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Podcast

Die alten Geschlechter Münchens

Reihe: Münchner Stadtbuch

Staffel 1 · Folge 2 · Dauer: 14:57

Die alten Geschlechter Münchens
Kaufleute, Ritter und Ratsherren prägten München über Jahrhunderte. Dieser Podcast führt ins 14. Jahrhundert und erzählt die Geschichten von Kaufinger, Impler und Sendlinger – spürbar bis heute in den Straßen der Altstadt.

Die alten Geschlechter Münchens Die deutschen Städte des dreizehnten und vierzehnten Jahrhundertes ... bilden ein eigentümliches Bild selbstherrlicher und republikanischer Gestaltungen dar. Den Anmaßungen des Adels und den Auswüchsen des Rittertums gegenüber ... waren sie zu einem festen, einmütigen Zusammenhalten genötiget; um so mehr, als der Adel von seinen Burgen herab nur ungern das Aufkommen der verachteten und gehassten Städte sah ... die ihm Einfluss und Ansehen schmälerten; weshalb er sie auf jede Weise zu necken und zu schädigen suchte. Allein eben dieser Kampf trug wesentlich zum Aufblühen nicht nur der freien Reichsstädte - sondern auch der andern Städte bei; denn nicht nur die gemeinen Handwerker, sondern auch die Künstler jeder Art ließen sich in den Städten nieder; deren Mauern ihnen nicht nur Sicherheit, sondern auch größeren und freieren Spielraum ihrer Kunst und einträglicheren Erwerb gewährten. Dadurch wuchs die Bevölkerung der Städte in den erwähnten beiden Jahrhunderten auf rasche Weise; es erblühte in ihnen ein kräftiges Leben ... und die Bürger wurden die Vertreter deutscher Kultur und Sitte. Aus diesen Gewerben und dem Handel ging bald großer Wohlstand und selbst Reichtum der Bürger hervor. Der Handel war es besonders, der damals in hohem Grad blühte. Dieser nahm in dieser Zeit ganz andere Wege, als in den neueren Jahrhunderten; der Landweg über Deutschland war es, welcher den Norden Europas mit dem Süden verband. Und eben an diesem Handelswege lag die junge Stadt München ... wie wir in dem vorhergehenden Abschnitte gezeigt haben. Mit diesem Handel aber waren auch notwendigerweise Geldgeschäfte verbunden; die in großer Ausdehnung betrieben wurden. Natürlich war es, dass einzelne Männer und Familien dadurch zu größerem Reichtum gelangten ... und dadurch ein größeres Ansehen von ihren anderen Mitbürgern erlangten. Allein eben ihre Strebsamkeit musste es mit sich bringen, dass sie nicht allein durch ihren Wohlstand hervorragten - sondern auch durch Kenntnisse und Bildung vor ihren Mitbürgern sich hervortaten; und daher auch in geistiger Beziehung einen Vorrang und ein Übergewicht vor Anderen erhielten. Es war daher notwendige Folge, dass solchen ausgezeichneten Männern vorzugsweise die Verwaltung der städtischen Ämter - die als Ehren-Ämter keine Besoldung mit sich brachten - übertragen wurden; ja dass - da auch ihre Söhne eine bessere Erziehung und Bildung genossen als die der gemeinen Bürger - sich die hervorragende Befähigung der Väter auch auf die Söhne, welche sogar häufig nach Italien gesendet wurden, um auf der Universität zu Bologna die Rechte zu studieren, fortpflanzte. Daher hatten diese beinahe ausschließend den alleinigen Zutritt in die höheren Stellen des städtischen Regimentes. So bildete sich nach und nach eine eigene Klasse von Familien; welche man „Patrizier“ oder „Geschlechter“ nannte. Aus diesem Stande eines siegelmäßigen Bürgers schwangen sich später mehrere