Burgfrieden
Volltext / Weitere Informationen
1724/1728
Bis der Churfürstl. Haubt und Residentz-Statt München Burgfridt
Matthias Paur
Beschriftung, „Anzeig. Über disen Ris der Churfürstl: Haubt und Residentz Statt München Burgfridt betreffent [...] den 25: September Anno 1728" Legende Erläuterung zu den von 1-24 numerierten Burgfriedenssäulen und Marksteinen, Wappen des Kurfürstentums Bayern und der Stadt München Beschreibung im Inneren der Stadtfläche. „Statt München [Maßstabsangabe siehe unten] Matthias Paur Churftl: Geometer gewester Schmit. alt 83 Jahr.
NW oben, Windrose, Maßstab 1:10 000, „Ein 1/2 Churbayrischer Land Schuch mit welchem der Burgfrid gemeßsen worden" = 5000 „Schuch"
Maßstab der Abbildung rechts ca.1:30000
Federzeichnung, farbig laviert, 47,2 x 105,6 cm (Bild)
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Plansammlung 5641 a
In seinen letzten Lebensjahren hat der kurfürstliche Geometer Matthias Paurl den Übersichtsplan der Stadt München mit ihren Burgfriedensgrenzen aufgenommen. Der innerhalb der Mauern und Wallanlagen gelegene Bereich der Stadt ist nicht bearbeitet. Eine rot gekennzeichnete Grenzlinie beschreibt mit 24 Burgfriedenssäulen und drei Marksteinen den Stadtumfang.
Als Burgfrieden wurde ursprünglich eine Vereinbarung über Freiheit und Schutz innerhalb eines Burgbezirks bezeichnet. Später erweiterte sich die Bedeutung des Begriffs und definierte den rechtlichen Einflussbereich einer Stadt, den Bereich ihrer Steuerhoheit und weiterer Privilegien.
Für München ist der Begriff des Burgfriedens erstmals 1380 in Gerichtsakten belegt. Eine Verordnung und Beschreibung erfolgte 1460. Darin enthalten ist die ummauerte Fläche der Stadt, aber auch außerhalb liegende Einrichtungen wie Mühlen, Bleichwiesen, die Floßländen, der Brückenkopf auf dem östlichen Isarufer, das Gasteigspital usw.
Mit fünf steinernen Kreuzen wurde das Gebiet ausgesteckt und gekennzeichnet. In den Jahren 1557, 1584 und 1654 folgten kleinere Erweiterungen. Dennoch wurden über diese Grenzen hinaus weitere Einrichtungen der Stadt und Siedlungsgebiete gebaut, vor allem in Haidhausen und in der Au.
Anlass für die neue Festsetzung der Burgfriedensgrenzen waren Beschwerden der Stadt an den Kurfürsten Max Emanuel aufgrund von rechtlichen Streitigkeiten mit der Hofkammer um die Verfügungsgewalt über städtischen Grund, verbunden mit dem Wunsch nach einer Erweiterung des städtischen Hoheitsgebiets.
1724 bestätigte Max Emanuel den Verlauf des Burgfriedens, zwei Jahre danach verstarb er und erst 1728, nach weiteren rechtlichen Auseinandersetzungen wurden die genauen Positionen der einzelnen Grenzsäulen festgelegt, durch den neuen Kurfürsten Karl Albrecht wiederum bestätigt und im Terrain aufgestellt.
Auch damit war das Verfahren der Bestätigung noch nicht abgeschlossen. Erst am 24. September 1736, fast zwölf Jahre nach der kurfürstlichen Neufestlegung des Burgfriedens, wurden die neuen Grenzen der Stadt schriftlich fixiert.
Der Plan von Matthias Paur beschreibt als rechtliches Dokument den gesamten Umfang der vereinbarten Stadtfläche. Er wurde mehrfach kopiert und ist in verschiedenen Archiven erhalten. Der abgebildete Plan ist eine Kopie des Originals durch Adrian von Riedle aus dem Jahr 1787, beglaubigt vom Notar Johann Martin Maximilian Einzinger von Einzing.
Eingemeindet wurden vor allem drei Mühlen zwischen Sendling und der Isar (Brudermühle, Papiermühle, Schwalbensteinermühle), ausgegrenzt blieben jedoch Grundstücke des kurfürstlichen Hofs und der Hofämter, die Grundflächen der barocken Wallbefestigung und das Jagdgebiet des Kurfürsten, die Hirschau.
Die Bestrebungen der Stadt, den rasch wachsenden Vorort Au auf der anderen Isarseite in ihre Verfügungsgewalt zu bekommen, waren nicht erfolgreich.
Erst hundert Jahre später (1835/36) erfolgten die nächsten kleineren Erweiterungen. Eine umfassendere Vermarkung mit insgesamt 323 Grenzsteinen geschah noch einmal 1861/62. Die rapide Ausdehnung des Stadtgebiets in den folgenden Jahrzehnten wurde nur mit einfachen Grenzsteinen markiert.
Von den Burgfriedenssäulen, die im Plan von Paur angegeben sind, haben sich noch drei im Stadtgebiet erhalten: Nr. 13 im Englischen Garten westlich des Monopteros (Jahreszahl 1724), Nr. 3 auf der Theresienhöhe, südlich der Hans-Fischer-Straße und Nr. 9 mit der Jahreszahl 1460 am Elisabethplatz, ursprünglich etwas weiter stadtauswärts am sogen. Türkengraben gelegen.