Name Mariensäule
Architekt Gerhard Hubert  
Straße Marienplatz
Jahr Baubeginn 1638
Jahr Fertigstellung 1638
Kategorie Denkmäler & Kunst im öffentlichen Raum
Denkmal
Baustil Keine Kategorie
Unterkategorie Denkmal  
Suchbegriffe Mariensäule 
Baudenkmal Mariensäule
Mariensäule Marienplatz
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Mariensäule Marienplatz
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Mariensäule
Mariensäule Marienplatz
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Bemerkung

Säule in korinthischem Stil mit Immakulata, Unterbau mit vier Puttengruppen, alle Figuren in Bronze, Immakulata von Hubert Gerhard, 1593, errichtet 1638, erneuert 1970, Putti, 1639-41

Beschreibung

<p><strong>Marienplatz. </strong><em>Mariensäule. </em>In der Genealogie der in der Neuzeit unter christlichem Vorzeichen wiederbelebten Gattung des antiken Säulenmonuments nimmt die Münchner Mariensäule eine Schlüsselstellung ein. Nach dem Vorläufer von 1487 in Udine steht die von Papst Paul V 1617 bei Sta. Maria Maggiore in Rom auf eine antike Säule gestellte Bronzefigur der Immaculata am Ausgangspunkt einer Entwicklung, die über die Münchner Säule zu deren typologischer Nachbildung in Wien (1646, erneuert 1667) und Prag (1652, gestürzt 1918) - beide gleichfalls mit den sog. Heldenputti - zu einer überaus weiten Verbreitung vorwiegend in den habsburgischen Ländern führte, häufig in Verbindung mit Heiligenfiguren am Unterbau, wobei das Spektrum der religiösen Denkmäler noch durch die Gattungen der Dreifaltigkeitssäule (Wien 1679) und der Heiligensäule (z. B. mit der hl. Anna in Innsbruck 1703/06) bereichert wurde. Ein weiteres Schwerpunktgebiet stellte Andalusien mit der Gattung des sog. „Triunfo“ der Immaculata dar (Granada 1631). In Bayern blieb die Nachfolge der Mariensäule in der Barockzeit zahlenmäßig wie gestalterisch relativ bescheiden (z. B. Freising 1674, Weilheim 1698, Kelheim 1700). Neben ihrem eigentlichen und zeitlosen religiösen Gehalt hatte die Münchner Mariensäule auch eine geschichtliche, politische und gegenreformatorisch-konfessionelle Bedeutung. Als geistiges Wahrzeichen und als Ausgangspunkt der Entfernungszählung an den ins Land ausstrahlenden Straßen gab sie schließlich 1854 auch Münchens zentralem, ältestem Platz seinen heutigen Namen.</p> <p>Die 2,17 m hohe, vergoldete Bronzefigur (Hohlguss, feuer-, seit 1984 ölvergoldet) der gekrönten, auf der Mondsichel stehenden Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem linken Arm und dem Szepter in der rechten Hand ist älter als die tragende Säule. Die Figur, eines der Meisterwerke von Hubert Gerhard, entstand bereits 1593 im Zusammenhang mit dem von Herzog Wilhelm V für sich selbst geplanten, nie vollendeten Grabdenkmal in der Michaelskirche (s. dort). Ab 1606 war die Madonna auf dem Hochaltar der Frauenkirche aufgestellt (dort auf einer Radierung von 1613 erkennbar), von wo sie dessen Neugestaltung 1620 verdrängte.