Name Englischer Garten
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Lehel
Straße Englischer Garten
Jahr Baubeginn 1789
Jahr Fertigstellung 1789
Kategorie Keine Kategorie
Baustil Keine Kategorie
Suchbegriffe Englischer Garten 
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Bemerkung

Englischer Garten. ab 1789 in den Isarauen durch Benjamin Thompson Graf von Rumford und Friedrich Ludwig von Sckell angelegter Volksgarten (bis 1799 mit Militärgärten verbunden), 1792 eröffnet, ab 1799 von Reinhard Freiherr von Werneck weiterentwickelt (Anlage des Sees), 1799 um die Hirschau nach Norden erweitert, ab 1804 von Friedrich Ludwig von Sckell gartenkünstlerisch umgestaltet. Klassischer Landschaftsgarten, sich über fünf Kilometer in den Isarauen erstreckend, mit geschwungenen Wasserläufen und Wegen sowie weiten Sichtflächen zwischen dem Baumbestand; Nordteil (Hirschau) rein landschaftlich, Südteil (zwischen Prinzregentenstraße und Isarring) mit Parkbauten und Denkmälern; Brücken in großer Zahl über die Bachläufe, vielfach mit Eisen- oder Steingeländern vor allem des späten Historismus;

Beschreibung

<p>Weitläufiger, nahezu von der Stadtmitte dem linken Isarufer entlang nach Norden sich erstreckender Landschaftsgarten; Fläche 3,73 qkm bei einer Länge von rd. 5,3 km (von Prinzregentenstraße bis Föhringer Ring) und einer Breite bis zu 1 km.</p> <p><strong>Geschichte des Parks</strong> 1789 Freigabe des 1387 erstmals erwähnten Hirschgeheges (nördlich des Unteren -&gt; Hofgartens) durch Kurfürst Karl Theodor (angeregt durch Benjamin Thompson, ab 1792 Reichsgraf von Rumford) zur Errichtung von Tierarznei- und Militärgärten: &nbsp;Anlage eines Elevengartens (mit Festungsmodell) für Kadetten der 1788/89 gegründeten &gt;Militair Academie&lt; (etwa beim heutigen Haus der Kunst), Militärgärten (etwa zwischen Schwabinger Bach und Königinstraße) und der eigentliche Volksgarten (&gt;Karl-Theodor-Parl&laquo;, später &gt;Englischer Garten&lt; genannt). Nach Vorplanung Rumfords Planungsauftrag an F. L. Sckell 1789 sowie weitere Maßnahmen: Errichtung einer Vieh Arzney Schule (zur Seuchenbekämpfung; heute Tierärztliche Fakultät der Universität), Anlage von elf (&gt;Muster&lt;-)ßrüc/ren verschiedener Bauarten, eines Bereichs für militärische Studien, einer Baumschule, einer Schweizerey, einer Schäferey und einer Ackerbauschule. Zum Schutz vor Hochwasser Aufschüttung des ca. 2 km langen Isardamms durch Riedl (Fertigstellung 1790). Bis Übergabe des Parks an Publikum 1792 (Öffnung des &gt;Augartens&lt; bei Wien bereits 1775!) Errichtung von Stimmungsarchitekturen, wie für Stilstufe des Sentimentalen Landschaftsgartens&lt; (ca. 1770-90) typisch: u. a. Amphitheater, Cessners Grabmal, Gotischer Tempel, Diana- (oder &gt;Oha&lt;-)TempeI, Palladio-brücke, Chinesischer Steg (auf Sckells Geheiß verschwunden). -Ablösung Rumfords durch Werneck(1797), derdie Militärgärten auflöst, den ersten Kleinhesseloher See anlegt und darüber hinaus die wirtschaftliche Nutzung des Parks (Ökonomie, Sägewerke, Mühlenbetriebe) steigert. Durch Übersiedlung Sckells als Intendant des gesamten bayerischen Gartenwesens von Schwetzingen nach München 1804 Ablösung Wernecks. 