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1921
bis
1922

Lerchenfeld Hugo Graf von

Lerchenfeld Hugo Graf von
<p>Hugo Graf von und zu Lerchenfeld auf Köfering und Schönberg (* 21. August 1871 in Köfering, Oberpfalz; † 13. April 1944 in München) war ein bedeutender bayerischer Politiker, Diplomat und Verwaltungsbeamter. Er entstammte dem bayerischen Adelsgeschlecht Lerchenfeld und studierte nach dem Abitur in München Rechtswissenschaften. Nach Stationen als Bezirksamtmann in Berchtesgaden und Regierungsrat im Kultusministerium wirkte er während des Ersten Weltkriegs in der Zivilverwaltung der besetzten Gebiete Russisch-Polens. Nach 1918 wurde er Geheimrat im Auswärtigen Amt und Vertreter der Reichsregierung in Hessen.&nbsp;</p><p>Von 1921 bis 1922 war Lerchenfeld Ministerpräsident, Außen- und Justizminister des Freistaates Bayern für die Bayerische Volkspartei (BVP), eine konservative Partei der Weimarer Republik. In dieser Zeit versuchte er, politische Spannungen zwischen Bayern und der Reichsregierung zu entschärfen. Anschließend war er von 1924 bis 1926 Mitglied des Reichstags.&nbsp;</p><p>Ab 1926 vertrat er das Deutsche Reich als Gesandter in Österreich (bis 1931) und danach in Belgien (bis 1933). Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er 1933 zunächst beurlaubt und wenig später pensioniert. Neben seinen politischen und diplomatischen Aufgaben engagierte sich Lerchenfeld in der freien Wohlfahrtspflege und im Deutschen Caritasverband.&nbsp;</p><p>Er war mit Ethel Louise Wyman aus New York verheiratet und hatte zwei Söhne. Hugo Graf von Lerchenfeld gilt als konservativer Staatsmann, der in der politisch schwierigen Zeit der frühen Weimarer Republik eine vermittelnde Rolle suchte.&nbsp;</p>
1922
bis
1924

Knilling Eugen Ritter von

Knilling Eugen Ritter von
<p>Eugen von Knilling (*1. August 1865 in München; †20. Oktober 1927 ebenda) war ein konservativer bayerischer Politiker und Ministerpräsident des Freistaates Bayern von 1922 bis 1924. Zuvor hatte er verschiedene Ämter im Justiz- und Kultusministerium inne und war zeitweise Staatsminister für Unterricht und Kultus. Knilling, ein promovierter Jurist, vertrat national-konservative und monarchistische Positionen.</p><p>Seine Amtszeit fiel in eine politisch äußerst instabile Phase nach dem Ersten Weltkrieg, geprägt von politischen Unruhen, wirtschaftlichen Krisen und extremistischen Umtrieben von rechts und links. Als Ministerpräsident führte er 1923 den sogenannten „Ausnahmezustand“ („Notverordnungsrecht“) ein, um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen. Er ernannte Gustav von Kahr zum Generalstaatskommissar, was zur Errichtung einer autoritären Regierung in Bayern führte, die insbesondere gegen linksgerichtete Kräfte, aber auch gegen republikfeindliche Bestrebungen vorging.</p><p>In diese Zeit fiel auch Adolf Hitlers gescheiterter „Hitlerputsch“ im November 1923, bei dem Knilling jedoch keine zentrale Rolle spielte. Dennoch zeigte seine Amtszeit deutlich, wie stark der bayerische Staat damals von autoritären Tendenzen geprägt war.</p><p>Knillings Politik war letztlich geprägt von dem Versuch, Bayern politisch zu stabilisieren, allerdings mit begrenztem Erfolg. Er trat 1924 zurück und starb drei Jahre später in München.</p>
1923
bis
1924

