1879
Fernberg
Liebigstraße. Der Name "Liebig" ist ein oft genannter: "Liebigs Fleischextrakt", "Liebigs Kindermilch", "Liebigs Brod" werden in allen Zeitungen angeboten und anempfohlen. Der Träger dieses Namens, der um seiner wissenschaftlichen Verdienste willen in den Freiherrnstand erhobene Naturforscher Justus von Liebig, ist den 12. Mai 1803 zu Darmstadt geboren und bildete sich in seiner Jugend als Apotheker und Chemiker aus. Durch eine vorzügliche Abhandlung über die Knallsäure (eine eigenthümliche Verbindung von Kohlen-, Sauer-, Wasser- und Stickstoff) lenkte er die Aufmerksamkeit des großen deutschen Naturforschers Alexander von Humboldt auf sich, der ihn veranlaßte, sich dem Lehrfach der Chemie zuzuwenden. An der Universität Gießen wirkte er als Professor der Chemie mit außerordentlichem Erfolge 28 Jahre lang. Im Jahre 1852 erhielt er einen Ruf nach München, wo ihm König Maximilian II., der große Freund und Förderer der Wissenschaften, seine volle Gunst zuwandte. Liebig hat sich durch seine Untersuchungen und Entdeckungen über das Wesen und Wirken der Elemente in der Natur, über deren Einfluß auf das Thier- und Pflanzenleben, über Wachsthum und Ernährung der lebenden Geschöpfe u.a.m. Verdienste um die ganze Menschheit erworben. Der Ackerbau, die Viehzucht, die Hauswirtschaft, die Industrie und die Heilkunde verdanken seinen Arbeiten eine ausgiebige Förderung ihrer Mittel zum Zwecke. Deshalb ist der Name "Liebig" hochberühmt nicht allein in Deutschland sondern auf der ganzen Erde. Liebig starb zu München am 18. April 1873. Demnächst wird ihm von Freunden und Verehrern auf dem Maximiliansplatze ein Denkmal gesetzt werden.
1880
Adressbuch
Z. E. a. Justus Freiherrn v. Liebig, einen der größten Chemiker und einflußreichsten Naturforscher des 19. Jahrhunderts, geb. zu Darmstadt 12. Mai 1803, gest. zu München 18. April 1873 als Präsident der bayerischen Akademie der Wissenschaften und Generalconservator der wissenschaftlichen Sammlungen des Staates. Er gehörte München seit 1853 an. Die Liebigstraße, welche ihren jetzigen Namen seit 19. Juli 1875, resp. seit 1. Jan. 1876, resp. seit 1. Jan. 1877 führt, hieß früher, „Schulstraße“, nach dem am 11. Aug. 1841 eröffneten großartigen Schulgebäude dortselbst, das 1876-77 ansehnlich erweitert ward.
1894
Rambaldi
377. Liebigstraße.Beginnt unfern der Lehelkaserne, zieht in
östlicher Richtung bis zur äußeren Isarstraße und wird hiebei voll
der Stern- und Bogenhauserstraße und von der Verbindung Mühlstraße-Hofwinkel geschnitten. Zur Erinnerung an den Chemiker Justus Freiherrn voll Liebig, geboren 8. Mai 1803 zu Darmstadt, gestorben
18. April 1873 zu München. Liebig arbeitete 1818 als Lehrling
in der Apotheke in Heppenheim und kam mit Unterstützung des Großherzogs nach Bonn und Erlangen, wo er Naturwissenschaft, besonders
Chemie studierte. 1822 ging er nach Paris und erwarb bei einem
Vortrage über seine die Knallsäure betreffenden Untersuchungen vor
der Akademie der Wissenschaften die Gunst A. v. Humboldts, der ihm
das Privatlaboratorium Gah-Lussacs eröffnete, und auf dessen Empfehlung er 1824 außerordentlicher und 1826 ordentlicher Professor
der Chemie in Gießen wurde, 1845 wurde er in den Freiherrnstand erhoben, 1852 folgte er einem Rufe nach München, wo er, von
der Leitung eines großen Laboratoriums befreit, ausschließlich seinen
physiologischen Forschungen lebte. Liebig war hier lange Zeit Präsident der Akademie der Wissenschaften. Als Forscher ist er auf dem
Gebiete der Chemie, der Physiologie und der Landwirtschaft hervorragend produktiv gewesen, seine Untersuchungen über das Fleisch und die
Zusammensetzung der Muskelfaser wurden auch für das praktische
Leben wichtig, indem sich daran die Darstellung des Fleischextrakts
knüpfte. Auf dem Maximiliansplatz wurde ihm im Jahre 1883 ein
von Wagmüller begonnenes, von Rümann vollendetes Denkmal, bestehend aus einer sitzenden Marmorstatue auf granitemen Postamente mit den allegorischem Marmorreliefs: Chemie und Aderbau, errichtet.
Die Liebigstraße, welche ihren jetzigen Namen seit 19. Juli 1875,
resp. seit 1. Januar 1876, resp. seit 1. Januar 1877 führt, hies
früher ,,Schulstraße« nach dem am 11. August 1841 eröffneten
großartigen Schulgebäude dortselbst, das 1876-77 ansehnlich erweitert ward.
1965
Baureferat
Liebigstraße: Justus Freiherr von Liebig (1803- 1873), Naturforscher, Prof. der Chemie an der Universität München, Generalkonservator der wissenschaftl. Sammlung en des Staates, Präsident der Bayer. Akademie der Wissenschaften, Ehrenbürger der Stadt München, erzielte grundlegende Forschungsergebnisse auf den verschiedensten Gebieten der Chemie, schuf die Ackerbauchemie, führte die Mineraldüngung ein, entwickelte ein Verfahren zur Gewinnung van Fleischextrakt und entdeckte das Chloraform und Chloral. *1876