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Podcast

Frauenkirche - Der Erbbauer

Reihe: So lang der alte Peter...

Staffel 2 · Folge 1 · Dauer: 05:40

Frauenkirche - Der Erbbauer

Schlagworte: Frauenkirche

Die Frauenkirche München entstand ab 1468 durch Bürger und Fürsten. Sigismund von Bayern legte den Grundstein; Baumeister Jörg von Halspach vollendete das Werk. Später erhielten die Türme ihre charakteristischen „welschen Hauben“.

Die Erbauer. Vordem, als unser München noch klein war, stand an Stelle des heutigen Domes das bescheidene Liebfrauenkirchlein – nächst der Wie-Kapelle bei St. Peter das älteste Gotteshaus der Stadt. Trotzdem es im 13. Jahrhundert erweitert worden war, bot es der Menge der Andächtigen nicht Raum. Da soll es sich begeben haben, dass einstmals ein blinder Feuerlärm auskam; und im Gedränge der Erschrockenen, die eilends den Ausgang gewinnen wollten, eine der schönsten Münchner Jungfrauen zu Tode gedrückt ward. Das bekümmerte das milde Herz des Herzogs Sigmund, dem zweitgeborenen Sohn Albrechts des Dritten. Der lebte still und friedsam auf seinen Schlössern zu Dachau, Menzing und Nannhofen. Die Chronik meldet über ihn: „Ihm war wohl mit schönen Frauen und mit weißen Tauben, Pfauen, Meerschweinchen, Vögeln und allerlei seltsamen Tierlein, auch mit Singen und Saitenspiel.“ Derselbige Herzog soll in jungen Jahren von großer Liebe für eine bürgerliche Jungfrau erfüllt gewesen sein – wie einst sein Vater für die Bernauerin. Er soll auf jeden fürstlichen Anspruch, der ihm nach seines ältesten Bruders Tod zustand, verzichtet haben, um sie freien zu können. Die Maid aber hatte einem Anderen die Hand gereicht; und der Herzog ist Zeit seines Lebens unvermählt geblieben. Diese anmutigen Sagen knüpfen sich an die Überlieferung, nach der Herzog Sigmund der Erbauer des Domes gewesen wäre. Dies konnte er jedoch nicht sein, schon im Hinblick auf den Stand seines Vermögens. Da er aber eine große Andacht zu der reinsten Frau im Himmelreich hegte, befürwortete er eifrig das fromme Werk. Er legte, vermutlich in Vertretung seines Hauses, mit eigener Hand den Grundstein des neuen Baues – am neunten Februar 1468. Oder, wie man damals sagte: „acht Tag nach unser Lieben Frauen Tag zu Lichtmess.“ In der Hauptsache aber ward das Münster durch Bürgerschaft und Geistlichkeit erbaut. Als mit dem Abbruch der bisherigen Kirche begonnen ward, halfen Reich und Arm, Edle und Geringe in frommer Demut, den Schutt hinwegzuräumen. Zum Bauführer ward der Maurermeister Jörg Ganghofer von Halsbach erkoren – ein Mann, so tüchtig wie bescheiden. Er unternahm Studienfahrten zu berühmten Dombauten und holte sich Rat bei anderen wackeren Meistern aus Regensburg, Eichstätt, Ulm und Ingolstadt. Bald wurde Rat für den Dachstuhl nötig. Der Zimmermeister Heimeran von Straubing vollbrachte das kunstreiche Werk, wofür ein halber Wald geschlagen werden musste. Doch bald fehlte es an Mitteln. Der starke Herzog Christoph, Sigmunds Bruder, soll ausgerufen haben: „Recht hat er, der Herr Bruder, aber mit dem Geld wird’s was haben!“ Erst eine Ablassbulle vom Papst Sixtus dem Vierten im Jahre 1479 schaffte die Mittel, dass das Innere ausgebaut und der Turmbau begonnen werden konnte. Wenige Wochen nach der Vollendung, im Jahre 1488, starb der Meister Jörg und ward als Erster in seinem Werk begraben. Auf seinem Grabstein steht geschrieben: „Anno Domini 1488, an Montag nach Sankt Michelstag, starb Meister Jörg von Halsbach, Maurer dieses Gotteshauses unserer Lieben Frauen, der mit der Hilfe Gottes und seiner Hand den ersten, den mittleren und den lösten Stein hat vollgeführt an diesem Bau. Der liegt hier begraben. Dem Gott gnädig sei.“ Ein Gemälde in der Kirche zeigt auch den wackeren Zimmermeister Heimeran. Er hinterließ ein Rätsel: Nachdem er das riesige Dachgerüst vollendet hatte, nahm er einen Balken heraus und legte ihn auf den Boden. Er sagte: „Nun solle einer kommen und mir sagen, wo dieser Balken fehle oder hingehöre.“ Bis heute ist dieser „ledige Balken“ auf dem Dachboden der Kirche zu sehen – und noch niemand hat herausgefunden, wo er im Gebälk abgeht. Am südlichen Kirchtor hat Herzog Sigmund seinen eigenen Denkstein setzen lassen. Er ist dort kniend vor der Himmelskönigin zu sehen. Die beiden Türme erhielten ihre berühmten „welschen Hauben“ wohl erst nach 1524. Sie passen vielleicht nicht zum ursprünglichen Stil, doch kein Münchner möchte sie missen. Kurfürst Max der Dritte Joseph nannte sie zärtlich seine „lieben zwei Spargel“, und der Volkswitz taufte sie gelegentlich sogar „Maßkrüge“. Doch wer München kennt und liebt, dem schlägt das Herz hoch, wenn er von irgendwoher kommend am Horizont das Wahrzeichen der Stadt erblickt: die Frauentürm’. Sie hörten eine Lesung aus „So lang der alte Peter“, dem Alt-Münchner Stadtbuch von Helene Raff aus dem Jahre 1923 Aus dem Kapitel „Geschichtliches und Sagenhaftes vom Münchner Dom“ Gesprochen für den Podcast Stadtgeschichte München Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat, abonnieren Sie unseren Podcast und begleiten Sie uns weiter durch die Geschichte unserer Stadt.


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