Kahr Gustav Ritter von

Kahr Gustav Ritter von
<p>Gustav Ritter von Kahr (*29. November 1862 in Weißenburg in Bayern; †30. Juni 1934 im KZ Dachau) war ein konservativer bayerischer Politiker, der vor allem durch seine Rolle während der unruhigen Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bekannt wurde. Als überzeugter Monarchist und Gegner der Weimarer Republik amtierte er von 1920 bis 1921 als Ministerpräsident Bayerns und erneut 1923 als Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten.</p><p>Kahrs Politik war autoritär-konservativ geprägt. Während seiner Amtszeit kämpfte er entschieden gegen kommunistische und sozialistische Bewegungen, förderte jedoch zugleich nationalistische und republikfeindliche Kräfte. Im Jahr 1923 erlangte er weitreichende Machtbefugnisse und versuchte, Bayern vom Reich unabhängig zu positionieren. Im Zuge dieser politischen Spannungen kam es am 8. und 9. November 1923 zum sogenannten „Hitlerputsch“, bei dem Kahr zunächst von Hitler gezwungen wurde, sich dessen Putschversuch anzuschließen, dies jedoch rasch widerrief und ihn letztlich scheitern ließ.</p><p>Nach dem Rücktritt aus der Politik lebte Kahr zurückgezogen in München. Während des „Röhm-Putsches“ am 30. Juni 1934 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet und noch am selben Tag im Konzentrationslager Dachau ermordet. Gustav von Kahr gilt heute als ambivalente Persönlichkeit, deren Politik einerseits zur Schwächung der Demokratie beitrug, andererseits jedoch auch zeitweise Adolf Hitlers Machtübernahme verhinderte.</p>
1924
bis
1933

Heinrich Held

Heinrich Held
<p>Heinrich Held (*6. Juni 1868 in Erbach; †4. August 1938 in Regensburg) war ein deutscher Politiker der Bayerischen Volkspartei (BVP) und von 1924 bis 1933 Ministerpräsident des Freistaates Bayern. Als überzeugter Katholik und konservativer Demokrat prägte Held die letzte stabile Regierungsperiode Bayerns vor der nationalsozialistischen Machtübernahme.</p><p>Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften arbeitete Held zunächst als Journalist. Er engagierte sich politisch in der katholisch-konservativen BVP und wurde 1924 zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt. Seine Regierungszeit war von Bemühungen geprägt, Bayern politisch und wirtschaftlich zu stabilisieren und eine weitgehende Autonomie innerhalb des Deutschen Reiches zu sichern. Held förderte Landwirtschaft und Mittelstand und setzte auf eine gemäßigt konservative Politik, um die demokratische Ordnung gegen extremistische Kräfte von links und rechts zu schützen.</p><p>Obwohl er dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstand und dessen Machtübernahme ablehnte, gelang es ihm nicht, Hitlers Machtausbau entscheidend entgegenzuwirken. Im März 1933 wurde Held durch die nationalsozialistische Reichsregierung abgesetzt, verhaftet und kurzzeitig in Haft genommen. Danach zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück und lebte zurückgezogen in Regensburg, wo er 1938 starb.</p><p>Heinrich Held gilt heute als Symbolfigur eines demokratischen und konservativen Widerstands gegen die Radikalisierung in der Weimarer Republik.</p>
1933
bis
1933

Epp Franz Ritter von

Epp Franz Ritter von
<p>Franz Ritter von Epp (*16. Oktober 1868 in München; †31. Dezember 1946 ebenda) war ein deutscher General und Politiker, der eine bedeutende Rolle beim Aufstieg des Nationalsozialismus in Bayern spielte. Bekannt wurde er zunächst als Offizier im Ersten Weltkrieg, wo er sich militärisch auszeichnete und den bayerischen Militär-Max-Joseph-Orden erhielt.</p><p>Nach dem Krieg führte er 1919 das nach ihm benannte Freikorps Epp an, das maßgeblich an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt war. Damit festigte er seinen Ruf als entschiedener Gegner demokratischer und linker Bewegungen. Frühzeitig unterstützte er Adolf Hitler und wurde 1928 Mitglied der NSDAP.</p><p>Ab 1933 amtierte Epp als Reichsstatthalter in Bayern und trug aktiv zur „Gleichschaltung“ Bayerns und zur Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur bei. Er war damit einer der zentralen Akteure der NS-Machtübernahme in Bayern. Zwar verlor er später an politischem Einfluss, blieb aber dennoch bis Kriegsende im Amt.</p><p>Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wurde Epp 1945 von den Alliierten verhaftet und interniert. Er starb Ende 1946 in US-amerikanischer Internierungshaft in München, bevor ihm der Prozess gemacht werden konnte. Bis heute gilt er als exemplarischer Vertreter jener konservativen Militär- und Politikerkreise, die entscheidend zum Aufstieg Hitlers beitrugen.</p>
1933
bis
1942