1807 betont Sckell in Entwicklungsplan und Denkschrift den Erholungscharakter des Gartens: Durch Korrektur der Pflanzungen, Entfernung kleiner Staffagen und Überformung des Wegenetzes wird der Park zum &gt;Klassischen Landschaftsgarten&lt; und zu Sckells bedeutendstem künstlerischen Werk. 1810/11 Einbeziehung der Hirschau und Ausdehnung nach Norden bis zum Aumeister, 1812/13 Vergrößerung des Kleinhesseloher Sees auf über 86 000 qm (mit drei Inseln: &gt;Königs-&lt;, &gt;Kurfürsten-&lt; und &gt;Regenten-lnsel&lt;); 1814/15 Anlage des Wasserfalls an Kreuzung von Schwabinger und Eisbach; außer diesen noch zwei weitere Bäche: Enten- und Oberstjägermeisterbach. Nach Aufschüttung des Monopteros-Hügels durch C. A. Sckell (1836) keine tiefgreifenden Eingriffe mehr in die Substanz des Gartens- allenfalls naturbedingte Wandlungen. Zuge-winnungen wie Hirschauer Forst (1940), ehemaliges Maffeigelände (1952) oder Rat-tenhuber-Grundstücke (1970) stehen Schmälerungen des Bestands durch Randbebauungen und Verkehrsausbau (Verbreiterung der Königinstraße 1937/38, Rückbau 1996; Errichtung der Sender Radio Free Europe/Radio Liberty im ehemaligen Hofblumen-Treibgarten 1951 ff., Erbbaurecht bis 2014 verlängert; Anlage des Isar- und Mittleren Rings 1960-65) gegenüber. Bombenschäden und Schuttablagerungauf dem Hirschanger 1944/45 nach Krieg behoben. Bei schwerem Unwetter 1964 Baumschäden; 1968/69 Schwabinger Bach im südwestlichen Bereich aufgelassen bei gleichzeitiger Anlage eines Weihers mit Insel hinter Haus der Kunst. Rodung der überalterten Bepflanzung des Monopteros-Hügels, 1972 olympischer Bogenschießwettkampf auf Werneckwiese und Ausweis von 8 km Wege für Marathonlauf; auf Karl-Theodor- und Seinsheimwiese Aufführung von Stockhausens Parkmusik &gt;Sternenklang&lt;. 1978 Anschlussder-&raquo;- Isarinsel Oberföhringdurcb Holzbrücke an Englischen Garten sowie Eingliederung des ehemaligen Hochschulsportgeländes &gt;Schwabinger Bucht&lt;; ein Teil dieses Areals (südlich Aumeister) und Reitoval der Schönfeldwiese 1982 als Nacktbadegebiete ausgewiesen. 1983-84 Regenerationsarbeiten am Baumbestand im nördlichen Forstteil, 1984-85 Errichtung eines neuen Amphitheaters in der Hirschau (das erste nördlich des Rumfordhauses 1793 angelegt, Anfang 19. Jh. eingeebnet); 1986 An-schlussdes Tucherparks an Englischen Garten. 1988 und 1990 führen schwere Sturmschäden (v. a. im Nordteil) zur &gt;Baumspendenaktion&lt;. 1995 Pflanzung des Carl-Orff-Hains (südlich des Burgfriedenswegs). -Vor allem der alte (südliche) Teil des Gartens mitteilweise überaltertem Baumbestand durch Überbeanspruchung und Disziplinlosigkeit des Publikums geschädigt; seit 1996 umfassende Restaurierung des Gesamtareals und partieller Rückbau zum ursprünglichen Zustand anhand eines wiederentdeckten, von C. Effner 1830 vermessenen Bestandplans; abgeschlossen zu F. L. v. Sckells 250. Geburtstag (13.9.)2000.