St. Michael

Straße / Hausnr. Neuhauser Straße
Stadtteil 1. Altstadt-Lehel – Altstadt

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Herrscherfiguren an der Fassade

Der Anspruch Wilhelm V., Glauben und Bildung zu stärken, wird im Programm der Fassade deutlich. Die Verwendung antiker Architekturelemente sollte die humanistische Bildung des Herrschers zeigen. Wilhelm V. hatte für das Figurenprogramm Herrscher ausgewählt, die sich In seinen Augen für die Sache Gottes entschieden und Kirche und Reich treu gedient hatten. In dieser Tradition sah er sich verpflichtet. Zuoberst findet sich als Weltenherrscher Christus, dem der Dienst der Engel und menschlichen Herrscher gilt
Die Spruchbänder an den Gesimsen weisen Wilhelm V. als Schutzherrn und Stifter aus: „DEO OPT.MAX.SAC. / IN MEMORIAM D. MICHAELIS ARCHANGELI DEDICARI CURA-VIT / GUILELMUS V. COMES PALATINUS RHENI UTRIUSQUE BAVARIAE DUX PATRONUS ET FUNDATOR" („Gott, dem erhabensten und höchsten Herrn, ließ dieses Heiligtum zum Andenken an den hl. Erzengel Michael Wilhelm V-, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Ober und Niederbayern, als Schutzherr und Stifter weihen")

1 Satvator mundi

Christus als Reiter der Welt mit der Wettenkugel unter dem Kreuz und segnend erhobener Hand. Höher als die weltlichen Standbilder steht deren Lenker und verleiht Gnade und Frieden.


2 Otto, 4 Theodo, 3 Theodovalda

Drei legendäre bayensche Landesfürsten und Ahnherren der Witteisbacher eröffnen die Reihe der weltlichen Herrscherfiguren Die drei Brüder aus dem Hause der Agilolfinger nahmen nach Darstellung des Geschichtsschreibers Aventinus (Johann Thurmair, 1477-1534) erstmals den christlichen Glauben an. Wirklich gelebt hat von ihnen vermutlich nur Theodo. Die Figuren entstanden durch Umgestaltung antiker Imperatorenstandbilder aus dem Antiquanum der Residenz (erkennbar u. a. an den nackten Knien im Gegensatz zum Harnisch der meisten anderen Figuren).

5 Tassilo I. (um 600)

Diese Figur steifte wohl ebenfalls einen römischen Imperator dar (Prunkpanzer, nackte Knie), bevor sie als Tassilo Verwendung fand. Tassilo I. (nicht zu verwechseln mit Tassilo III, dem Gegner Karls des Großen) wurde vom Frankenkönig Childebert 592 in Bayern als König eingesetzt, um das Land gegen die Slawen und Awaren zu verteidigen. Er stiftete das erste „Closter m Baiern und ganzen Teuschland" (Aventinus).

6 Herzog Otto I. von Wittelsbach (1180-1183)

Auch diese Figur zeigt Merkmale eines antiken Kaisers (Lorbeerkranz, Riemenpanzer, nackte Knie): durch das Ornament auf dem Schild wurde sie zum Witteisbacher umgedeutet. Otto, der Fahnenträger, Freund und Berater Friednch Barbarossas, hatte diesem in der Veroneser Klause das Leben gerettet und erhielt für seine Dienste Bayern als Lehen. Mit ihm beginnt die Reihe der Wittelebacher Herzöge in Bayern.

7 Karl der Große (768-814)

Zu den kaiserlichen Attributen gehören Reichsapfel. Reichsschwert und ein Adler. Die Figur war vermutlich auf Nahsicht für das Antiquanum gearbeitet; sie ist besonders reich mit Einzelheilen ausgeschmückt: Verzierungen des Harnischs, ein Brustkreuz, Frösche auf dem Schild, usw. Kart der Große galt als Vorläufer der Witteisbacher und größter Herrscher Bayerns.

8 König Christoph III. von Dänemark (1439-1448)

Als Pendant zu Karl dem Großen steht dieser Witteisbacher-König ebenfalls an hervorgehobener Stelle in der Mitte. Regentenstab und Krone zeigen seinen Rang. Auf dem Boden liegt ein Helm mrt einem Busch von Straußenfedern. Christoph III. - aus einer pfälzischen Nebenlinie der Witteisbacher. die mit diesem Herrscher erlosch - wurde aufgrund seiner Abstammung mütterlicherseits König von Dänemark, Schweden und Norwegen.

