| Name | Kath. Pfarrkirche St. Maria |
| Stadtbezirk | 16. Ramersdorf-Perlach |
| Stadtbezirksteil | Ramersdorf |
| Straße | Aribonenstraße 9 |
| Jahr Baubeginn | 1430 |
| Jahr Fertigstellung | 1460 |
| Baustil | Gotik |
| Sakral | katholisch |
| Kategorie |
Religiöse Bauwerke Kirche |
| Baustil |
Gotik Gotik |
| Unterkategorie | Kirche |
| Suchbegriffe | Wallfahrtskirche |

Noch kein Bild vorhanden
Bemerkung
Kath. Pfarrkirche St. Maria, Wallfahrtskirche des 15. Jh., Wandpfeilerkirche mit eingezogenem Chor, 1675 barockisiert, gotischer Turm mit barockem Helm; mit Ausstattung. - Kirchhof mit Kirchhofmauer und Kapelle, 17. Jh., überlebensgroße Figur kreuztragender Christus, spätes 15. Jh. Im Ortskern von Ramersdorf.
Beschreibung
<div>St. Maria Himmelfahrt Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf. Marienpatrozinium 1381 erstmals genannt, jedoch Marienwallfahrt wohl schon seit Anfang 14. Jh.; Stiftung eines Kreuzpartikels aus Besitz Kaiser Ludwigs des Bayern durch dessen Sohn Herzog Otto den Faulen 1379 führt zu Doppelwallfahrt.</div>
<div> </div>
<div><strong>Geschichte: </strong>Zwischen 1006 und 1022 urkundlich eine Kirche erwähnt (Ansiedlung Rumoltesdorf), in Konradinischen Matrikeln (1315) als Filialkirche (mit Friedhof) von St. Michael in Perlach aufgeführt; erst 1907 als eigene Pfarrei von Perlach abgetrennt. Doppelwallfahrt hatte verschiedene Stiftungen von Benefizien zur Folge, ferner Vergrößerung der Kirche zwischen 1399 und ca. 1412; zur selben ZeitVermauerung des Westeingangs im Turm und Anlage zweier Eingänge an Süd- und Nordseite. 1446 Ersatz der hölzernen Halbtonne über Langhaus durch gemauertes (Netz-)Gewölbe, damit konstruktiv notwendig Strebepfeiler im Innern. Bei Barockisierungab etwa 1646 bis 1675 Verlust der reichen spätgotischen Ausstattung und tiefgreifende Umgestaltung des Kirchenraums; Baumeister wahrscheinlich Zwerger d.J.(vgl. St. Lorenz in Oberföhring, Muspillistraße 31): neuer Hochaltar (bis 1662), anschließend neue Seitenaltäre; Ersatz der gotischen Gewölberippen durch Quadraturstuck (wohl nach Zwerger), Chorbogen und Spitzbogenfenster rundbogig umgeformt. 1761 Instandsetzungsarbeiten durch I.A. Gunetzrhainer(mit Einbau einer Kanzel von l. Günther). Blitzschlag zerstörte 1791 den schlanken gotischen Spitzhelm des sehr hohen Turms; nach Plänen von Widmann um ein Geschoss aufgestockt und mit barocker Zwiebel (der letzten in München) bis 1792 vollendet (ursprünglich mit Schindeln, 1840 in Kupfer gedeckt). - Restaurierungen u.a. 1847-56 (Gesamtanlage), 1866-72,1912/13,1939 (v. a. innen); erhebliche Kriegsschäden 1943, nach Kriegsende notdürftig behoben, ab 1958 umfassende Restaurierung (mit Entfernungrestlicher Ausstattung des 19. Jh.); erneute Renovierung 1973/74 (außen u. innen), 1993 (Dach). -Anlage eines Wallfahrtswegs 1620 als Verbindung von Ramersdorf mit der Münchener Peterskirche, gesäumt von 16 hölzernen Säulen mit aufgemalten Szenen aus dem Marienleben, 1699 durch gemauerte Nischen und Pflanzung einer Lindenallee ersetzt. Zu Beginn der Säkularisation Allee und Stationsbilder beseitigt, Letztere im Durchgang des >Mesnerhauses< (s. u.) angebracht. Beschreibung: Bereits gegen Ende 15. Jh. Kirche zusammen mit umgebendem Friedhof und Mesnerhaus (Aribo-nenstraße 7) bauliche Einheit: heute noch als Dorfkern von Ramersdorf erkennbar und trotz großer umgebender Straßenzüge und dichter Wohnbebauung wirkungsvoller