sogar in den Stand der Edlen und Ritter empor. Solche waren zum Beispiel die Barth, Schrenk, Rudolf am Anger, Ligsalz und andere. Aber auch mehrere landsässige Rittergeschlechter, die also nicht aus den ursprünglichen Bürgern hervorgegangen waren ... wanderten im Laufe der Zeit nach München ein ... zum Beispiel die Pütriche, Sendlinger, Schluder, Diener und andere ... und zählten nunmehr zu den Geschlechtern Münchens. Wie groß aber der oben erwähnte Reichtum dieser Patrizier war, können wir daraus abnehmen, dass zum Beispiel die Ligsalz, Freimanner, Altmann und andere ... den bayerischen Herzogen und den Städten oftmals aus der Geldnot halfen und ihnen bedeutende Anlehen machten; wogegen ihnen behufs der Rückzahlung Zölle, Angelder und dergleichen verschrieben wurden. Infolge dieses Reichtums kamen sie auch zu mächtigem Grundbesitze; und wir finden sie als Eigentümer großer Güter, adeliger Schlösser und Hofmarken. Aber sie machten auch von ihrem Vermögen den edelsten und großartigsten Gebrauch. Wie wir weiter unten sehen werden, bauten sie in München Kirchen und Klöster; machten Stiftungen der Frömmigkeit und Wohltätigkeit; gründeten zum Beispiel Armenhäuser, Pfründen, Almosen, Seelhäuser und Benefizien ... deren gegenwärtig noch viele trotz allen Stürmen der Zeit ... ja selbst noch unter dem Namen der ursprünglichen Stifter bestehen. Sie verwendeten also einen großen Teil ihres Vermögens zum allgemeinen Besten und zum Nutzen und Wohle ihrer Mitbürger. Mit hoher Auszeichnung erblicken wir sie im Besitze und in der Verwaltung der verschiedenartigsten wichtigen und ansehnlichen Ämter und Stellen; sei es beim Fürsten, sei es in der Gemeinde, oder in der Kirche, oder im Kriege. Sie sind im innern und zuweilen auch im äußern Rate des Magistrates; sie bekleiden die Stellen der Bürgermeister; wir sehen sie als herzogliche Räte und Hofmeister - heute zu Tage Minister genannt - sowie als Pfarrer und Dechante bei Unser Lieben Frau und St. Peter oder in noch höheren geistlichen Würden. So waren Konrad Sendlinger und Johann Tulbeck Fürstbischöfe von Freising; Jakob Pütrich im Jahre 1567 gefürsteter Propst von Berchtesgaden; Zacharias Riedler im Jahre 1400 Rektor der Universität Wien. Wir finden sie als Kriegshauptleute in mehreren Kriegen ... zum Beispiel in der Schlacht bei Alling. Die Verhandlungen der Stadt mit ihren Herzogen oder mit dem Kaiser wurden durch die Patrizier gepflogen; denn nur diese wurden von dem Rate mit den Gesandtschaften betraut; und sie wurden zu damaliger Zeit in verschiedenen Angelegenheiten an mehrere Höfe und Städte gesendet ... zum Beispiel nach Kärnten, Venedig, Verona, Wien, Frankfurt, Holland ... ja selbst nach Spanien und Sicilien ... welche Reisen sie als Ehrenmissionen gewöhnlich aus ihrem eigenen Säckel bestreiten mussten. In Anbetracht ihres Ansehens und ihrer Würden war den Geschlechtern gestattet, schönere und ausgezeichnetere Kleidung zu tragen als die übrigen Bürger; doch waren sie auch darin vor übermäßigem Luxus beschränkt. Wir finden nämlich im Mittelalter - ja beinahe bis auf die neuere Zeit herab - strenge Kleiderordnungen, durch welche die verschiedenen Stände genau geschieden waren. Die Kleidung der edlen Geschlechter in München bestand aus Wolle, Kamelot oder höchstens aus Taft. Das seidene Wamms durfte wohl mit Atlas - doch nie mit Samt oder karmoisinrotem