschoss 1964. Gesamtrenovierung mit annähernder Rekonstruktion der historischen Räume 1997: abermalige Eröffnung (erweitertes Nutzungskonzept im Sinn des Künstlerhausvereins durch P. Grassinger) am 23.10.1998; dazu Einrichtung einer Lithographen-Werkstatt.</p> <p> <strong>Beschreibung:</strong> Dem zurückgesetzten hohen (&gt;Fest&lt;-)saalbau mitgestuften Volutengiebeln und Kreuzdach (im Schnittpunk tbelvedereähnliches &gt;Vierungstürmchen&lt;) gegen Nordosten rechteckiger Innenhof vorgelegt, an zwei Seiten von eingeschossigen Flügeln umschlossen: an Maxburgstraße stattliches Rundbogenportal; im linken Flügel Lithographenwerkstatt und Büroräume, im rechten Flügel (1938 durch Brinkmann um ein Geschoss aufgestockt) Restaurant mit Venezianischem Zimmer&lt; (s. u.), gegen Westen vorgelegt Terrasse. f/gurensc/imuc/c(Entwurf z.T. von Seidl) erst nach Einweihung angefügt (von Düll, Pezold, Pfeifer, Pruska, J. Rauch, Ungerer, Wadere, Weißenfels), trotz Kriegsschäden zum Großteil erhalten. - Im Hof &gt;Konrad-Dreher-Brunnen&lt; (von Wadere), Wechselausstellungen von Skulpturen und Installationen, Serenaden, Weihnachtsmarkt. /nneres:Von Erstausstattung original erhalten das prunkvolle Vestibül (mit Stuckdecke von 1901) sowie (restauriert) das &gt;Miller&lt;-, &gt;Seidl&lt;-und &gt;Lenbach-Zimmer&lt; im Saalbau sowiedas Venez/an/sc/)eZ;mmer(original); der Festsaal (im ersten Obergeschoss) annähernd in ursprünglichen Formen rekonstruiert.</p> <p> <strong>Bedeutung: </strong>Trotz Restaurierung der einstigen Ausstattung (u. a. von Lenbach) vermittelt Künstlerhaus eineVorstellung vom gesellschaftlichen Rang etablierter Künstler.-Die malerisch reich silhouettierte Baugruppe am Rand der Altstadt und am Übergang vom Karlsplatz zum Lenbachplatz einzigartiges Stadtbild vor ehemaliger Synagoge und Frauentürmen. (Durch Kaufhaus-Neubau nach Plänen des Londoner Architekturbüros Vergile and Sto-ne, vollendet 2005, empfindlich beeinträchtigt.) Im architektonischen Instrumentarium von norddeutscher Renaissance angeregt (z. B. Universität von Helmstedt, von Francke, 1593-1612); die ursprünglichen Innenräume galten als hervorragende Beispiele für die von italienischer Renaissance geprägte üppige Raumkunst der &gt;Prinzregentenzeit&lt;: Das Venezianische Zimmer einziger (neben &gt;Muschelsaal&lt; im Augustiner-Bräu, -&gt; Neuhauser Straße 27) allgemein zugänglicher Raum dieser Stilstufe in München.</p>

Quellen

Künstlerhaus
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Künstlerhaus, Lehnbachplatz 8. Erbaut 1896—1900 von Gabriel Seidl; „ein Musterbeispiel für die durch Seidl geschaffene Münchner Neurenaissance [Ro]; „innen durch Franz von Lenbachs beständiges rastloses Mitarbeiten zu einem ganz eigenartigen Schmuckkästchen gestaltet [Br 26]“. Gesamtanlage des Ganzen entstanden aus dem feinsinnigen Bestreben, das über die Baustelle hinweg zu der Synagoge und den Türmen der Frauenkirche sich erhebende reizvolle Städtebild so weit als möglich durch entsprechende architektonische Umrahmung zu steigern; daher Gruppierung der Bäume um einen Hof derart, daß dieser von 3 Seiten nur von ebenerdig in Bauteilen eingeschlossen ist und der Festsaalbau sich nur gegen Süden allein erhebt. Hauptbau mit dem Festsaal, „dem eigentlichen Heiligtum des Hauses“ im Südwesteck des Bauplatzes; vor demselben ein Hof, auf 3 Seiten von eingeschossigen Terrassenbauten umgeben, auf der Südostseite durch einen niedrigen zweigeschossigen Schmalbau mit der Nord Westfront des Hauptbaues verbunden; „durch den Hof mit seinen geschlossen wirkenden, an den Ecken durch aufgesetzte Pavillons betonten Flankierungsbauten erscheint der hohe, türmchenbekrönte viergiebelige Festsaalbau in vornehmer Zurückgezogenheit [KH 99/00]“.

