Mariensäule
| Straße / Hausnr. | Marienplatz |
|---|---|
| Stadtteil | 1. Altstadt-Lehel – Altstadt |
Kurfürst Maximilian gelobte ein gottgefälliges Werk zu tun, wenn die Städte München und Landshut im Dreißigjährigen Krieg verschont würden. Die Mariensäule wurde dann 1638 errichtet. Die Madonna wurde von Hubert Gerhard geschaffen und war ursprünglich für das Grabmahl von Wilhelm V. bestimmt.
Am Sockel der Säule befinden sich vier Putti, diese symbolisieren
- Drache - Hunger
- Baselisk - Pest
- Schlange - Unglaube (Protestanten)
- Löwe - Krieg
1854 wurde der ehemalige Schrannenplatz (Gedreidemarkt) nach der Mariensäule Marienplatz genannt.
Volltext / Weitere Informationen
Vorbild - Säule im Forum Romanum (Ehrensäule, Monumentalsäue als Vorbild)
Psalm 91:13 - Über Drachen und Löwen wirst du steigen
Programm des ehemaligen Deckengemälde des sechsten Steinzimmers in der Residenz
- Eccelesia Militans - zertritt die bösen Tiere
- Schlange - Veritate Judaeos - Wahrheitsliebe bedrängt die Juden
- Löwe - Patientia Paganos - Geduld siegt über Heiden
- Drache - Vigilantia Haereticos - Wachsamkeit unterwirft die Häretiker
- Baselisik - Lehrautorität zertritt die Schismatiker
Demonstration der Macht - Maria hat geholfen
Bereits zwanzig Jahre vor der errichtung der Mariensäue
Anstelle der Laternen standen früher Mariensymbole
- Sonne
- Mond
- Stern
- makellose Spiegel
Maria als Kaiserin (höherrangige Krone)
Säulenfuss - geflügelte Engelsköpfe (Cherubine - erscheinen nur bei der Anwesentheit der Herrlichkeit Gottes (Maria und Sohn)
7. Nov. 1638 - Segnungsakt der Mariensäule (benifiziert)
Kurfürst Maximilian hatte Absicht einen Kultort zu errichten
In der Krone befinden sich hochrangige Reliquien (Dorn aus Maria Einsiedel
Wilfried Stroh Die Münchner Mariensäule und ihr Dichter Balde
(Lyr. 2, 26) 1)
Am 7. November 1638 schenkte der marienfromme 2 ) und musengebildete Kurfürst Maximilian I. seinem geliebten Land Bayern und der Stadt München ihr Zentrum (das bis heute Zentralpunkt auch der Landvermessung ist): das erhöhte Bild der Gottesmutter auf dem Schrannenplatz, später dann (seit 1854) nach seiner neuen Patronin „Marienplatz“ genannt.3) Trotz schwerer „Leibesindisposition“, wie es heißt, war Fürstbischof Veit Adam aus Freising, der urbs devotis-sima, herbeigeeilt, um selber inmitten von Adel und Geistlichkeit, Rat und Volk der Stadt die Benediktion vorzunehmen. Und kein Geringerer als der wohl berühmteste Dichter Deutschlands in seinem Jahrhundert, der Jesuitenpater und damals Gymnasiallehrer Jacobus Balde, hat dem Ereignis eine große Ode in Stil und Versmaß des römi-schen Lyrikers Horaz gewidmet: Sie sollte später, als 26. Gedicht, die zweite Hälfte seines in besonderer Weise Maria gewidmeten 149n 1643) einleiten.4)
Als Balde diese Ode zur Einweihung der Mariensäule schrieb, war seine Phantasie durch manche Vorgaben gebundener als sonst ge-wöhnlich. Die Errichtung der Säule geht zurück auf ein Gelöbnis des Kurfürsten Maximilian I., das dieser während des Schwedeneinfalls in München 5) getan hatte. Er selbst war damals fern gewesen von der Stadt, in die Gustav Adolf am 17. Mai 1632 durch das Isartor seinen prachtvollen Einzug hielt: 300000 Reichstaler als Ersatz für Brandschatzung waren dem Schwedenkönig zugesagt worden, damit er München vor der Zerstörung bewahrte; hatte es ja doch zunächst geheißen, daß er Rache nehmen wolle für Magdeburg, das am 20. Mai 1631 niedergebrannt worden war. Als der König am 7. Juni wieder abzog mit seinem Heer, fehlte an der Summe trotz aller Requisitionen, vor allem auch in Privathaushalten, noch gut die Hälfte: zweiundvierzig vornehme Geiseln mußten mit den Schweden mitgehen, um für die ordnungsgemäße Abzahlung zu bürgen.