Zeuge ausgeschlagen; die Beinkleider durften mit Taft gefüttert und mit seidenen Spangen geziert sein. Aber verboten war den Patriziern eine goldene Kette, eine silberne Scheide am Seitengewehre oder samtene Barettschuhe zu tragen; hingegen waren ihnen gestattet zwei goldene Ringe - jedoch nicht über zwanzig Gulden im Werthe. Den Frauen und Kindern dieser Geschlechter waren goldene Ketten und samtene Hauben zu tragen erlaubt. Die Zahl der Patriziergeschlechter in München im 14. Jahrhundert mag ungefähr vierzig betragen haben. Von allen diesen existieren gegenwärtig nur noch zwei Familien ... die der Barth und der Schrenk ... beide heute noch durch Ehren und Würden ausgezeichnet. Alle übrigen sind ausgestorben. Aus dieser reichen Zahl edler Geschlechter erlauben wir uns dem freundlichen Leser mehrere vorzuführen, welche in der Geschichte Münchens besonders hervorragen. Die Gollir. Ein nur kurz blühendes, aber durch Adel und Reichtum ausgezeichnetes Geschlecht. Das Haus der Sakristei der St. Peterskirche gegenüber - jetzt Haus Nr. 3, in welchem sich gegenwärtig das städtische Archiv befindet - war urkundlich eines der zwei Häuser, welche die Familie Gollir in München besaßen. Es ist ganz von Quadern gebaut ... was von dem großen Reichtume dieser Familie zeugt. Ritter Ainwich der Gollir erbaute zu Ende des 13. Jahrhunderts auf dem Münchener Marktplatze eine Kirche aller Heiligen - bekannt unter dem Namen der Gollirkapelle. Nachdem diese Kapelle später wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste ... errichtete Kurfürst Maximilian I. an deren Stelle im Jahre 1635 die Mariensäule zum Andenken an die siegreiche Schlacht am weißen Berge. Dieses reiche Geschlecht scheint schon mit dem Sohne Ainwigs ausgestorben zu sein; Kaiser Ludwig, dem die beträchtlichen Güter der Gollir zufielen, fundierte daraus das von ihm erbaute Kloster Ettal. Die Sendlinger. Diese ... vermutlich aus dem nahen Dorfe Sendling herstammend ... waren wohl die reichsten und mächtigsten der Münchner Patrizier. Sighart der Sendlinger stiftete aus eigenen Mitteln ein Kloster der Klarissinnen am Anger. Der Sohn dieses Sighart wurde am 3. Oktober 1314 als Konrad III. zum Bischofe von Freising erhoben. Mathias Sendlinger war einer unter den sechs aufrührerischen Bürgern Münchens, welche Herzog Stephan im Jahre 1398 ausgeliefert haben wollte; allein als man ihn fangen wollte, war er bereits nach seinem Schlosse Päl geflüchtet. Um das Jahr 1500 starb dieses edle Geschlecht aus. Die Ligsalz. Auch diese Familie gehört zu den ältesten Stadtgeschlechtern Münchens. Ein Konrad Ligsalz kommt schon im Jahre 1288 urkundlich vor. Die Familie erlangte 1596 die Edelmannsfreiheit und wurde später in den Freiherrnstand erhoben. Ferdinand Josef Anton Freiherr von Ligsalz starb im Jahre 1739 als der Letzte seines Stammes. Das älteste Denkmal dieses Geschlechtes ist der in der Ligsalz´schen Kapelle der Frauenkirche befindliche Grabstein des im Jahre 1354 gestorbenen Johann Ligsalz. Die Pütriche. Die Pütriche stammen wahrscheinlich aus Regensburg. Dieses Geschlecht war stets im Besitze der angesehensten Ämter ... namentlich als Räte und Bürgermeister. Dahin bauten die Pütrich mit reicher Dotierung ein Kloster für die büßenden Schwestern des dritten Ordens ... genannt das Pütrich-Regelhaus. Ein Jakob Pütrich war ein ruf- und händelsüchtiger Mann ... er