</p> <p>Die Mariensäule entstand als öffentliches Votivdenkmal des Landesherm - Kurfürst Maximilian I. hatte ihre Errichtung während der Besetzung der bayerischen Hauptstädte München und Landshut durch die Schweden 1632 gelobt. Im Mai 1635, nach seiner durch die Pest verzögerten Rückkehr aus Braunau, begann die Projektierung; am 12. Dezember 1637 unterrichtete der Kurfürst den Münchner Rat von seinem Vorhaben und begründete es mit der unbezweifelbaren Fürbitte der Himmelskönigin und Muttergottes, die als Patronin und Beschützerin das Land und die Stadt „von Brand und anderm feindlichen Verderben behütet und errettet“ habe. Am 7. November 1638 weihte der Freisinger Bischof Veit Adam von Gebeck das Denkmal; im nächsten Jahr ließ der Kurfürst die umgebende Balustereinfriedung aus rotem Schlehdorfer Marmor anfertigen. Ebenfalls 1639 begann der kurfürstl. Stück- (Geschütz-) und Glockengießer Bernhard Ernst mit dem Guss der vier Heldenputti, die 1641 aufgestellt wurden. Der mit keinem bestimmten Künstlernamen zu verbindende Gesamtentwurf steht auf jeden Fall im Zusammenhang mit dem Hofbauwesen.</p> <p>Das Gesamtmonument ist 13,75 m, der Säulenschaft allein 4,85 m hoch; das Material der architektonischen Teile roter (ursprünglich oberbayerischer) Marmor; Figuren, Dekor und das korinthische Kapitell sind in Bronze gegossen. Die glatte Säule mit Entasis steht - vermittelt durch Fruchtgirlanden und Engelsköpfe aus Bronze - auf einem schlanken, hohen Postament mit Inschriftfeldern und den Bronzewappen des Kurfürstenpaares (Bayern, Österreich), dieses wiederum auf einem breiten Unterbau von 3,60 m Seitenlänge, auf dessen Ecken in kämpferisch bewegter Haltung die vier rund 1,60 m hohen, gerüsteten Puttenfiguren stehen, Hauptschöpfungen der süddeutschen Frühbarockplastik nach Entwurf eines bisher nicht ermittelten Meisters unter dem Einfluss von Georg Petel (| 1634) - in letzter Zeit werden Hans Reichle oder Petels Werkstattnachfolger Ferdinand Murmann in Erwägung gezogen. Programmatisch bedeutsam im Sinne einer lateinischen Ode von Jakob Balde (1638) bekämpfen die Engel die feindlichen Mächte Hunger, Krieg, Pest und Häresie, personifiziert (vgl. 90. Psalm, Vers 13) in den Untieren Drache, Löwe, Basilisk und Schlange. Der Bezug ist ebenso menschlich-allgemein wie konkret im Hinblick auf Bayerns Situation im Dreißigjährigen Krieg zu verstehen, wobei in der Bekämpfung der Ketzerei die führende Rolle des Kurfürstentums in der Gegenreformation zum Ausdruck kommt - bis 1773 wurde alljährlich in der sog. Prager Prozession Maximilians Sieg auf dem Weißen Berg (1620) gefeiert. Auf den vier Ecken der umgebenden Balustrade von 5,40 m Seitenlänge stehen Postamente mit kunstvollen Bronzelaternen, ursprünglich bekrönt mit Sonne, Mond, Spiegel und Stern. Stiftung wie religiöse Symbolik des Denkmals werden durch vergoldete (mehrfach veränderte) Inschriften an Postament, Unterbau und Balustrade verdeutlicht, die auch auf die wiederholten Restaurierungen hin- weisen.</p> <p>Im Zweiten Weltkrieg waren die Figuren geborgen und wurden 1945 (Neuweihe am 8. November durch Kardinal Faulhaber) wiederaufgestellt. Wegen des Baues der U- und S-Bahn wurde die Mariensäule 1967 abgetragen, wobei der großenteils schon früher erneuerte Säulenschaft zerbrach und in der Folge durch eine Kopie in Adneter Marmor ersetzt wurde, in dem auch schadhafte Teile des Unterbaus ausgewechselt werden mussten. Kardinal Döpfner weihte am 8. Dezember 1970 die auf leicht verschobenem Standort wieder aufgerichtete Säule. Die seit 1991 in den Werkstätten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege restaurierten Heldenputti wurden 1994-98 sukzessive durch Abgüsse ersetzt (Originale jetzt im Stadtmuseum; originaler Säulenschaft in Anbetungskapelle Altötting).</p>

Quellen

Mariensäule
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1914)