Siebert Ludwig

Siebert Ludwig
<p>Ludwig Siebert (*17. Oktober 1874 in Ludwigshafen; †1. November 1942 in Stock am Chiemsee) war ein deutscher Jurist und nationalsozialistischer Politiker. Von 1933 bis zu seinem Tod amtierte er als bayerischer Ministerpräsident und galt als enger Vertrauter Adolf Hitlers.</p><p>Nach einer juristischen Laufbahn in verschiedenen bayerischen Städten begann Siebert bereits in den 1920er-Jahren, nationalsozialistische Politik aktiv zu unterstützen. 1931 trat er der NSDAP bei. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde Siebert von den Nationalsozialisten zum Ministerpräsidenten Bayerns ernannt und blieb dies bis zu seinem Tod. In diesem Amt setzte er die politischen Richtlinien des NS-Regimes bedingungslos um, beseitigte die demokratischen Strukturen in Bayern und trug maßgeblich zur Gleichschaltung Bayerns bei.</p><p>Siebert verfolgte eine Politik der vollständigen Unterordnung Bayerns unter das nationalsozialistische Reich. Unter seiner Verantwortung wurde die Verfolgung politischer Gegner intensiviert, jüdische Bürger entrechtet und verfolgt sowie demokratische Institutionen aufgelöst. Zugleich förderte er infrastrukturelle und wirtschaftliche Projekte, um das NS-Regime zu stärken und propagandistisch zu unterstützen.</p><p>Er starb 1942, noch während des Zweiten Weltkriegs, als überzeugter Anhänger des Regimes. Siebert gilt als eine Schlüsselfigur in der nationalsozialistischen Durchdringung Bayerns und trägt Mitverantwortung für die Umsetzung zahlreicher Verbrechen des NS-Staates im Land.</p>
1942
bis
1945

Giesler Paul

Giesler Paul
<p>Paul Giesler (*15. Juni 1895 in Siegen; †8. Mai 1945 in Berchtesgaden) war ein deutscher Politiker der NSDAP und gehörte zu den radikalsten Nationalsozialisten in der Endphase des „Dritten Reiches“. Von 1942 bis 1945 amtierte er als bayerischer Ministerpräsident sowie Gauleiter von München-Oberbayern und führte in dieser Funktion das NS-Regime besonders brutal und fanatisch.</p><p>Im Ersten Weltkrieg war Giesler Soldat; später schloss er sich frühzeitig der NS-Bewegung an und wurde ein enger Vertrauter Hitlers. Während seiner Amtszeit setzte er bedingungslos die Politik des NS-Regimes durch, trieb die Verfolgung politischer Gegner und Juden massiv voran und beteiligte sich an der radikalen Umsetzung des Holocausts. Besonders bekannt wurde Giesler durch seine fanatischen Aufrufe zur Verteidigung Münchens bis zur völligen Zerstörung, als alliierte Truppen näherrückten.</p><p>Gieslers Herrschaft zeichnete sich durch extreme Brutalität aus: Kurz vor Kriegsende befahl er noch zahlreiche Hinrichtungen von Widerstandskämpfern. Kurz nach der deutschen Kapitulation beging Giesler am 8. Mai 1945 in Berchtesgaden Selbstmord, um seiner Verhaftung durch die Alliierten zu entgehen.</p><p>Historisch betrachtet symbolisiert Paul Giesler die rücksichtslose Radikalisierung des NS-Systems in dessen Endphase und zählt zu den Hauptverantwortlichen für zahlreiche nationalsozialistische Verbrechen in Bayern.</p>
1945
bis
1945

Schäffer Fritz

Schäffer Fritz
<p>Fritz Schäffer (*12. Mai 1888 in München; †29. März 1967 in Berchtesgaden) war ein deutscher Jurist und Politiker, der bedeutende Ämter sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene innehatte. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität München und dem Abschluss beider Staatsexamina trat er 1916 in den bayerischen Verwaltungsdienst ein. Während des Ersten Weltkriegs diente er kurzzeitig als Soldat, bevor er aufgrund einer Verwundung in den Staatsdienst zurückkehrte.&nbsp;</p><p>Schäffers politische Laufbahn begann 1920 mit seiner Wahl in den Bayerischen Landtag für die Bayerische Volkspartei (BVP), deren Vorsitz er 1929 übernahm. Von 1931 bis 1933 amtierte er als Bayerischer Finanzminister. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er aus dem Staatsdienst entlassen und kurzzeitig inhaftiert. Während des Zweiten Weltkriegs geriet er nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 erneut in Haft und wurde im KZ Dachau interniert.&nbsp;</p><p>Nach Kriegsende war Schäffer 1945 Mitbegründer der Christlich-Sozialen Union (CSU) und wurde von der amerikanischen Militärregierung zum ersten Ministerpräsidenten Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg ernannt. Allerdings wurde er bereits nach wenigen Monaten wieder abgesetzt, da ihm vorgeworfen wurde, den öffentlichen Dienst nicht ausreichend von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern gesäubert zu haben.</p><p>Auf Bundesebene war Schäffer von 1949 bis 1957 erster Bundesfinanzminister der Bundesrepublik Deutschland unter Kanzler Konrad Adenauer. In dieser Funktion verfolgte er eine strikte Sparpolitik und war bekannt für seine Zurückhaltung bei finanziellen Entschädigungen für NS-Opfer, was zu erheblichen Kontroversen führte. Von 1957 bis 1961 diente er als Bundesjustizminister, bevor er sich aus der aktiven Politik zurückzog.</p><p>Schäffers Karriere war geprägt von seinem Engagement für den Föderalismus und seine konservativen Werte. Gleichzeitig blieb seine Haltung während der NS-Zeit und seine späteren politischen Entscheidungen Gegenstand kritischer Betrachtungen.</p>
1945
bis
1946

