Benediktinerabtei- und Pfarrkirche St. Bonifatius

NameBenediktinerabtei- und Pfarrkirche St. Bonifatius
ArchitektZiebland Georg Friedrich
Stadtbezirk3. Maxvorstadt
StadtbezirksteilKönigsplatz
AdresseKarlstraße 34
Baujahr1850
Baustilfrühchristlicher Stil
Konfessionkatholisch
Kategorie1
SuchbegriffeSt. Bonifaz, Benediktinerabtei

Geschichte

St. Bonifaz Als Kirche des Benediktinerklosters und Pfarrkirche (früher auch >Basilika< genannt) für die neu angelegte > Maxvorstadt nach Plänen von Ziebland erbaut. Mehrere Planungsphasen: erste (1827/28) und zweite (1829) noch auf Königsplatz, erst ab dem dritten Entwurf auf Karlstraße bezogen; fünfter Entwurf (1833/35) zur Ausführung bestimmt: Grundsteinlegung 12.10.1835 (Tag der Silbernen Hochzeit des Königs), vollendet 1847, Weihe 1850. Das nördlich anschließende Kloster ca. 1835-50, ebenfalls von Ziebland, das zugunsten der Erweiterung des Kunstausstellungsgebäudes abgebrochen (Plan von J. und F. Rank 1929 und 1934) bzw. umfunktioniert (Plan Gablons-ky 1938 und Entwürfe von Hager und Leypold) an der Karl- bis Luisenstraße neu errichtet werden sollte; durch Krieg Ausführung verhindert. - Kloster zwischen 1943 und 1945 teilweise beschädigt, bereits 1945 wieder aufgebaut; dagegen Kirche 1944 ausgebrannt (Fresken und Inventar zerstört), 1945 durch Luttmine zwei Drittel der Säulen niedergelegt; bis 1949 durch Döllgast Sanierung des südlichen Teils der Kirche und Abschluss durch gerade Nordwand (nach ehemaligem siebten )och); auf Restareal zwischen Rumpfbasilika und ehemaliger Apsis Errichtung eines Seelsorge- und Bildungszentrums nach Plänen von Hörn 1968-71. Anschließend Restaurierung der Rumpfbasilika (bis 1974/75).

Beschreibung (des ursprünglichen Baus): Lang gestreckter, sparsam gegliederter Backsteinbau mit neunjochiger Vorhalle; über Pultdächern zurückgesetzt das Hauptschiff. Drei Portale, am Mittelportal Figuren der Apostelfürsten, im Scheitel Brustbild des Architekten als Mönch (von Schönlaub, um 1847). - Anschließend an Halbkreisapsis im Norden das Klostergebäude um zwei Innenhöfe, dem Baublock des ehemaligen Kunstausstellungsgebäudes (heute Antikensammlung-»Königsplatz 1), angefügt.

Inneres (des ursprünglichen Baus): fünfschiffige, flach gedeckte Basilika mit 17 Jochen; große Apsisnische, von konzentrischen Sakristeien umbaut. (Darunter Krypta und Grablege der Benediktiner.) - Die in eigener Grabkapelle vorgesehene Bestattung von König Ludwig I. und seiner protestantischen Gemahlin Therese scheiterte am Widerspruch der Katholischen Kirche; deshalb Beschränkung auf Kapelle am rechten Seitenschiff mit Sarkophag des Königs (nach Vorbildern in Palermo von Ad. Sickinger 1868 entworfen), während die an Cholera 1854 verstorbene Königin zuerst in der Gruft von St. Kajetan beigesetzt und 1857 in das von Klenze angelegte schmucklose Gruftgewölbe unter Ludwigs Grabkapelle überführt wurde; 2002 hinter dem König in eigenem Sarkophag beigesetzt.