In dieser Zeit also tat Kurfürst Maximilian das Gelübde, ein (zunächst noch unbestimmtes) gottgefälliges Werk zu vollbringen, wenn ihm seine Städte München und Landshut erhalten blieben.6) Als er im Mai 1635 – inzwischen war München auch von der Pest empfindlich heimgesucht worden – dann aus seinem Hoflager in Braunau am Inn zurückgekehrt war, wurde die Einlösung des Versprechens sogleich in Angriff genommen. Schon am 14. September ist in einem Schreiben davon die Rede, der Kurfürst wolle neben anderen frommen Dingen „ein monumentum auff platz allhier in loco conspicuo auffrichten lassen.“7) Daß dieses monumentum gerade eine Säule mit Marienstatue sein sollte,8) scheint – nach dessen handschriftlicher Notiz von 1636 – auf eine Anregung des Hofkammerpräsidenten Mändl zurückzugehen. So besteht also wohl kein Anlaß, Balde selbst, wie Walter Brugger wollte, zum ‚geistigen Vater‘9) der Mariensäule zu ma-chen: Balde kam ja auch erst im Oktober 1637 als Rhetoriklehrer aus Ingolstadt nach München.10) Im übrigen hat Brugger sehr anschaulich das geistige Konzept einer Mariensäule aus Italien hergeleitet (wohin Maximilian schon als Erbprinz gereist war):11) Unmittelbares Vorbild scheint, wie man früher schon wußte, die Mariensäule von S. Maria Maggiore in Rom (errichtet 1614 durch Papst Paul V.) gewesen zu sein;12) dahinter aber stehen die Säulen der heidnischen Kaiser Traian und Marc Aurel, auf die man schon im 16. Jahrhundert die Statuen der Apostel Petrus und Paulus gesetzt hatte. So wurde gerade die christlich gekrönte Säule zu einem Sinnbild der Christianisierung antiker Kultur, ein Verfahren, fast analog zu dem, wie es die Jesuiten gern anwandten, wenn sie Versbrocken, ja mitunter ganze Verse heidnischer Dichter – nicht etwa plagiierten (denn die übernahme sollte ja kenntlich sein), sondern in christlichen Zusammenhang gewissermaßen neu einmontierten.13)
Immerhin könnte Brugger auch damit recht haben, daß es der Initiative Balde zu verdanken war, wenn Ende 1637 mit dem Unternehmen der Mariensäule endlich Ernst gemacht wurde. Das Münchner Stadtarchiv bewahrt als erste Nummer des Bündels von Quellen zur Mariensäule 14) noch den prächtig geschriebenen Brief, in dem der Kurfürst, ohne erst viel nachzufragen, am 12. Dezember dem Bürgermeister und Rat der Stadt mitteilte, daß er, da der Herrgott auf Fürbitten Mariens die Stadt München „von Prandt vnnd anderem feindlichen Verderben“ bewahrt habe, „ein offentliches Monumentum von einer Säulen, vnd darauf stehenden, vnser lieben Frauen Bildtnus mitten deß Plaz aufrichten“ wolle und gleich auch „konnftigen Montag darmit einen würcklichen anfanng machen“ zu lassen vorhabe.
Dann aber war es ohne Zweifel Balde, der – was sonderbarerweise nie ausgesprochen oder gesehen worden zu sein scheint 15) – die Inschrift für das Säulenpostament zu entwerfen hatte, die wir auch heute wieder, nachdem sie lange Zeit getilgt war, seit Vollendung des U-Bahn-Baus im Jahre 1970, suo loco lesen können. Nicht allein, daß Balde der gewandteste Stilist des Landes war; schon die Tatsache, daß er eben diese Inschrift seiner Mariensäulen-Ode gleichsam als überschrift 16) beigab, beweist seine Verfasserschaft wohl zur Genüge. Sie lautete (nach Baldes Textgestaltung im Drucktext) auf der Ostseite:
VIRGINI DEIPARAE BOICAE 17)
DOMINAE BENIGNISSIMAE
PROTECTRICI POTENTISSIMAE
OB PATRIAM VRBES EXERCITVS
SEIPSVM DOMVM ET SPES SVAS
SERVATA
mit Fortsetzung auf der Westseite:
AD POSTEROS MONVMENTVM
MAXIMILIANVS
COM. PAL. RHENI VTR. BAV. DVX
S. R. IMP. ARCHIDAP. ET ELECTOR
CLIENTVM INFIMVS
GRATVS SVPPLEXQUE P.