Hoegner Wilhelm

Hoegner Wilhelm
<p>Wilhelm Hoegner (*23. September 1887 in München; †5. März 1980 ebenda) war ein bedeutender bayerischer Politiker der SPD, zweimal Ministerpräsident Bayerns (1945–1946 und 1954–1957) und gilt als „Vater der Bayerischen Verfassung“. Er spielte eine zentrale Rolle beim demokratischen Neuaufbau Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg.</p><p>Schon früh engagierte sich Hoegner als Jurist und Politiker gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. 1933 musste er wegen seiner entschiedenen Opposition gegen Hitler ins Schweizer Exil fliehen. Dort entwickelte er bereits Konzepte für eine demokratische Nachkriegsordnung. Nach Kriegsende wurde er 1945 von der amerikanischen Militärregierung als erster sozialdemokratischer Ministerpräsident eingesetzt und leitete maßgeblich die Ausarbeitung der Bayerischen Verfassung von 1946, einer der fortschrittlichsten ihrer Zeit. Besonders setzte er sich für soziale Gerechtigkeit, Bürgerrechte und eine starke parlamentarische Demokratie ein.</p><p>In seiner zweiten Amtszeit ab 1954 förderte Hoegner Bildung, sozialen Wohnungsbau und Infrastrukturprojekte und verteidigte föderale Strukturen gegen zunehmenden Zentralismus.</p><p>Wilhelm Hoegner, der bis heute als einer der herausragenden Demokraten Bayerns gilt, prägte wesentlich das politische Selbstverständnis des Freistaates und hinterließ ein bleibendes Erbe im demokratischen und sozialen Fundament des Landes. Er starb 1980 hoch angesehen in München.</p>
1946
bis
1954

Ehard Hans

Ehard Hans
<p>Hans Ehard (*10. November 1887 in Bamberg; †18. Oktober 1980 in München) war ein deutscher Jurist und Politiker der CSU, der das politische Nachkriegsbayern maßgeblich prägte. Er amtierte zweimal als Ministerpräsident Bayerns (1946–1954 und 1960–1962) und ist bis heute der einzige bayerische Ministerpräsident, der zwei voneinander getrennte Amtszeiten innehatte.</p><p>Ehard studierte Rechtswissenschaft und begann seine politische Karriere als Staatsanwalt und Ministerialbeamter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1945 Mitbegründer der Christlich-Sozialen Union (CSU). Als Ministerpräsident setzte er sich entschieden für den Wiederaufbau Bayerns ein und verteidigte die Eigenständigkeit Bayerns innerhalb der neuen Bundesrepublik Deutschland. Er gilt als einer der Väter des Grundgesetzes und vertrat Bayern aktiv im Parlamentarischen Rat 1948/49.</p><p>Ehard war überzeugter Föderalist und bemühte sich stets um eine klare Abgrenzung der Landeskompetenzen gegenüber dem Bund. Während seiner Amtszeiten gelang es ihm, politische Stabilität zu schaffen, den wirtschaftlichen Wiederaufstieg Bayerns zu fördern und demokratische Strukturen zu festigen. Auch die Förderung von Kultur, Bildung und Wissenschaft gehörten zu seinen politischen Schwerpunkten.</p><p>Nach seinem Rücktritt blieb Ehard weiterhin politisch aktiv und wurde später Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs. Er starb 1980 in München und wird als eine der bedeutendsten politischen Persönlichkeiten Bayerns im 20. Jahrhundert angesehen.</p>