Po-int-de-vue sowohl der >Mustersiedlung Ramersdorf< (1934, -> Hohenaschauer Straße) als auch der Ausrichtung der Autobahn von Salzburg und derVerkehrsknoten im innerstädtischen Straßensystem. Der eindeutig durch Friedhofsmauer (17. Jh.) definierte, nahezu kreisrunde Kirchenbezirk durch hoch aufragendes spätgotisches Gotteshaus beherrscht: rechteckiges, durch Strebepfeiler gegliedertes vierjochiges Langhaus mit vorgesetztem schlanken Westturm (an seiner Südseite 1686 Klause für Schulmeister-Eremiten angebaut), im Osten dreijochiger, eingezogener Chor mit 5/8-Schluss; an fensterloser Stirnwand des Chorhaupts zwischen zwei Strebepfeilern eingefügte Aussetzungsnische (für Kreuzpartikel) mit spärlichen Resten gotischer Wandmalerei (Heilige). An Südseite des Chors zweigeschossige Sakristei (durch ihr Sterngewölbe wohl Ende 15./Anfang 16. Jh. errichtet). Das hohe Satteldach über beiden Bauteilen durch freigelegtes, nach Befunden rekonstruiertes gotisches Friesband abgesetzt. -Zum Ensemble gehört im Südwesten des Friedhofs das zweistöckige, im Kern spätgotische Mesnerhaus mit Walmdach und gewölbterTordurchfahrt zum Friedhof. - Neben Mesnerhaus an Friedhofmauer seit 1927 neoklassizistischer Kennedy-Brunnen zu Ehren des schottischen Benediktinerpaters lldephons Kennedy (t 1804), Sekretär der kurbayerischen Akademie der Wissenschaften und letzter Benefiziat des Herzogs-Benefiziums an der Ramersdorfer Kirche. Südlich der Kirche, in Friedhofsmauer eingefügt, das zweigeschossige >Heilig-Kreuz<-ßener/z/afen/iaus (Aribonenstraße 11) mit Walmdach, ursprünglich als kurfürstliches Jagdhaus (18. Jh.) errichtet. -An Innenseite der Friedhofsmauer, neben dem südlichen Zugang, Passionskapelle (17. Jh.) mit kreuztragendem Christus aus dem 15. Jh.; ferner Einfügen des nazarenischen Terrakotta-Kreuzwegs in die Friedhofsmauer vorgesehen. Inneres: Einfaches, durch Wandpfeiler gegliedertes vierjochiges Langhaus mit gotischer Empore im Westen, darüber zwischen 1845 und 1851 eingebaute Orgelempore mit 1952 rekonstruierter Orgel aus sieben Pfeifentürmen. Eingezogener dreijochiger Altarraum; die Gewölbe beider Räume mit reichem, ungewöhnlich komplexem Felderstuck in Miesbach-Schlierseer Art seit 1675 (wohl durch Zwerger) angebracht, seit 1867 vergoldet. (Anlässlich Innenrestaurierung 1866 ff. Entfernung der Günther-Kanzel: Teile des Kanzelcorpus im Maximiliansmuseum in Augsburg; das Apokalyptische Weib vom Schalldeckel im Bayerischen Nationalmuseum; Entwurfzeichnung Günthers im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.) Bei Innenrestaurierung 1973 Wiederherstellung der barocken Farbigkeit (Gelb-, Grün-, Rosatöne) nach Befund.-Seit 2001 wird alljährlich vom Karfreitag bis Ostersonntag in der Turmkapelle das Heilige Grab< aufgestellt: als Ersatz für die barocke Anlage von dem Tiroler K. Fuchs 1906-08 angefertigt, 1999-2001 restauriert. Bedeutung: Die beachtenswerte Ausstattung* (-> Grundriss mit Legende) zeugt von Beliebtheit dieser wohl ältesten Marienwallfahrtskirche im Großraum München. Als Baugruppe aus Kirche, Friedhof und zugehörigen Gebäuden beispielhaft als integrierendes Ensemble innerhalb der ländlichen Strukturen altbayerischer Dörfer; sie kann sich sogar gegen moderne Verkehrsbedrängnisse behaupten. - Die Innenausstattung des späten 17. Jh. verrät die einfühlsame Fähigkeit des Barock, sich gotischen Gegebenheiten anzupassen, ohne eigene Gestaltungsvorstellungen aufzugeben.</div>
