Justizpalast

Straße / Hausnr. Prielmayerstraße
Stadtteil 2. Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt – Ludwigsvorstadt
Personen Thiersch Friedrich von

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Der Justizpalst in München Informationen zur Geschichte eins Bauwerks

Der Justizpalast am Karlsplatz ist kunsthistorisch einer der reifsten Bauten des ausgehenden  His torismus und zählt trotz seiner starken Beschadi gungen   während   des   zweiten  Weitkrieges   auch heute noch zu den architektonischen Perlen unier den öffentlichen Gebäuden in München.

Neben dem Bayerischen Nationalmuseum in dei Prinzregentenstraße ist er das wichtigste öffentli ehe Bauvorhaben aus der Amtszeit des Prin/re genten Luitpold (1821-1912) und gilt als bedeu tendste Leistung der deutschen Justizarchiteklui im 19. Jahrhundert.

Baugeschichte

Nach eirier langwierigen Standortsuche wurde im Jahre 1886 mit dem nach Herzog Clemens Fran/ de Paula benannten Herzoggarten vor dem Karlstor ein idealer Bauplatz für das neue Justizgebäude gefunden.
Die Lage zwischen Hauptbahnhof und Karlsplat/ war zentral.  An der Nordseite grenzte der Bau platz  an   den   Botanischen   Garten   mit  dem   im Jahre 1854 fertiggestellten Glaspalast von August von Voit.
Dementsprechend wurde auch die Nordfassade im Hinblick auf die erwartete städtebauliche Ent­wicklung als Hauptfassade konzipiert. Am 16. Februar 1887 beauftragte Prinzregent Luitpold Friedrich von Thiersch (1852-1921) .mit dem Bau des Justizgebäudes.

Thiersch war Professor an der Königlich Technischen Hochschule in München und als Garant für einen anspruchsvollen und künstlerisch hochwertigen Bau ausgewählt worden. Prinzregent Luitpold selbst hatte sich für Thiersch eingesetzt.

Im Frühjahr 1891 wurde mit dem Aushub der Baugru­be begonnen und bereits im Dezember 1894 konnte auf dem Scheitel der Kuppel das Richtfest stattfin­den. Am 10. Mai 1897 fand schließlich die feierliche Einweihung durch Prinzregent Luitpold und Justiz­minister von Leonrod statt.

Das Raumprogramm

Der Justizpalast war ursprünglich für nahezu die gesamte Münchner Justiz konzipieit, nämlich ein Amtsgericht, zwei Landgerichte um! cm Oberlan­desgericht, sowie das Justizministerium, als obers­te Justizverwaltungsbehörde.

Bereits wenige Jahre nach der Fertigstellung wurde dem gestiegenen Raumbedarf mit dem angrenzenden und 1905 fertiggestelltem Bau des „Neuen Justiz­gebäudes" als Sitz des Oberlandesgerichts München Rechnung getragen.

Seit dem Bezug des neuen Strafjustizzentrums in der Naymphenburger Straße Ende der 70er Jahre finden im Justizpalast numehr auch keine Strafprozesse mehr statt.

Heute beherbergt das Haus nur noch das Bayerische Staasministerium der Justiz und Teile des Landgerichts München I.

Der Bau

Der Justitzpalast wurde im Stil des Neubarock, dem repräsentativen Haustil der damaligen Zeit, errichtet. Er ist 138 Meter lang und hat eine Tiefe von 80 Metern.

Mittelpunkt der um /wei Innenhofe konzipierten Anlage ist die mit 19 m x 29 m groß/ügig ange­legte Zentralhalle mit der Lichtkuppel, in einer zur Erbauungszeit modernen Eisen- und Glas­konstruktion.

Die Kuppel dient hierbei als städtebaulicher Akzent mit Fernwirkung und betont zudem die unter ihr befindliche Zentralhalle nach außen. Die große Halle, die als „Salle des Pas Perdus" oder Wandelhalle bezeichnet wird, fehlt in keinem Justizpalast dieser Zeit und hatte stets repräsenta­tiven Charakter.

Die vier Fassaden des freistehenden Baus sind unterschiedlich ausgeprägt, haben jedoch Ge­meinsamkeiten im Aufbau. So ist über einem niedrigen Granitsockel, der dem Unterbau ent­spricht, das Erdgeschoss als Sockelgeschoss mit Rustica gestaltet und durch ein Gesims abge­setzt. Die drei oberen Geschosse werden durch eine Kolossalordnung von Pilastern bzw. Säulen an den Mittel- und Eckrisaliten zusammen gefasst. Das Fassadenhauptgesims in 23 Metern Höhe bildet hierzu den architektonischen Abschluss.

Eine vergoldete Kugel mit einem Durchmesser von ca. 1,0 Meter bildet in 66 Metern Höhe den Abschluss auf der Kuppellaterne.

An Haustein wurden rund 7450 cbm Kalkstein, 770 cbm Granit und 520 cbm Sandstein auc bayerischen Steinbrüchen verbaut.

Fassadenschmuck und innere Ausstattung

Während der bauplastische Schmuck an den Fas­saden, zum Beispiel die Figurengruppe der Justitia, flankiert von Unschuld und Laster, am Süd­giebel, weitestgehend erhalten werden konnte, sind von der inneren Ausstattung durch die Kriegszerstörungen nur mehr Bruchstücke vor­handen. Die reichen Stuckaturen in den Gewöl­ben, die Vergoldungen und Puttengruppen in der Halle sowie die Holzvertäfelungen und Malereien in den Sälen wurden bei den Luftangriffen im De­zember 1944 und Januar 1945 fast vollständig zerstört.

Allein die nach einem Entwurf von Professor von Rümann in der königlichen Erzgießerei von Franz von Miller gegossene überlebensgroße Figur des Prinzre­genten auf der Brüstung des ersten Stockwer­kes konnte gerettet werden. Sie wurde gegen Ende des zweiten Weltkrieges entfernt. Ursprünglich sollte die Statue eingeschmolzen werden. Nach wechselhafter Geschichte kehrte sie 1955 wieder an ihren angestammten Platz zurück.
 
Bayerisches Staatsministerium der Justiz Prielrnayerstraße 7, 80335 München http://www.justiz.bayern.de
Staatliches Hochbauamt München l (Text zum Teil entnommen aus „100 Jahre Justizpalast München", Mai 1997)
Bayerisches Staatsministerium der Justiz
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Bayerisches Staatsministerium der Justiz,
München September 2002

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