Name Universität Erweiterungsbau
Architekt Bestelmeyer German  
Stadtbezirk 3. Maxvorstadt
Stadtbezirksteil Universität
Straße Amalienstraße 58
Jahr Baubeginn 1906
Jahr Fertigstellung 1906
Kategorie Bildung & Wissenschaft
Universität
Baustil Keine Kategorie
Unterkategorie Universität  
Suchbegriffe Universität 
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Beschreibung

<p>Universität Tiefgestaffelter Erweiterungsbau westlich der Gärtnerschen Anlage (-&gt; Geschwister-Scholl-Platz 1), nach Plänen von Bestelmeyer 1906-09 errichtet, 1944 schwer beschädigt, zwischen 1946 und 1951 im Wesentlichen und z.T. vereinfacht wiedergebaut. Äußeres: An Amalienstraße lang gestreckte dreiflügelige Front aus neunachsi-gem südlichen und ursprünglich dreiachsigem nördlichen Trakt (1958-60 in historischen Formen um fünf Achsen bis Adalbertstraße verlängert); dazwischen um ca. 15 m zurückgesetzte Hauptfassade zu 21 Achsen. Alle Bauteile dreistöckig, verputzt, mit Haustein gegliedert; im Erdgeschoss und zweiten Obergeschoss breite Rundbogen-, im ersten Obergeschoss Rechteckfenster. Mittelachse durch siebenjochige Bogenhalle hervorgehoben, imTympanon des Hauptportals Reiterfigur Herzogs Ludwig des Reichen von Bayern-lngolstadt, des Gründers der Universität 1472 (von Pfeifer). Weitere Akzentuierung durch sechs Statuen (von Floßmann 1905) zwischen den Fenstern des ersten Obergeschosses: Augustinus, Papias, Solon, Hippokrates, Aristoteles, Archime-des als Allegorien der Fakultäten (Theologie, Patristik, Jurisprudenz, Medizin, Philosophie, Naturwissenschaft), ferner durch sieben Reliefs (von Albertshofer) unter den Fenstern des zweiten Obergeschosses: symbolische Darstellungen &raquo;jugendlicher Ideale&laquo; (wie Stärke, Lebensfreude, Weisheit, Mut usw.). -Als virtuelle Begrenzung des Universitätsgeländes zwei oktogonale Granitmonolithe (ursprünglich für Befreiungshalle in Kelheim bestimmt), bekrönt von allegorischen Erzfiguren: links &gt;Sieg der Wissenschaft^ rechts &gt;Wahrheit&lt; (von Hahn). Inneres: M römischen Vorbildern orientiert der Licht-hof* unter Hängekuppel (mit Auge) und vier tonnengewölbten Armen, verbindet mit westlich angefügtem Auditorium Maximum den Alt- mit dem Neubau und vermittelt zwischen den leicht divergierenden Ost-West-Achsen der beiden Gebäude. Auf drei Seiten von Galerien auf Pfeilern und Arkaden umschlossen, an vierter Seite monumentale Treppenanlage: im Lichthof auf hohen Wangenpostamenten antikisierende Sitzfiguren König Ludwigs l. (von Ackerberg) und Prinzregent Luitpolds (von Bleeker), beide enthüllt 1911 .Vom Zwischenpodest der Treppe abwärts zum Vestibül des Gärtner-Baus, zweiläufig aufwärts zu Bogenhalle und Wandelgang im ersten Obergeschoss&nbsp;des Altbaus. Im Schildbogen des östlichen Gewölbearms ursprünglich Mosaik (von J. Diez: &gt;Alma malen), nach Kriegszerstörung durch Orgel ersetzt. Vergoldete Ziergitter und Mosaiken von Koeppen; der Lichthof Ort der Flugblattaktion der Widerstandsgruppe &gt;Weiße Rose&lt; 1943, an die Gedenktafel (von E. Dietz 1958) erinnert; ferner die 1997 eingerichtete DenkStätte mit Ausstellung und Bibliothek (-&gt; S. 150); Zugang vom Lichthof). - Im Südtrakt Vergrößerung der alten Aula des Gärtner-Baus (Zutritt vom Wandelgang), Pläne von Bestelmeyer: an Rechteckraum angefügt breit gelagerte Halb-rundapsis (anregender Nachklang des zerstörten Konzertsaals im Odeon (-* Odeons-platz 3) mit Mosaiken von Koeppen: Sonnengott Helios flankiert von Weisheit (Athene) und Kraft (Hermes) sowie Wahrheit (Hera) und Schönheit (Aphrodite), darunter sieben Büsten (von Stehle) bayerischer Herrscher seit 1806 (Max l. Joseph, Ludwig L, Max II., Ludwig II., Otto L, Prinzregent Luitpold, Ludwig III.). An umlaufender Emporenbrüstung Medaillons (Entwurf Koeppen) mit Symbolen für die zwölf wichtigsten Städte des Altertums (Babylon, Memphis, Knossos, Tyrus, Ephesus, Athen, Korinth, Syrakus, Tarent, Alexandria, Rom, Byzanz); unter der Empore zwei Granitpfeiler mit Reliefs &gt;Herkules&lt; und &gt;Prometheus&lt; (von Janssen). Bedeutung: Reduzierung des architektonischen Formenapparats nach dem Ausklingendes Historismus sowie die Anwendung jugendstilhafter Dekorelemente bei werkgerechter Materialverarbeitung führen im Außenbau zu archaisierender Architektur und Anklängen an secession istische Stilkriterien, im Lichthof zu römisch-antikisierender, monumentaler Repräsentation und zeigen in der Aula ein selten gewordenes, bemerkenswertes Beispiel für eine neoklassizistische Innenarchitektur. Die im Krieg kaum beschädigte &gt;AulaMaxima&lt; (renoviert 1983/84) mit jüngerer bayerischer Geschichte und wiederbeginnendem Kulturleben Münchens verbunden: Tagungsstätte der verfassunggebenden Landesversammlung (15.7.-26.10.1946, Verfassung durch Volksabstimmung am 1.12.1946 angenommen); Konstituierung des ersten frei gewählten Bayerischen Landtags (16.12.1946) und Sitz des Parlaments bis 1949 (Umzug ins Maximilianeum, -&gt; Max-Planck-Straße 1). - Daneben bis 1952/53 Proben- und Konzertsaal der Münchener Philharmonikerund der &gt;Musica viva&lt;.</p>

