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Podcast

Blatt 17 - Das verschwundene Franziskaner-Kloster am Max-Joseph-Platz

Reihe: Regnet - München in guter alter Zeit

Staffel 5 · Folge 117 · Dauer: 05:05

Blatt 17 - Das verschwundene Franziskaner-Kloster am Max-Joseph-Platz

Die nach einer Zeichnung von Quaglio dem Jüngeren frei bearbeitete Kupferbeilage stellt das Franziskaner-Kloster-Gebäude vor, wie selbes vor seiner Aufhebung und Abbrechung von Außen sich dargestellt hat.

Bereits im Jahre 1222 wurden die minderen Brüder des heiligen Franziskus von Herzog Ludwig dem Strengen nach München berufen. Im Jahre 1282 wurden selbe neben den Alten Hof – zu der uralten Kapelle der heiligen Agnes – von Kaiser Ludwig dem Baier versetzt. Den 14. Februar 1327 brannte bei der großen Feuersbrunst auch das Kloster mit ab, wurde aber im Jahre 1330 von den Stadtpatriziern Gabriel und Vinzent Riedler wiedererbaut, wozu selbe sechshundert Gulden hergeschossen haben.

Im Jahre 1480 führte Herzog Albrecht die beobachtenden Patres ein; Herzog Wilhelm der Fünfte und Maximilian der Erste aber brachten 1620 die Franziskaner nach München. So blieb es bis zum 11. März 1802, wo dieses Kloster gänzlich aufgehoben und das hiesige Konvent – fünfundsechzig Köpfe an der Zahl – nach Ingolstadt versetzt worden ist. Die Gebäude wurden öffentlich versteigert, abgebrochen und der Platz schließlich nach kurfürstlicher Erlaubniß Max-Joseph-Platz genannt.

Ursprünglich befand sich vor dem Klostergebäude ein Kirchhof, welcher den ganzen Platz einnahm. Das Innere des Klosters hatte Hofräume, eine Braustätte, eine große Küche, ein sehr schönes Fischbehältniß, eine Apotheke und eine Tuchmacherey. Die Kirche und der Kreuzgang enthielten zahlreiche uralte adelige Begräbnisse. Über dem Grabe des 1550 verstorbenen Kanzlers Doktor Leonhard von Eck befand sich eine Kopie des „Jüngsten Gerichts“ von Michelangelo, ausgeführt von der Hand Mielichs.

Die Kapellen und Kennzeichen des Blattes

Auf unserem Blatte bezeichnen die Buchstaben die verschiedenen Heiligtümer:

  • a die Kapelle der Familie Kurz,

  • b den Eingang zur Klosterpforte,

  • c eine Nische mit ausgegrabenen Schädeln,

  • d das Hauptportal der Kirche,

  • e einen Brod- und Wachskerzenladen,

  • f die gräflich Hegnenberg'sche Begräbnißkapelle,

  • g die Antonius von Padua-Kapelle,

  • h die Schwarzenberg'sche Begräbnißkapelle,

  • i Nischen mit Grabmälern.

Das geheime Betkämmerchen des Kaisers

Die untere Hälfte des Blattes zeigt unter k den Betstuhl im Betkämmerchen, das sich Kaiser Ludwig neben dem Hochaltar einrichten ließ, um dort ohne Ärgerniß die Messe hören zu können, als er mit dem päpstlichen Banne belegt worden war. Die halbkreisförmige Oeffnung war in der Kirche durch die Aureole um den Kopf eines Heiligenbildes verdeckt.

Das Porträt unter dem Buchstaben l ist das des Minoriten Wilhelm Occam, eines geborenen Engländers und wärmsten Vertheidigers des Kaisers gegenüber den Päpsten. Occam starb im selben Jahre wie der Kaiser. Beim Niederreißen der Kirche fand der Polizeidirektor Bergmann unter seinem Grabstein nur wenige Reste von Gebeinen. Unfern von ihm war der rühmlich bekannte Pater Bonagratia de Bergamo bestattet.

Die Kapelle der heiligen Agnes und die Familiengräber

Die Kapelle der heiligen Agnes befand sich gleich neben dem Chore. Aus ihr sind erst Kirche und Kloster entstanden. Diese Kapelle war von innen mit vielen alten Figuren übermalt, wurde aber im Jahre 1714 überweißt, um sie heller zu machen. In ihr hatten die von Haslang ihr Begräbnißrecht schon seit dem Jahre 1227.

In der Schwarzenberg'schen Kapelle lag – wegen besonderer Größe und Dicke des Körpers – in einem ungeheueren Sarge der Graf Heinrich zu Schwarzenberg, Obersthofmeister und Geheimer Rath. Die Kurz'sche Kapelle umschloß unter anderem die Gebeine des Maximilian Kurz, Grafen von Valley, der erster Minister unter Maximilian dem Ersten war.

Die Kreuzgänge und die Klosteruhr

Der innere Kreuzgang des Klosters war mit dreißig Malereyen der Lebens- und Leidensgeschichte Christi geziert. Der äußere Kreuzgang war gänzlich von der Klausur getrennt. Er hatte Beichtstühle, zu welchen die Frauenzimmer außen hinknien, die Beichtväter aber sich von innen hinsetzen konnten. In der Klosterkirche befand sich zudem eine kunstreiche Uhr von Andreas Sondag aus dem Jahre 1589.


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