MDCXXXIIX VII IDVS NOVEMB.
Das heißt: ‚Dem gütigsten Gott, der jungfräulichen Gottesmutter, Bayerns gütigster Herrin und mächtigster Beschützerin, hat für die Bewahrung des Vaterlandes, der Städte, der Heere, seiner selbst und seiner Hoffnungen 18) dies bei den Nachkommen bleibende Denkmal dankbar und kniefällig errichtet Maximilian, Pfalzgraf vom Rhein, Herzog beider Bayern, des Heiligen Römischen Reiches Erztruchseß und Kurfürst, der niederste unter ihren Schutzbefohlenen. Am 7. November 1638.‘ Dieser ausgerechnet von Balde, dem heute auch bei den Münchnern fast Vergessenen, 19) stammende Weihetext steht also im eigentlichen Herzen von München und Bayern!
Wie die Inschrift angibt, war die Einweihung auf Sonntag, den 7. November 1638 gelegt worden, den ersten Sonntag nach Allerheiligen, an welchem jährlich auch die sogenannte Prager Prozession, d. h. die Erinnerung an den Sieg in der Schlacht am Weißen Berg, stattfand. Eine akkurate Federzeichnung der Staatlichen Graphischen Sammlung 20) gibt deutliche Anschauung von der Feierlichkeit. Für die Geistlichkeit und (offenbar) den Hof sind östlich und westlich der Säule große Zelte errichtet – Balde spricht am Ein-gang seiner Ode von drohendem Regen –; auf einer überdachten Tribüne im Norden des Platzes scheinen vor allem die Musiker versammelt. Vor dem östlichen Zelt stehend, der Mutter Gottes also ins Auge blickend, leitet Fürstbischof Veit Adam die Einsegnung.
Einen schriftlichen Bericht über deren Verlauf gibt offenbar erst der Domprediger P. Joseph Mayr in seiner zum hundertsten Jahrestag der Weihung (1738) gehaltenen und sogleich auch gedruckten Festpredigt. 21) Demnach sei „Maximilianus, von dem gantzen Hof, ge-samten Adel, allen Land-Staenden umgeben“, auf dem Marktplatz vom Fürstbischof und der Geistlichkeit empfangen worden. Nach der Einsegnung der Säule habe ihm der Kurfürst ein silbernes „Gestättelein“, eine Kapsel mit diversen Reliquien, übergeben, „damit er selbes in das Haupt der Statuen Mariae unter der Cron legte“.22) Maximilian, berichtet Pater Mayr, ließ sich nun „selber nider auf seine Knye, und mit erhebter Stimme redete Er, was wir noch heunt zu Tag in Marmor eingehauen bey diser Saulen lesen koennen“, nämlich den Text der oben ausgeschriebenen Inschrift.23) Wir werden sehen, daß Baldes Ode auch hierauf anzuspielen scheint.
Die Ode also (Lyr. 2, 26) – 1643 in den Lyrica, 1648 in den Odae Partheniae veröffentlicht – ist im alcäischen Versmaß geschrieben, das schon bei Horaz beliebt war, und ungewöhnlich luzid, ja symmetrisch in 3+6+6+3 Strophen gegliedert. Die einleitenden drei Strophen geben vor allem eine Art Zusammenfassung des Verdienstes, das sich Maria um die Stadt erworben hat. Der erste Hauptabschnitt (von sechs Strophen) führt dann zurück in die Zeit der Bedrohung Münchens; die folgenden sechs Strophen feiern die hilfreiche und in ihrem Standbild gegenwärtige Mutter Gottes. Ein Epilog (wiederum in drei Strophen) gibt einen Ausblick in die Zukunft.