Die heute zerstörte Bemal ung der Wände durch H. v. Heß.Schraudolph und ).K. Koch: i n der Arkadenzone 34 Papstmedaillons, in der Mittelzone unter den Fenstern zwölf Gemälde zum >Leben und Wirken des Hl. Bonifaz<, zwischen den Fenstern 36 Darstellungen aus deutscher Kirchengeschichte; amTriumphbogen Gotteslamm mit vier Evangelisten, in der Apsis (auf Goldgrund) acht Glaubensboten in Bayern, darüber Christus in Mandorla. (Das Programm für die gesamte prächtige Ausmalung durch Ignaz v. Döllinger.)

Bedeutung: Oberflächlich betrachtet Übernahme des Schemas frühchristlicher Basiliken (in Rom: S. Paolo und S. Lorenzo fuori le mura; in Ravenna: S. Apolli-nare in Classe); in eigenständiger Gestaltung des Außenbaus Anlehnung an Romanik erkennbar (Baudekor), von Leopold v. Ranke (um 1850) als schönste moderne Kirche bezeichnet. In der ursprünglichen Konzeption Ludwigs l. als Apostelkirche am -> Königsplatz, gegenüber der Glyptothek, geplant; in der ausgeführten Form typisch für romantisches Bildungsideal: Dreiklang von Kunst (Ausstellungsgebäude), Wissenschaft (Kloster) und Religion (Basilika).

Der heutige Bau: Fassade an Karlstraße mit neun-jochigem Portikus und hochragendem Mittelschiff nach ursprünglichem Zustand 1950 (durch Döllgast) restauriert, die ursprüngliche Ausstattung und die frühere Längenausdehnung bei Verkürzung um nahezu 3/5 kaum mehr vorstellbar. Die drei Bronzeportale 1969 (aus der Schule von Brenninger, das linke und rechte von Seyffart). Der triumphale Tiefenzug des ehemaligen Kirchenschiffs aufgehoben durch Breitenerstreckung der Rumpfbasilika, durch Zentralaltar (1975) und Orgel (1976) mit gotischem Kruzifix an abschließender Nordwand zusätzlich betont. Am Nordende des rechten Seitenschiffs Marienkapelle, des linken Seitenschiffs Bonifatiuskapelle (mit abgelaugter Holzstatue aus der alten Basilika). Seit 1993 unter den Fenstern der Hochschiffwände unterschiedlich große, starkfarbige Tafelbilder (alt- und neutestamentliche Themen) von P. Burkart. - Das Seelsorge- und Bildungszentrum 1968-71 als niedriger, zweigeschossiger Bau aus Fertigbeton zwischen Rumpfbasilika und ehemaliger Apsiswand eingefügt; im Kern gegen Süden Werktagskirche (zugleich Taufkapelle), gegen Norden Festsaal; darunter Unterkirche. Künstlerische Ausgestaltung von Alt- und Neubau durch die Bildhauer Gerg, Koller, Chr. Stadier, Schweizer u. a. sowie Gobelins der Benediktinerin Sr. Deocara. - Auf Klostergelände Neubau (Pläne von Branca, 2000/01) für die vom Kloster getragene Obdachlosenhilfe.

Bedeutung: Unter Berücksichtigung der Kriegszerstörungen und der veränderten kirchlich-seelsorgerischen Situation bemer-kenswerterVersuch, Tradition (Kloster!) und heutige Gegebenheiten (v. a. nach 2. Vatikanischem Konzil) ohne historisierende Verbrämung miteinander zu verbinden. - Dieselbe Haltung führte 1994/95 zur Errichtung einer Studenten-Begegnungsstätte der Katholischen Hochschulgemeinde anTechnischer Universität (Karlstraße 32 unter Einbeziehung eines klassizistischen Wohnhauses, 1818, an Ecke Karl-/Meiserstraße); Pläne von Eggendorfer, der modernen Bau vorbildhaft in historische Umgebung einfügte.

Benediktinerabtei- und Pfarrkirche St. Bonifatius
Benediktinerabtei- und Pfarrkirche St. Bonifatius

Lage

Quellen