lauerte in Augsburg jungen Bürgern auf und verstümmelte sie; entrüstet ob dieser Freveltat erklärte ihn der Magistrat für vogelfrei. Ein anderer Jakob Pütrich von Reichertshausen hat uns ein größeres deutsches Gedicht hinterlassen; das er im Jahre 1452 verfasste. Mit Jakob Pütrich, gestorben 1594 ... starb das ganze Geschlecht der Pütriche aus. Riedler. Das Geschlecht der „Ridler“ glänzt als das angesehenste unter den edlen Geschlechtern Münchens. Heinrich Ridler schenkte sein Haus im Jahre 1295 der Gemeinde für Seel- und Krankenschwestern. Gabriel und Vinzent Ridler entschlossen sich im Jahre 1380, das abgebrannte Franziskanerkloster wieder aufzubauen. Martin Ridler stiftete im Jahre 1449 das sogenannte goldene oder reiche Almosen in München. Diese Ausspeisung geschah am Wurzerthore ... welches dadurch den Namen Kostthor erhalten hat. Chufringer (Kaufringer). Diese Patrizierfamilie stammt offenbar aus Kaufringen bei Landsberg her. Bereits im Jahre 1300 hat der Thorturm, welcher Chufringerthor hieß ... und die dahin führende Straße ... den Namen Kaufingerstraße erhalten. Barth. Die Barth stammen wahrscheinlich aus Augsburg. Heinrich der alte Barth und dessen Söhne erbauten in der St. Peters-Pfarrkirche den heiligen Drei-König-Altar. Ruhmvoll ist das Unternehmen eines Heinrich Barth; er legte im Jahre 1492 mit großen Kosten die großartige Straße nach Italien über den Kesselberg an. Eben dieser Heinrich Barth ließ zur Befestigung der Stadt am Karlsthore eine Bastei auf seine Kosten erbauen. Schrenk. Diese Patrizierfamilie stand schon in den ältesten Zeiten in Würden und Ämtern. Von dieser Familie stammt der wundervolle Steinaltar, welcher im Jahre 1841 in der St. Peterskirche hinter einem hölzernen Altar entdeckt wurde; er trägt die Jahreszahl 1372. Die Schrenk´sche Familie wurde später in den Freiherrenstand erhoben und glänzt noch gegenwärtig in großer Auszeichnung. Pötschner. Ein reiches Geschlecht, welches Mitte des 16. Jahrhunderts ausstarb. Ritter Balthasar Pötschner erbaute im Jahre 1477 in seinem Hause am Rindermarkt eine Kapelle. Sein prächtiger Grabstein befindet sich noch gegenwärtig in der St. Peterskirche. Dichtl. Eines der edelsten und wohltätigsten Geschlechter. In dem großen Bürgeraufruhre standen die Dichtl auf Seite der demokratischen Partei; Bürgermeister Georg Katzmair führt sie unter den „ersten Bösen“ an. Franz Dichtl ist der Stifter des feierlichen Umganges, welcher in der Frauenkirche alle Donnerstage gefeiert wird. Schluder. Ainwich der Schluder war Stadtrat und später Herzogs Rudolf Rentmeister. Hans Schluder wurde 1429 aus dem Rate gestoßen, weil er den Huldigungseid nicht leisten wollte. Die Brüder Schluder erbauten 1450 das noch bestehende Hofseelenhaus am Rochusberge. Tulbeck. Dieses Geschlecht ist merkwürdig durch Johann Tulbeck; der 1453 zum Bischof von Freising erhoben wurde. Sein Grabstein ... ein Meisterwerk der Bildhauerkunst ... befindet sich in der Frauenkirche. Dieses Geschlecht starb in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus. Impler. Ebenfalls ein sehr reiches Geschlecht. Das Eckhaus an der Dienersgasse wurde um 1370 von Hans Impler erbaut. Ein anderer Hans Impler war Günstling des Herzogs Johann und als solcher dem Volke verhasst; er wurde 1385 gefangen und öffentlich am Marktplatze enthauptet.


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