&nbsp;</p> <div> <p><strong>Gebäude und Denkmäler</strong> entlang den im Cartenplan (-&gt; S. 121) vorgeschlagenen Rundgängen. Vom Hofgarten über &gt;Harmlos-Wiese&lt; mit Kopie rferStatue des &gt;Harmlos&lt; (von F. J. Schwanthaler 1803, Original im Residenzmuseum) zum Eingang an Königinstraße; hier seit 1996 ein Stück der Berliner Mauer als &gt;Denkmalzur Erinnerung an die Teilung Deutschlands und Europas vor 1989&lt;. Einleitung des 1993 revitalisierten Kögel-mühlbachs vor der Staatskanzlei in den Schwabinger Bach unter Beibehaltung des 1972 angelegten Teichs mit Insel. Auf dieser Japanisches Teehaus (Architekt Ursasenke XV. Soshi-tu Sen und Mitsuo Nomura, Tokio, 1972; Vorführung der Teezeremonie). Jenseits des 1814/15 künstlich angelegten Wasserfalls im südöstlichen Teil des Gartens Rumford-Denkmal (mit Reliefs): an Vorderseite Portrait des Grafen, an Rückseite &gt; Bayern geführt von Abundantia&lt; (F.J. Schwanthaler 1795/96, erneuert 1954/55 sowie 1981). - Auf dem Weg entlang der Karl-Theodor-Wiese zum Monopteros nach links Abstecher zur Burgfriedenssäule Nr. 12/13, aufgestellt 1728 in der Nähe der heute von Osten einmündenden Himmelreichstraße zur Markierung des hier verlaufenden, auf Befehl von Kurfürst Max Emanuel 1724 (Inschrift auf Vorderseite) neu festgelegten Burgfriedens (= Hoheitsgebiets) des barocken München und später an Nordseite des &gt;Burgfriedenswegs&lt; verlegt. Vor der Säule 1992 Anlage einer Gedenkstätte für &gt;200-Jahr-Feier&lt; des Englischen Gartens (1989) sowie für &gt;Baumspendenaktionen&lt; zur Behebung jener Baumschäden, die durch Unwetter (1988 und 1990) entstanden waren: Gepflastertes Areal (gestaltet durch Gartenverwaltung) mit acht im Boden verlegten Metallplatten mit Spendernamen sowie Zitaten nach Goethe, Sckell, Konfuzius (Schriftgravur von Imelauer). Benachbart der Carl-Orff-Hain, gepflanzt 1995 anlässlich des 100. Geburtstags des Komponisten. - Von hier zum&nbsp;<strong>Monopteros</strong>*, 1832-36 auf künstlichem Hügel errichtet. Vorher bereits bestand auf einer Insel im &gt;Apollo-Hain&lt; (s. u.) hölzerner, zehnsäuliger Monopteros (&gt;Apollotempel&lt;, 1789-90 nach Plänen von Lechner erbaut, 1838 abgetragen). Sckell schlug 1807 Aufschüttung eines Hügels vor, bekrönt von einem Rundbau (angeregt durch das römische Pantheon) als &gt;nationale Ruhmeshalle&lt;(!) bayerischer Regenten, später von Sckell reduziert zu steinernem Tholos. Dieser Vorschlag ab 1822 von Klenze für eigene Planungen aufgegriffen; gegen Ende der 1820er Jahre Klenzes Auseinandersetzung mit polychromer Fassung klassizistischer Architektur, die für seine Monopteros-Getaltung entscheidend wurde. Nach mehrjähriger Planung 1831 Aufmauerung des 15 m hohen Ziegelfundaments als Kern des aufgeschütteten Hügels aus Schutt der geschleiften Festungswälle bei der Galeriestraße; gärtnerische Leitung durch C. A. Sckell. Errichtung des Monopteros ab 1832, Vollendung einschließlich Bemalung 1836. Beschreibung: Zehn steinerne ionische Säulen tragen gemaltes