Marienplatz - Die große Christoffel am Eiermark
Reihe: So lang der alte Peter...
Staffel 2 · Folge 13 · Dauer: 03:35
Schlagworte: Onuphrius, Eiermarkt
Der große Christoffel am Eiermarkt. Bevor die alten Häuser an der Südseite des Marienplatzes niedergelegt wurden, hieß das Haus Nummer 19 allgemein: „Zum großen Christoffel am Eiermarkt." Ein riesiger nackter Mann war darauf abgebildet, um die Lenden mit Baumzweigen gegürtet, auf dem Kopf eine Krone... in der rechten Hand ein Doppelkreuz und in der linken einen Knotenstock tragend. Die Münchner Sage erzählt: Das sei der heilige Christoph, der einst in eben solcher Größe nach München gekommen und über die Talbrücke in die Stadt eingewandert sei. Noch viel später, im Jahre 1659, sollte er bei einem großen Brand in der Burggasse erschienen sein und Wasser in die Flammen gegossen haben, bis die Feuersbrunst erlosch. In München bestand der Glaube, daß, wer des Heiligen Bildnis geschaut habe, am selben Tage nicht jähen Todes sterben werde. Doch das Bild am Eiermarkt... war gar nicht das des heiligen Christoph. Es war das Bild des heiligen Onuphrius. Von ihm weiß die Legende folgendes zu melden: Es war einmal in uralten Zeiten ein König in Persien, der war von finsteren Grillen geplagt und hielt sein Ehegemahl für untreu. Als sie nun mit einem Kinde ging, gebot er in falscher Eifersucht, es sollte gleich nach der Geburt ins Feuer geworfen werden. Doch das Feuer erlosch, sobald das Kind es berührte... und also ward die Unschuld der Königin offenbar. Dem König erschien ein Engel Gottes und gebot ihm, sein Söhnlein nach Ägyptenland zu senden, in das Kloster Hereti. Das Söhnlein, das Onuphrius genannt war, erwuchs in großer Tugend. Da er aber zu seinen Jahren gekommen, ging er in eine wilde Wüste, um dort als Einsiedler zu leben. Sechzig Jahre brachte er im Gebet zu und sah keinen Menschen in all der Zeit. Seine Haare und sein Bart wuchsen so völlig, daß sie ihm bis zu den Füßen reichten und seinen Leib wie ein Kleid bedeckten. Als Sankt Onuphrius schließlich starb, flog seine Seele als weiße Taube gen Himmel, geleitet vom ganzen himmlischen Heer. Seinen Leichnam aber... begruben zwei Löwen. Viele hundert Jahre später kam Herzog Heinrich der Löwe auf seiner Pilgerfahrt ins heilige Land auch nach Ägypten. Er erwählte Onuphrius zu seinem besonderen Schutzpatron. In einem Walde dortzuland traf der Herzog einen Löwen an, der im Kampfe mit einem feuerspeienden Drachen war. Der Herzog mit seinem guten Schwert erschlug den Drachen... worauf der gerettete Löwe ihm wie ein Hündlein dankbar folgte, über Meer und Land in die Heimat. Davon erhielt Herzog Heinrich den Beinamen „der Löwe“. Als nun Herr Heinrich in München einzog, das er zur Salzstätte und einer Stadt gemacht, da wurde ihm das Bildnis und die Reliquie des Heiligen vorangetragen. Daher entstand die Mär, als sei der Heilige selbst, so wie er am Markt abgebildet war, in die Stadt gezogen. Das Bildnis des Heiligen ließ er an der alten Burg anbringen. An Stelle der Burg erhob sich später ein Bürgerhaus; das gehörte im 15. Jahrhundert einem frommen Münchner zu, der Heinrich Pirmat hieß. Der tat, wie sein herzoglicher Namensbruder, die Fahrt ins heilige Land; und zum Dank, daß Gott ihm glückliche Heimkehr geschenkt hatte, ließ er an seinem Hause den großen heiligen Onuphrius anmalen. Eine Kopie des Bildes befindet sich noch heute im bayerischen Nationalmuseum.