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Podcast

Fraunhofer

Reihe: Ein Jahrhundert München

Staffel 3 · Folge 4 · Autor: Von Lorenz von Westenrieder · Dauer: 01:17

Fraunhofer
Am 21. Juli 1801 erschüttert ein dramatisches Unglück die Münchner Altstadt. In einer engen Gasse nahe der Frauenkirche stürzen zwei Hinterhäuser plötzlich ein und begraben mehrere Menschen unter den Trümmern. Augenzeugen berichten von Chaos, Staub und verzweifelten Hilferufen.

Diese Podcast-Folge folgt den eindringlichen Schilderungen des Zeitzeugen Lorenz von Westenrieder, der das Geschehen unmittelbar miterlebte. Sofort eilen Helfer herbei, sogar der Kurfürst erscheint persönlich am Unglücksort. Doch die Rettung gestaltet sich schwierig – der Schutt ist gewaltig, die Hoffnung schwindet mit jeder Stunde.

Und doch geschieht etwas Außergewöhnliches: Ein schwer verletzter Junge wird aus den Trümmern gezogen. Sein Name ist Joseph von Fraunhofer. Niemand ahnt in diesem Moment, dass dieser beinahe verschüttete Lehrling später zu einem der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit werden wird.

Fraunhofer Lorenz Westenrieder schreibt in seinem Tagebuch: 1801. Den 21. Juli nachmittags um ein Uhr sind hier in dem kleinen Gäßchen, wo man von der Lauptwache herauf nach der Frauenkirche gehen kann, zwei Hinterhäuser, von denen eines repariert, aber nicht genug gestützt wurde, zusammengestürzt und haben einige Leute, welche in den Zimmern wohnten, unter ihrem Schutt begraben. Augenblicklich wurde von allen Seiten Anstalt getroffen, den Unglücklichen zu helfen: selbst der Kurfürst, welchem man es nach Nymphenburg meldete, kam sogleich; allein man konnte unmöglich augenblicklich allen Schutt wegräumen. Am sechs Uhr sah ich einen Buben von ungefähr 16 Jahren, den man soeben herausgezogen hatte, auf der Gasse nach Hause führen; er hatte beide Arme voll Blut und wankte sehr; er sagte, er hätte eine Frau, eine Spiegelmacherin, lange winseln gehört. Diese Frau wurde erst den 29. Juli tot aus dem Schutt gezogen. Der Gerettete war Joseph Fraunhofer (1787—1824), der spätere berühmte Optiker und Erfinder des Fernrohrs, auf dessen Grabmal im Südlichen Friedhof das stolze Wort eingegraben steht: Approximavit sidera.


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