Gebälk, darüber Stirn&gt;ziegel&lt; aus Blech; das hölzerne Dach in Kupfer gedeckt und von farbigen Pinienzapfen (wie &gt;Diana-Tempel&lt; der Villa Bor-ghese/Rom) und Voluten (wie &gt;Lysikrates-Denkmal&lt; in Athen) bekrönt; Deckenkuppel mit farblich gefassten Kassetten. In der Mitte Säulenstele als Denkmal für Kurfürst Karl Theodor (Gründer des Englischen Gartens) und König Max I. Joseph (als Vollender) 1837 aufgestellt. Erste Restaurierung (v. a. derFarb-fassung) 1898; Bombenschäden 1944 zwischen 1952 und 1955 behoben; grundlegende Restaurierung mit Wiederherstellung der Polychromie 1980-82. (Vom Monopteros-Hügel schönster Blick* auf Altstadt.) Über &gt;Entenweg&lt; zur Karl-Theodor-Brücke; rechts auf einer Insel im &gt;Apollo-Hain&lt; halbrunde Sitzbank (Entwurf Klenze 1838) auf Stereobat des ehemaligen Apollo-Tempels errichtet. - Weiterführung des Rundgangs zum Chinesischen Wirtshaus, 1790vonJ. B. Lechner in Holz erbaut, 1912 originalgetreu als verputzter Steinbau erneuert; südöstlich davon die &gt;Schwaige&lt; mit Ökonomiegebäuden und Orangerie (davor bronzene Sckell-Büste von Senoner, 2001 enthüllt). Vor dem &gt;Wirtshaus&lt; (mit Biergarten) der<strong> Chinesische Turm</strong>, 1789/90 als hölzerne, 25 m hohe Aussichts- und Musik-&gt;Pagodet nach Plänen von Frey erbaut. (Vorbild die allerdings schlankere &gt;Pagode&lt; in Kewgarden/London, 1757-62), 1944 abgebrannt, 1951/52 rekonstruiert.</p> <p>Von hier Abzweigung zum erweiterten Rundgang. Am Kinderspielplatz nebenan sehenswertes vom Jugendstil beeinflusstes Kinderkarussell (vom Bildhauer Erlacher und Dekorationsmaler Julier 1913 installiert anstelle eines seit ca. 1823 bestehenden, altersschwachen Karussells; erneuert 1980-82). Entlang dem Oberstjägermeisterbach zur Umrundung des Kleinhesseloher Sees&nbsp;&nbsp;bis Isarring. Nördlich davon auf Anhöhe der Isarterrasse von Ludwig I. ursprünglich &gt;Walhalla&lt; (Entwürfe. v. Fischer 1809/10) vorgesehen; 1828-30 dagegen nach Plänen Klen-zes das (Neue) Schloß Biederstein (abgerissen 1934) mit Park (von Sckell) gebaut. Über Fußgängerbrücke durch die &gt;Hirschau&lt; (neues Amphitheater 1984/85 angelegt) bis Aujägermeisterhaus (1810/11 von Deiglmayr erbaut), im Volksmund nur &gt;Aumeister&lt;, mit Biergarten; ca. 3 km bis zum Nordende des Englischen Gartens. -Am Ostufer des Sees wieder stadtwärts: vorbei am Wern-eckdenkmal (nach Entwurf Klenzes 1838) zum Seehaus (mit Biergarten): Erster Bau 1882/83 von G. v. Seidl, Neubau 1935 nach Plänen von Esterer (abgebrochen 1970); Ersatzbau aus versetzten Pavillons 1982-85 nach Plänen von Hürlimann und L. Wiedemann. Auf Landzunge Sckell-denkmal (Entwurf Klenze, ausgeführt von Bändel 1824): Säule (anstelle einer ursprünglich vorgesehenen Sckellbüste) mit Pinienzapfen bekrönt; das Original abgetragen und 1938/39 durch Kopie von Pezold ersetzt, 1938/39 restauriert. - Rückweg undAnschlussan Kurzrundgangbeim Rumfordhaus, 1790/91 als Offizierskasino nach Angaben Rumfords von Lechner im Stil palladianisch-klassi-zistisch englischer