Name Kath. Pfarrkirche Hl. Kreuz
Architekt Dollmann Georg  
Stadtbezirk 17. Obergiesing-Fasangarten
Stadtbezirksteil Obergiesing
Straße Ichostraße 1
Jahr Baubeginn 1866
Jahr Fertigstellung 1866
Baustil neugotisch
Sakral katholisch
Kategorie Religiöse Bauwerke
Kirche
Baustil Historismus
neugotisch
Unterkategorie Kirche  
Suchbegriffe Kath. Pfarrkirche Hl. Kreuz 
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Bemerkung

Kath. Pfarrkirche Hl. Kreuz, Giesing, Hallenkirche in neugotischen Formen in städtebaulich beherrschender Höhenlage auf Terrasse (siehe Giesinger Berg), mit hohem Westturm, 1866-86 von Georg Dollmann; mit Ausstattung.

Beschreibung

<p> <strong>Heiligkreuz</strong> Pfarrkirche von Giesing. Frühes bajuwarisches Siedlungsgebiet auf Hochufer der Isar: Bajuwarenfriedhof aus 6./7. Jh. 1899 und 1914 entdeckt (Funde in Anthropologischer Staatssammlung, -&gt; S. 188, und Archäologischer Staatssammlung München, -» S. 208ff.). EdelgeschlechtderGiesinger im 12. und 13.Jh., der Ort ab 1248 zur Grafschaft Wolfratshausen (bis 1803) gehörig. - Spätestens um 1200 alte Kirche &gt;Heiligkreuz&lt; wohl anstelle einer älteren errichtet, im 16. Jh. vermutlich neu ausgestattet, 1619 durch Huetter neu gestaltet; ab 1623 dem Paulanerkloster in der Au unterstellt (bis 1809); nach 1854 (Eingemeindung nach München) Erhebung der Kirche zur Pfarrkirche Heiligkreuz. Zum Bau einer größeren Kirche Gründung eines Kirchenbau-vereins 1864 und Planungsauftrag durch (abgedankten König) Ludwig l. an Dollmann (zusammen mit Baumeister J. B. Graßl als Bauleiter und Entwerfer eines großen Teils der durch Privatspenden finanzierten Einrichtung). Abbruch der alten Kirche 1888.</p> <p> <strong>Neue Kirche Heiligkreuz: </strong>Grundsteinlegung 9.9.1866, bereits zwei Jahre später Bauarbeiten eingestellt (Finanznöte); erst 1875, nach Kirchenbaulotterien, Weiterbau. Weihe 31.10.1886, endgültige Vollendung 1897. Bombenschäden 1944, von 1946-48 behoben; durchgreifende Renovierung 1990-98.</p> <p> <strong>Beschreibung: </strong>km östlichen Isar-abhang über 1892 errichteter Terrassenanlage beherrschende dreischiffige Hallenkirche auf kreuzförmigem Grundriss über niedrigem Hausteinsockel; Blankziegelbau mit heller Verfugung, das sechsjochige Langhaus durch sechs hohe Fenster gekennzeichnet und mit nach oben sich verjüngenden Strebepfeilern gegliedert; über den beiden Seitenschiffen flache Pultdächer, Überleitung zum steilen Satteldach durch Maßwerkgalerie (analog zur Frauenkirche), als zusammenfassendes Bauglied über Querschiffe und C/7or(jeweils mit 5/8-Schlüssen) fortgeführt; über Werungzierlicher Dachreiter. In Westseite des Baukörpers integrierter Achteckturm, der sich in drei Geschossen und schlanker Steinpyramide (mit zwei Wimpergkränzen) bis 95 m erhebt; die drei Hauptporfa/e im Turm ergänzt durch zwei Nebenportaleln den westlichen beiden Jochen der Seitenschiffe.</p> <p> <strong>Inneres:</strong> Raumeindruck durch hochragende &gt;kantonierte&lt; Pfeiler und kräftige Gewölberippen bestimmt; über den Sakristeiräumen zwischen Chorseiten und östlichen Querhauswänden Oratorien mit zierlichen Brüstungen undWimperg-&gt;Arkaden&lt;. Im Zusammenwirken mit der original erhaltenen Einrichtung entsteht ein einheitlicher Sakralraum der (späten) Neugotik.</p> <p> <strong>Ausstattung*: </strong>Hochaltar (Entwurf von Dollmann und Graßl) mit Retabel &gt;Kreuzigung Christi&lt; und Maria und Johannes, seitlichen Propheten (Skulpturen von J. Beyrer); die ursprünglichen Chorfenster (entworfen von Dopfer und Kolmsperger d. Ä.) im Krieg zerstört, 1961 durch Fenster (Szenen aus dem Leben Jesu, entworfen von Ceyer) ersetzt. In den beiden Querschiffen je drei Reliefs (von J. Beyrer 1894-97): im nördlichen &gt;Auferstehung&lt;, &gt;Anbetung der Hirten und Könige&lt; sowie &gt;Taufe Christi&lt;, im südlichen »Einsetzung des Papsttuiru, &gt;Abend-mahl&lt; und &gt;Ölberg&lt;: »an der Renaissance und vor allem am Klassizismus orientierte Bravourstücke« (Gabriele Schickel). - Links (Evangelienseite) Marienaltar als Flügelaltar (Entwurf von Bethune 1884-87) mit sechs farbig gefassten Skulpturen im Schrein (von Blanchaert) und Gemälden (von Heibig) an den Flügeln. Rechts (Epistelseite) Jo-sephsaltarals Flügelaltar (entworfen von). A. Müller, vollendet 1888), farbig gefasste Skulpturen Altes Testament und Leben Josephs (von Sejer, Schröterund K. Fuchs).-In den Seitenschiffen 14 Kreuzwegstationen (Reliefs von J. Beyrer); unter der Musikempore Statuen des Erzengels Michael und des Hl. Georgs (von E. Beyrer). Bedeutung: Wenn auch bereits bei Planung vom König und seinen Vorstellungen von Baukunst beeinflusst (er bestimmte auch Dollmann als Architekten!), so ist der Neubau von Heiligkreuz im Wesentlichen vom Bürgertum getragen (Kirchenbaulotterie, private Spender). Im Gegensatz zu der von romantischen Anschauungen von Gotik und der Synthese verschiedener Vorbilder geprägten Auer Kirche (-&gt;• Mariahilfplatz 42) ist Heiligkreuz in Gie-sing ein Werk aus wissenschaftlich erarbeiteten Erkenntnissen von &gt;echter&lt;, &gt;richtiger&lt; Gotik: es steht am Beginn des »dogmatischen Historismus« (Heinrich Habel) der Münchener Sakralbaukunst.</p>