9 Herzog Albrecht IV - der Weise (1465-1508)

Albrecht IV gehört zu den Fürsten, für die Wilhelm eine neue Statue schaffen ließ. Er war ein trefflicher Verwalter des Staates, ließ Straßen bauen, förderte den Handel und zog auch die Geistlichkeit zum Tragen der weltlichen Lasten heran. Albrecht IV. unterstützte die klösterliche Reformbewegung und galt als besonderer Freund der Bildung.

10 Ruprecht III. von der Pfalz, Kurfürst und König (1398-1410)

Der kraftvolle Herrscher blickt mit energischem Ausdruck in die Ferne, seinen Fuß auf den Rucken eines mächtigen Löwen gesetzt. Der Kurfürst von der Pfalz wurde 1400 als Gegenkönig von König Wenzel gewählt. In einer wirren Zeit setzte er sich nachdrücklich für Ordnung m Staat und Kirche ein

11 Kaiser Maximilian l. (1493-1519)

Der „letzte Ritter auf dem Kaiserthron trägt als Insignien Krone, Reichsapfel und Reichsschwert sowie auf der Brust den Orden vom Goldenen Vlies. Vermutlich wirkte das mit Fürstenstandbil-dern geschmückte Innsbnjcker Grabmal Maximilians anregend für das Fassadenprogramm von St. Michael.

12 Kaiser Ludwig IV. - der Bayer (1314-1347)

Diese eindrucksvolle Gestalt zeigt sich mit Prunkharnisch, Kronreif, Reichsapfel, Reichsschwert und Schild (mit Doppeladler); zu ihren Füßen umarmt ein Kind einen Löwen. Als dntter Witteisbacher neben den beiden mittleren Figuren dieser Reihe ist Kaiser Ludwig IV. wohl als Gegengewicht zu den drei habsburgischen Kaisern in dieser Reihe aufgestellt. Acht Jahre seiner Regierungszeit nahm der Kampf Ludwigs gegen Harjsburg in Anspruch. Bemerkenswert ist, dass der im Kirchenbann gestorbene Herrscher in die Fassade von St. Michael aufgenommen wurde.

13 Herzog Albrecht V. - der Katholische (1528-1579)

Der Kirchenstifter Wilhelm V. und sein Vater Albrecht V. stehen an hervorgehobener Stelle neben dem Mittelfenster der Fassade. Durch Blickrichtung und Bewegung sind die beiden Figuren aufeinander bezogen. Wilhelm gab seinem Vater wegen seiner Verdienste um die Kirche den Beinamen „der Katholische" und wies ihm den Ehrenplatz zur Rechten des Fensters zu. Nachdem schon Wilhelm IV. die ersten Jesuiten nach Ingolstadt holte, gründete Albrecht V. das Ingolstädter Jesuitenkolleg und berief den Orden nach München.

14 Herzog Wilhelm V. - der Fromme (1579-1597)

Der bayerische Herzog, an betonter Stelle neben dem Mittelfenster postiert, stutzt sich auf das Modell von St. Michael (mit Turm), das ihn als Stifter dieses Bauwerks kennzeichnet. Der Orden vom Goldenen Vlies weist auf seine Verdienste um die Kirche hin. In der Linken hält Wilhelm den Regentenstab, in Gegenbewegung zur Haltung seines Vaters jenseits des Mittelfensters. Seine Hand hat er schützend um den Giebel gelegt.

15 Kaiser Karl V. (1519-1556)

Der Herrscher präsentiert sich mit Krone, Lilienzepter und Orden vom Goldenen Vlies. Den rechten Fuß setzt er auf eine Kugel, Zeichen seiner weltumspannenden Regierung. Karl V, in dessen Reich „die Sonne nicht unterging", galt als mächtigster Kaiser nach Karl dem Großen wie auch als Schutzherr der Kirche. In der Zeit der Reformation blieb er dem alten Glauben verbunden.

16 Kaiser Ferdinand l. - der Fromme (1556-1564)

Der Kaiser, Bruder und Nachfolger Karls V. nach dessen Abdankung, ist mit Krone und Orden vom Goldenen Vlies dargestellt, die Linke auf den Reichsapfel gestützt. Wilhelm V. nannte diesen Herrscher „pius". Unter Ferdinand wurden die ersten Jesuitenkollegien in Deutschland gegründet.

17 Erzengel St. Michael als Patron der Kirche

Der Erzengel Michael als Bezwinger des Teufels beherrscht die Fassade. Hubert Gerhard schuf um 1588 diese Bronzeplastik.
 

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