Mariensäule, auf dem Marienplatz, „ein Zeichen des Dankes des Kürfürsten Maximilian I. für die Erhaltung der Städte München und Landshut anläßlich der Invasion der Schweden 1632, deren König Gustav Adolf gedroht hatte, die Zerstörung Magdeburgs (an der der bayerische Feldherr Tilly übrigens keine Schuld hatte) an München und Landshut zu rächen [F 494]“. Die Absicht, der „Patrona Bavariae“ ein Denkmal zu errichten, hatte der Kurfürst *) schon 1635 dem Magistrat ausgesprochen, kam aber infolge der kriegerischen Verhältnisse erst 1638 zur Ausführung. Die Marienstatue selbst wurde schon früher gegossen und fand inzwischen, ungefähr 1610—20, ihre Aufstellung in der Frauenkirche. Sie genoß fortan bei Fürst und Volk große Verehrung: Kurfürst Max Emanuel flehte vor ihr bei seinem Auszug zum Türkenkrieg 1683 um Sieg, 1782 erteilte von hier aus Papst Pius VI. den Segen, im Cholerajahr 1854 wurde hier ein feierliches Bittamt gehalten unter Beteiligung sämtlicher Minister und zugleich der Name „Schrannenplatz“, dessen nördliche Hälfte ohnehin schon die Bezeichnung „Platz Mariä“ trug, in „Marienplatz“ umgewandelt [F 1. c.]. Ursprünglich trug die Säule an ihrer Ostseite folgende berühmt gewordene Widmung an die „Padrona Bavariae“:

Rem, Regem, Regimen, Regionem, Religionem
Conserva Bavaris Virgo Patrona tuis.

Die Madonna (2,15 m hoch) ist als Königin des Himmels dargestellt, die Krone (eigentlich die Kaiserkrone) auf dem Haupt, das erhobene Szepter in der Rechten; den jungfräulichen Körper umgibt ein enganliegendes Kleid, das nach antiker Art unmittelbar unter der Brust gegürtet ist und in sanften Falten bis auf die sandalenbeschuhten Füße hinunterfließt, die (gemäß der Apokalypse) auf der Sichel des Mondes stehen; mit desto breiteren und mächtigeren Falten umwallt sie der Königsmantel, den eine zierliche Fibula über der Brust zusammenhält; und dessen Saum ringsum mit einer Bordüre von sehr sorgfältiger Ornamentik geschmückt ist; das rechte Ende des Mantels ist bis über die linke Hüfte der Gestalt hinaufgezogen, so daß dadurch für das sitzende Kind, das vom linken Arm der Madonna gehalten wird, gleichsam eine Unterlage gebildet wird; das Kind selbst, in ziemlich lebhafter Bewegung, hat die Händchen erhoben, um das Volk zu segnen.

Die Säule (ohne Postament 11,6 m hoch) „ein Werk von trefflichen Verhältnissen, kraftvoll in den Formen und glücklich im Aufbau [KBJ“, ist ein Monolith aus rotem Untersbergermarmor mit korinthischem Kapitell und übertrifft in ihrer Höhe mit Einschluß der Madonna die Höhe der Bavaria auf der Theresienwiese (deren Sockel nicht mitgerechnet) [B 01]. Die Säule steht auf einem Postament, an dessen Eicken, sinnreich vermittelnd, 4 reizende Engelsköpfchen angebracht sind, „die mit seligem Frieden auf ihre streitenden Kollegen (auf dem Unterbau) niederlächeln“; Hohlkehle und kräftiges Gesims leiten von der Säulenbasis in das Postament über; zu Seiten des Postamentes lehnen zierliche Erzschilder mit dem bayerischkurfürstlichen Wappen einerseits und dem österreichischen Wappen der Gemahlin Anna Maria des Kurfürsten andrerseits; die Inschriften in den Steinplatten der Ost- und Westseite sind nicht mehr die ursprünglichen Dedikationen, sondern wahrscheinlich beim Säkularfest 1738 angebracht worden.