Quellen

Giesinger Pfarrkirche „Hl. Kreuz“
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Giesinger Pfarrkirche „Hl. Kreuz“, Pfarrhofstraße 3. Anstelle der alten abgebrochenen Pfarrkirche 1866—68 (völlig ausgestattet erst 1883) erbaut von Architekt Dollmann.

Grundrils und Aufbau. Stattliche gotische Hallenkirche aus Backstein mit Sandsteinziergliedern, 71 m lang und 20 m breit, demnach ein wenig größer als die Auerkirche-, im Vergleich mit dieser auch malerischer gruppiert durch Anlage eines Querschiffs mit polygonem Abschluß, durch Fortsetzung der Seitenschiffe jenseits des Querschiffs, durch Anlegung eigener flacher Pultdächer für die Seitenschiffe und eines steilem, mit durchbrochener Maßwerkgalerie umzogenen Daches für das Mittelschiff. Chorabschluß in 5 Achteckseiten. Ueber der Vierung des Querschiffes zierlicher achteckiger Dachreiter, der — was sonst selten der Fall ist — ganz aus Stein aufgeführt und durch eine höchst originelle Konstruktion auf den von den Hauptpfeilern der Vierung aufsteigenden Bogen fundiert ist. Mächtiger, 95 m hoher Turm, dem Mittelschiff an der Westfassade in seiner vollen Breite vorgelagert, der — schon im Grundplan achteckig angelegt und von schlanken Strebepfeilern flankiert — sich organisch immer mehr verjüngt, biserübereinem hohen, von 8 schlanken mit Wimpergen geschmückten Fenstern durchbrochenen Obergeschoß in eine schlanke, zweimal von einem Wimpergkranz unterbrochene Steinpyramide übergeht und endlich mit einer mächtigen Kreuzblume abschließt.

Inneres ausgezeichnet durch lichte, weite Verhältnisse sowüe durch kühne, auf kräftigen Pfeilern aufsteigende Gewölbe. Die Fortsetzung des Seitenschiff jenseits des Querschiffes originell ausgenutzt durch Anlage von Sakristeien im Erdgeschoß und darüber gebauten Loggien, die sich mit einem ungemein reich ausgebildeten architektonischen Rahmen gegen das Quer- und Mittelschiff öffnen (gegen den Willen des Architekten wurden die Seitenschiffe vor diesen Loggien statt vor dem polygonalen Abschluß des Querschiffs aufgestellt).

Ausstattung. Hauptschmuck die 15 Glasgemälde in den 14 m hohen Fenstern aus der Hofglasmalerei von F. X. Zettler, wovon die 6 Fenster an den beiden dreiseitigen Querschiffabschlüssen von Privaten, die 9 übrigen jedoch, die sogen. „Königsfenster“ von König Ludwig II. (um 40000 Mk.) gestiftet sind; letztere mit Szenen aus dem Leben Jesu (nach Kartons von W. Kolmsperger), erstere mit einem Zyklus aus dem Apostelleben und Darstellungen aus dem alten Testament bezw. aus der Kreuzlegende (nach Kartons von Joseph Lang). Hochaltar, entworfen von Dollmann, mit dem Holzrelief der „Kreuzigungsgruppe“; Marien altar, von Künstlern in Gent ausgeführt; Josephsaltar, von Architekt J. A. Müller-München. Die Gemälde sind von Julius Frank und August Hess, die figürlichen Darstellungen von Peter Sprenger, Paul Sager, Karl Fischer, Karl Schröder und Karl Fuchs. An der Musikchorbrüstung St. Michael und St. Georg von Eduard Beyrer; desgleichen die Propheten an der Kanzel [F, HR, Rb].

Neue Pfarrkirche von Giesing
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)

Die neue Pfarrkirche von Giesing, unmittelbar neben der alten, ist noch unvollendet, ja es wurde der Bau sogar nach der bekannten Affaire mit der Giesinger Kirchenbau-Lotterie vorläufig ganz eingestellt. Zur Zeit erhoben sich nur die Strebemauern des grössten Theils. Gothischen Styles und aus Backstein mit Sandsteinziergliedern erbaut, wird sie durch eine doppelte fünfseitige Chorbildung wie durch ein in gleicher Weise chorartig abschliessendes Querschiff immerhin von stattlicher Planbildung und eine Zierde der Isarhöhen sein, wie auch das Innere trotz Einschiffigkeit geräumig zu werden verspricht. Die Entwürfe stammen von Hofbaudirector v. Dollmann.