Kolonialarchitektur gestaltet, 1987 restauriert; bereits vorher (1971 jKinderbetreuungsstätte mit Umweltpädagogik durch Kreis-jugendring München-Stadt. - Jenseits des Schwabinger Bachs (bis zur Königinstraße) der Park des ehemaligen &gt;Maillot Schlößchensi, nach Plänen von Metivier 1823 erbaut. Im Park zwischen 1863 und 1870 Münchens erster Zoologischer Garten. Neugestaltung des im 2. Weltkrieg zerstörten Geländes durch Roemer im Zusammenhang mit Errichtung der Generaldirektion der Allianz Ver-sicherungsAG 1953 ff. (nach Plänen von Wiedemann). - Nach Süden anschließend die Tierärztliche Fakultät, danach Ausgang zur Veterinärstraße.</p> <p><strong>Bedeutung: </strong>Einer der frühesten, größten und bedeutendsten englischen Landschaftsgärten Deutschlands, in seiner Umwandlung in öffentlichen Park erster demokratischen Garten auf dem Kontinent, zugleich erster der von Hirschfeld im Sinne der Aufklärung geforderten &gt;Volksgärten&lt; mit anfangs wirtschaftlicher (Einführung der Kartoffel!), militärakademischer (Festungsmodell!) und volkserzieherischer Absicht &raquo;zwecks Bewegung und Geschäfts-Erholung, geselligen Umgangs und Annäherung aller Stände&laquo;; angeregt von Rumford als einem der fortschrittlichsten Geister, künstlerisch gestaltet von Sckell, dem neben Pückler-Muskau und Lenne bedeutendsten deutschen Gartenkünstler seiner Zeit. Heute noch eine der größten geschlossenen Grünanlagen einer deutschen Großstadt. Nördlich des &gt;Aumeisters&lt; bzw. Föhringer Rings und der erheblichen Verbauung durch Wohnanlage &gt;Kulturheim&lt; und ARD-Fernsehstudios Beginn des Landschaftsschutzgebiets Obere und Mittlere Isarau östlich der Freisinger Landstraße und des rechtsseitigen Isarhochufers; nördlich von Garching bis Freising.</p> </div> <p>&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>

Quellen

Englischer Garten
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Englischer Garten. Kurfürst Karl Theodor ließ ihn 1799—1803, hauptsächlich auf Betreiben des Grafen Rumford, vom Hofgartenintendanten Shell und von Freiherrn von Werneck auf dem Platz des früheren stundenlangen, aber sumpfigen Hirschgartens anlegen; daher die Inschrift König Ludwigs I. auf der Exedra (einem halbkreisförmigen Marmorsitz nach pompejanisehem Vorbild): „Hier, wo ihr wallet, war Wald nur und Sumpf!“ Aus jener Periode des Klassizismus, in der sich Rousseau’s Natursympathie mit der Begeisterung für die Reinheit antiker Formen paarte, steht als Stimmungseinleitung für den, der den Park vom Hofgartentor aus besuchen will, der sogen. „Harmlos“, von F. Schwanthaler (dem Aelteren) 1803 im Stil der Torwaldsen-Schule gearbeitet (vom Volksmund getauft nach dem Anfangswort der begleitenden Inschrift); der in etwas leeren Formen modellierte Knabe steht fast nur wie zufällig an dieser Stelle; seiner Idee nach gehört er in das Gebüsch an den wirklichen Anfang des Parkes, dessen Genuß er einleiten soll, — ein sprechendes Beispiel für das architektonische Problem der Ueberführung eines Straßenzuges in den Park.