Dreitoriger Haupteingang, gemäß der Sitte unsrer alten Privathäuser nicht direkt an der Hauptstraße, sondern im Südwesten an der Herzog Maxstraße mit Anschluß an den Saalbau. Nebeneingang an der nordöstlichen Schmalseite, an der Maxburgstraße, markiert durch einen übermütigen Kentaur: führt direkt in die nach dem Hof zu offene Vorhalle des Vestibüls des Saalbaues; hier flaches, reich in Stuck ornamentiertes Stichkappengewölbe, getragen von 5 freistehenden, hellgelb getönten Säulen; gegenüber dem Eingang in einer Nische der imposante St. Georg des Donatello; am Plafond schöne Flachreliefs mit musizierenden weiblichen Gestalten. Von da durch ein kleines, besonders betontes Portal ins Empfangzimmer, das sogen. „Lenbachzimmer‘; ganz nach Lenbachs Art zusammengestimmt, zeigt es mehrere Porträts des Meisters; Wandverkleidung mit dunkelrotem, vertikalgestreiftem Plüsch; beide Plafonds (durch einen Bogen in ungleiche Hälften getrennt) architektonisch reizvoll gegliedert, ausgezeichnet durch reiche Umrahmung der Felder, bunte Grotesken und schöne Beliefs; an der Wand die Originalskizze zu F. Kaulbachs stimmungsvoller „Festkarte“. Von bier ins Musikzimmer: durch seine hohe schwarze Vertäfelung und hellgrüne Seiden-Wandbespannung fein kontrastiert zum rotgoldenen Empfangszimmer: Plafond flach kassetiert in Ebenholz mit Perlmutterintarsien. Daranstoßend Bibliotheksaal mit rotgestrichenen Glasbücherschränken, auf Mappenkästen ruhend und durch ziemlich weitausladendes Gesims und Säulen stark gegliedert; auf diesen wieder eine Galerie, dessen geschmiedetes Eisengitter lichtgrau und goldbemalt ist.

Festsaal in der ganzen Länge des Oberstockes, „ein Kabinettstück prunkvoller Innendekoration“, von wundervoller Farben Wirkung. Durch einen reichgegliederten Triumphbogen in 2 ungleiche Bäume geschieden, von denen der größere in seinem komplizierten, tonnenartigen Gewölbe (im Durchschnitt) an einen vervielfachten Tudorbogen erinnert; als Farbe dominiert das eigenartig leuchtende, goldige Bot jener imitierten Gobelins, die uns wohl eine ins Märchenhafte umgearbeitete Legende der Madonna mit dem Einhorn 1) erzählen; „die zierlich steifen Bewegungen des burgundischen Edelfräuleins mit ihrer gehorsamen Tierwelt auf kleinem Wiesen plan stimmen uns besonders sympathisch in einer Zeit, in der wieder einmal die romantische Sehnsucht ganz leise erwacht“; in den Kassetten des lichtgrauen Plafonds weiße Sterne und Rosetten; über dem Triumphbogen großes Relief mit der Allegorie der „Kunst“, wie sie die Güter der Natur betrachtet. Im Fries des kleinern bühnenartigen Rahmens ein äußerst reizvoller Triumphzug, hellblau auf schwarzem Grund gemalt; darüber ein flaeher Plafond.