Quellen

Erweiterungsbau der Ludwigs-Maximilians-Universität
München und seine Bauten (1912)

Die Erweiterung der Universität erfolgte in den Jahren 1905/1908. Um den nötigen Platz für den Neubau zu gewinnen, erwarb die Universität 13 Anwesen an der Amalienstraße. Die Oberleitung lag in den Händen des Ministerialrates von Stempel; Bauleiter und Vorstand des Baubureaus war Bauamtsassessor Bestelmeyer. Eine große Wandelhalle beherrscht jetzt als Mittelpunkt die ganze Anlage und vermittelt den Übergang vom alten zum neuen Bau. Durch die Erweiterung erhielt die Universität außer dem Auditorium maximum mit 800 Sitzplätzen noch weitere 30 neue Hörsäle mit rund 4500 Plätzen und 12 Räume für Seminarien. Im Anschluss an die Erweiterung erfolgte eine durchgreifende Instandsetzung des alten Baues, ferner eine Vergrößerung der Aula und die Schaffung von Repräsentations- und Verwaltungsräumen. Der Neubau hat gleich dem Altbau größtenteils verputzte Fassadenflächen mit spärlicher Hausteinverwendung. Die Dächer sind mit Breitziegeln eingedeckt. In der Zentralhalle wurde insbesondere Marmor, Bronze, Mosaik usw. verwendet. Die hauptsächlichsten plastischen Arbeiten sind ausgeführt von den Bildhauern Akerberg, Bleeker, Professor Albertshofer, Floßmann, Hahn, Pfeifer und Seidler. Der Karton zu dem Mosaikwandbild in der Zentralhalle stammt von Professor Jul. Diez her. Der Bau ist mit Niederdruckdampfheizung und elektrischer Beleuchtung versehen. Die Kosten des Neubaus betrugen M. 2788000, jene der inneren Einrichtung M. 450000, des Umbaues M. 896000.