Auf den Ecken des Unterbaues stehen 4 kleine Bronzeputten, ganz mit Panzer und Helm gerüstet; sie kämpfen mit Schwert und Spieß gegen Schlangen und Basilisken (ein hahnähnliches Untier, dessen giftiger Blick lähmen sollte), gegen Löwen und Drachen (Allegorien von Pest, Hunger, Krieg und Ketzerei); unten ist die bezügliche Psalmstelle zu lesen: „Ueber die Natter und den Basilisk wirst du wandeln, und den Löwen und den Drachen wirst du zertreten [Ps. 90]“. In der Zeit des dreißigjährigen Krieges und der Gegenreformation ,.schien die Phantasie des Künstlers von der Fülle des dogmatischen Wissens ebenso beschwert wie vom gewaltigen Schicksal des blutgetränkten Vaterlandes, an dem sich vor aller Welt furchtbare Strafgerichte vollzogen: Religion und Moral, Pflicht und Tugend, Leiden und Sterben waren die unerschöpflichen Temata der Künstler, die in strengem, lehrhaftem Ton vorgetragen wurden [W 117]“.

Das ganze Denkmal, im Sommer stets pietätsvoll mit Blumen geschmückt, wird von einer Marmorbalustrade friedlich umschlossen und vom alltäglichen Getriebe getrennt, über das die Madonna schaut. Als Meister werden vermutet für die Madonna Hans Krümper [B 01], für die Puttenengel ein Schüler Krümpers (gegossen vom Münchner Glockengießer Küster, — während andere als Gießer den Münchner Bernhard Ernst nennen); früher galt für die Madonna Peter Candid als Autor. — Ueber die künstlerische Bedeutung dieses Monumentes, „des Feinsten von allen Denkmalsarchitekturen dieser denkmalsfreudigen Zeit [ BAJ 111]“ im Straßenbild urteilt Weese [1. c.]:

Für den Platz ist das Marienbild die Hauptzierde und der architektonische Maßstab; ihre Verhältnisse sind durch das Alte Rathaus und die alten Häuser des „Schrannenplatzes“ bestimmt. Sie steht just am toten Punkte, gleichsam am Ufer des immer bewegten Verkehrsstroms, der an ihr vorüberfließt; mit erstaunlichem Feingefühl erfüllt sie ihre Aufgabe: sie beherrscht den Platz als Denkmal und ordnet sich doch überall der Architektur unter; jedermann sieht sie, sie aber ist niemand im Wege und sie fügt sich harmonisch ins Stadtbild als ein bedeutsames Wahrzeichen an vornehmster isolierter Stelle. Ihre Aufstellung ist ein Muster der Denkmalserrichtung. Niemand aber wird bestreiten können, das sie durch den Riesenbau des Neuen Rathauses mit seinem Goliatturm aus diesem glücklichen Zusammenhang herausgelöst ist: die „Himmelskönigin“ auf ihrer schlanken Säule ist unansehnlich geworden, als müßte sie in den Boden sinken.

1) Der ein großer Verehrer Mariens war und als solcher auch an der Fassade der von ihm erbauten Residenz, bei der Haupt wache, die Erzstatue der Madonna und darunter ein ewiges Licht errichten, Marien- Münzen prägen und nach seinem Tode sein Herz nach Altötting verbringen ließ [F].

Die Mariensäule
Reber - Bautechnischer Führer durch München (1876)

Wie in der Baugeschichte (S. 47) erwähnt worden ist, war dieses Denkmal zum Andenken an die Occupation Münchens durch die Schweden 1632 und aus Dankbarkeit für die Erhaltung dor Stadt errichtet worden. Es besteht aus einer vergoldeten Bronzemadonna, (ob von Krumper’s Entwürfen herrührend ist ungewiss) die auf eine korinthische Säule aus rothem Tegcrnseormarmor gestellt ist. Die Ecken des Sockels sind mit den Bronzegruppen von Engeln, welche die Dämone der Pest, Hungersnoth, Ketzerei und des Krieges bekämpfen, verziert, die Ecken der Balustrade aber mit schönen Lampen.

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