Restaurationssaal, ein heiterer und festlicher Raum mit fast etwas zu prunkender und flimmernder Ornamentik (hellgrün auf glatten weißen Flächen: „es ist eben ein Raum, in dem eigentlich nur perlender Wein und Champagner so recht munden können — ein Festspeisesaal, wie ihn bis dahin wohl keine öffentliche Restauration Deutschlands besessen hat“; in den Wänden eingelassen abwechselnd runde holländische Blumenstücke und oblonge Bilder mit Darstellungen von Grotesktänzen; Gewölbe ziemlich flach. An diesen 'großen Raum anschließend, nur durch 2 freistehende Säulenpaare abgetrennt, ein Nebenraum, etwas ruhiger und wärmer gehalten als der große; die schmalen Wandflächen zwischen dem goldumrahmten Spiegel und den Spiegeln, Säulen u. s. w. in warmem, rotem Ton bemalt; moosartig grüne Grottennische mit eingelegten Muscheln und Steinen; Decke in Gestalt eines leichten, aus grünen Leisten wirkungsvoll konstruierten gewölbten Daches.

Gegen den Lenbachplatz eine offene Restaurationsterrasse, die die einzige Schwäche an diesem Bau — „eine Münchner Architekturschwäche [Br 29] — nämlich den etwas zu tiefen Stand des Baues, verdecken hilft [Dr. Bredt „Das Münchner Künstlerhaus“ in KH 99,00].

 

1) Das mythische Ein horn tier ist im christlichen Mittelalter das Symbol unverletzter Keuschheit.

Münchner Künstlerhaus
München und seine Bauten (1912)

Das Münchner Künstlerhaus erhebt sich an jener Stelle, an der über der alten Stadtbefestigung die ehemalige Hofleinwandkammer mit dem „Wasserturm" stand, und die heute als die Vereinigung des Karls- und Lenbachplatzes einen der vornehmsten Punkte Münchens bildet. Die Erbauung des Hauses durch Professor Dr. Gabriel von Seidl fällt in die Jahre 1896—1900 und geschah mit einem Gesamtkostenaufwand von M. 1070000, das ist M. 46.50 pro Kubikmeter. Die Gesamtanlage des Ganzen ist aus dem feinsinnigen Bestreben entstanden, das über die Baustelle hinweg zu der Synagoge und den Türmen der Frauenkirche sich erhebende reizvolle Städtebild nicht nur zu erhalten, sondern so weit als möglich durch entsprechende architektonische Umrahmung zu steigern. Unter dem Einflüsse dieses Gedankens gruppieren sich die gesamten Räume derart um einen Hof, daß dieser an drei Seiten von nur ebenerdigen Bauteilen eingeschlossen, der Festsaalbau sich nur gegen Süden allein erhebt. Die Verteilung der Räume geschah in der Weise, daß sich an der nordwestlichen Ecke des Hofes ein öffentliches Restaurant erhebt; an der nordöstlichen Ecke befindet sich Einfahrt mit Hausmeisterwohnung und anschließenden Bureaux und Sitzungssaal der Künstlerschaft. Der Saalbau enthält im Erdgeschoß Klublokale der Künstlerschaft, historische Kommission und Bibliothek, im Obergeschoß den Festsaal. Ueber dem Festsaal ragt als quadratischer Baukörper ein Geschoß, welches Arbeits- und Wohnräume für Wirt und Personal enthält. Die Bauart des Hauses ist vollständig massiv, zum Teil unter Verwendung edelsten Materials gestaltet. Die Fassaden sind zum Teil geputzt, zahlreiche architektonische und ornamentale Teile jedoch aus Haustein. Das Dach ist mit Biberschwänzen gedeckt, die mittlere Laterne mit Kupfer verkleidet. Die Räume im Innern haben eine zu fürstlicher Pracht gesteigerte Behaglichkeit erhalten, wobei jedem Raum der seiner Zweckbestimmung entsprechende Ausdruck ausgeprägt wurde. Die am 3. Juli 1893 dem Grundstein übergebene Widmung besagt: „Dies Haus soll allen Künstlern Münchens, wie immer im geselligen Verkehr oder zu künstlerischem Schaffen sie ihre eigenen Wege sonst gehen mögen, ein Sammelplatz sein, ein Mittelpunkt für Frohsinn, Rat und ernste Tat, München eine Ehre, den Künstlern ein Stolz, der Kunst ein Kleinod für und für." Die Durchführung des in der Münchner Künstlerschaft langgehegten Baugedankens wurde durch das energische Eintreten Lenbachs ermöglicht, der auch an der künstlerischen Ausführung lebhaften persönlichen Anteil nahm.

Wikipedia

Wikipedia: Künstlerhaus_am_Lenbachplatz

Alte Ansichten

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