Uebrigens ist dieser Park der erste in Deutschland, der, obwohl er von einem Fürsten auf fürstlichem Terrain angelegt wurde, von vornherein als öffentlicher Park zum Wohl der Bevölkerung dienen sollte — wohl die Folge einer Anregung des demokratischen Amerikaners Rumford. Der Park selbst zieht sich 5 km weit isarabwärts bis zum „Aumeister“ in der Hirschau bei Oberföliring, einem Forsthaus mit vielbesuchter Wirtschaft. Wie schon sein Name sagt, ist er im „englischen Stil“ angelegt, wobei die jüngste unter den Sprößlingen der freien Künste, die Gartenkunst, frei und groß gewaltet hat. Durch das englische Naturgefühl, das die zwanglose Anpassung an Klima, Boden und Baumwuchs forderte, waren die strengen geometrischen Prinzipien der französisch-italienischen Gartenkunst (z. B in Schleißheim) überwunden worden. Die Idee des „Parkes“ entstand im Gegensatz zum „Schloßgarten“ mit seinem ausgezirkelten Blumenparterre, seinen symmetrischen Laubgängen und geschnittenen Taxuswänden; jetzt wurde die Natur sich selbst überlassen, und sie hatte die ordnende und korrigierende Hand des Gartenkünstlers nur insofern zu dulden, als die Schönheit des Landschaftsbildes es unbedingt verlangte. München war es, wo zuerst in Süddeutschland das nicht wieder erreichte Beispiel eines groß und weit ausgedehnten Naturparkes entstand, dessen grüne Wiesenflächen und prachtvollen Baumgruppen eine ästhetische Befriedigung von unbegrenzter Dauer und lebensfrischer Ursprünglichkeit gewähren und wohl noch einmal 100 Jahre bewahren werden, nachdem sie schon ein Säkulum lang gleich einem Jungbrunnen von unerschöpflicher Kraft und immer neuer Ausschmückung von den Münchnern bewundert und genossen worden sind. Ludwig von Shell (1750—1825) hatte in Schwetzingen, Bruchsal und Zweibrücken seine Schule durchgemacht und ist für die Einführung des landschaftlichen Gartens in Deutschland von Bedeutung geworden; ein Aufenthalt in England mit Unterstützung des Kurfürsten hatte ihm ermöglicht, dort die Werke von Kent, Brown und Bridgeman zu studieren, vor allem aber die des weitgereisten Architekten Chambers, der eben die Gärten von Kew vollendet und sein berühmtes Werk „Oriental Gardening“ herausgegeben hatte. Stets hat echtes Künstlerblut in Skell geschlummert, das ihn durchaus nicht immer sklavisch den Vorschriften der pedantischen Engländer folgen, sondern sein eigenes Schönheitsempfinden obenan stellen ließ.

Die Gebäude des Englischen Gartens sind deutlich von Kew beeinflußt; der behäbige, aber elegant konstruierte Chinesische Turm aus 1791 (vermutlich von Kriegsrat Joseph Frey) ist eine freie Nachbildung der „Pagode“ des Chambers (zugleich schönes altes Beispiel eines Musik- und Aussichtpavillons), und der hübsche Rumford-Saal — ursprünglich ein Etablissement für vornehme Feste und Reunionen, jetzt benützt für die Polizeiwache — verrät wie die meisten vom Hofkriegsrat Joh. B. Lechner ausgeführten Gebäude deutlich seine Herkunft vom englischen Palladianismus [BAJ 188]. Das versteckt liegende Rumford-Monument von Franz Schwanthaler sei aus den ursprünglichen Monumenten eigens erwähnt.

In der Nähe des Brunnenhauses, dessen Maschine die beiden Springbrunnen am Universitätsplatz treibt, stürzt plötzlich ein Wasserfall am Rande eines breiten malerischen Felsblocks nieder; von hier aus prächtiger Blick auf den Monopteros, ein Ehrendenkmal für die Stifter und Förderer des Parks, Karl Theodor und Max I. (mit diesem archäologischen Namen bezeichnete Vitruv jene Rundtempel, die lediglich aus einem Säulenkranz bestehen, der ohne Zellenzylinder die Bedachung trägt); der Bau, 1830 von Klenze im jonischen Stil errichtet, weist auf 3 Steinstufen ein offenes Rund von 10 jonischen, aber unkannelierten Säulen, dreiteiligen Architrav, glatten Fries, Kranzgesims und ein flaches Kuppeldach, das im Anschluß ans choragische Monument des Lysikrates in Athen gebildet ist; in der Mitte ein Denkstein mit der Widmung Ludwig I.

Am nördlichen Ende liegt der „Kleinhesseloher See, benannt nach einer ehedem dort liegenden Ortschaft; der aus dem Sumpf entwickelte Teich entspricht allen Anforderungen: drei reizende Inselchen namentlich mit schönen Buchenbeständen, eine mannigfaltige Uferentwicklung und zahlreiche überraschende Perspektiven; in der Nähe ein Monument Skells und des Freiherrn von Werneck, des eigentlichen Schöpfers des Sees [B 06, BAJ, Rb],