<div> </div>
<hr />
<div>Bild</div>
<hr />
<div> </div>
<div><strong>Chor:</strong> 1 Hochaltar, entworfen und ausgeführt von C. Pader um 1675 in noch prunkender, renaissancehafter Architektur; Ersatz eines spätgotischen Schnitzaltars (1865 noch zehn Flügelbilder erhalten, heute verschollen). Unter neugotischem Baldachin Gnadenbild Thronende Madonna mit Kind * (um 1465), früher Crasser, heute Neuhauser gen. Kriechbaum zugeschrieben (Volker Liedke); neugotisch überschnitzt, 1866 gefasst und vergoldet, Originalfassung verloren; umfassend restauriert durch O. Wimmer 1974-76. - Im Antipendium Verkündigung Mähens (Ölgemälde 17.1h., Schöftlhuber zugeschrieben), über den beiden Opfergangtüren die HII. Joseph (links) und Joachim, im Auszug Büste Gottvater (Bildhauer unbekannt), a Votiv-bild der >Schwedengeiseln< (Kager zugeschrieben, 1635): gestiftet von den durch Gustav Adolf 1632 nach Augsburg verschleppten Münchener Geistlichen und Bürgern, b Votivbild der Münchener Loderer, entstanden 1733 (Maler unbekannt), Bezug auf ein Gelübde von sieben Tuchmachern während der Türkenbedrohung (1683-99): Stiftung der Marienandacht des sog. >Frauendreißigers< (zwischen Maria Himmelfahrt und Fest Kreuzerhöhung, 15.8.-14.9.). c Votivbild der Österreicher-geheim: im Österreichischen Erbfolgekrieg zuerst nach Linz, dann nach Graz deportierte 20 Münchener Bürger, gestiftet nach ihrer Heimkehr 1743 (Maler unbekannt). d Chorbogen-Kruzifix, wohl Ende 17. Jh. (anonym).</div>
<div> </div>
<p><strong>Langhaus:</strong> Seitenaltäre, wohl von Pader um 1675 entworfen, die beiden Gemälde Schöftlhuber Ende 17. Jh. zugeschrieben, 1916 von A. Bauer, 1974-76 von Wimmer restauriert. 2 Sigismundaltar: Altarbild >Martyrium des Heiligem; im Antipendium Gemälde >Versenkung des Heiligen in einen Brunnen<, i m Auszug Petrus und Paulus (wohl von Schöftlhuber). 3 Kreuzauffindungsaltar: Altarbild Erprobung des Kreuzes durch Hl. Helena<; im Antipendium Übergabe des Kreuzpartikels an Ramers-dorfer Kirche<, imAuszugHl. Papst Silvester (wohl von Schöftlhuber). eundi Ovalbilder >Muttergottes< und >Herz ]esu< (von Hauber), wohl aus zwei im Kircheninventar von 1790genannten Altären, g Kreuzaltar *: datierbar um 1482, Grasser zugeschrieben, ursprünglich vor Chor aufgestellt. Im Schrein vielfiguriges, farbig gefasstes Kreuzigungsrelief, an den Flügelinnenseiten je zwei Reliefs >Ölberg< und »Geißelung Christi< (links), >Christus vor Kaiphas< und >Christus vor Pilatus< (rechts); an Flügelaußenseiten Gemälde (Polackbzw. Werkstatt zugeschrieben): Geschichte des Kreuzpar-tikelsi. Kriegsschäden 1947/48 durch H. Miller behoben, dabei neugotisches Gesprenge und Predella entfernt, h Schutzmantelmadonna *, 7503, Polack zugeschrieben; daneben Reste von gotischen Altären (zu zwei Tafeln zusammengefasst): links Hl. Barbara, darunter Hll. Margaretha und Elisabeth, rechts Hl. Katharina, darunter Hll. Silvester und Wolfgang (wohl Hinweis auf Ramersdorf am Pilgerweg nach St. Wolfgang/Salzkammergut; vgl. St. Wolfgang, -> PippingerStr. 49 a), i Gemälde (17. Jh.) >Blumenwun-der< (nach Himmelfahrt Mariens) an Emporenbrüstung (ihr Maßwerk 1939 nach Verkleidung 1867 wieder freigelegt), k Taufstein unter Empore: Marmorbecken (17. Jh.) mit bronzenem Deckel Taufe Christ« (Bildhauer unbekannt, um 1930). l Turmkapelle: 2007 restauriert; dabei verschiedene Gemälde und Plastiken (v. a. 17. und 19. Jh.) angebracht. </p>