Name Ehem. Hofmarstall und Kunstkammer
Bauherr Albrecht V. Herzog von Bayern
Architekt Egckl Wilhelm  
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Graggenau
Straße Hofgraben 4
Jahr Baubeginn 1563
Jahr Fertigstellung 1563
Baustil Renaissance
Kategorie Keine Kategorie
Baustil Renaissance
Renaissance
Suchbegriffe Alte Münze Hofmarstall Kunstkammer 
Ehem. Hofmarstall und Kunstkammer
Ehem. Hofmarstall und Kunstkammer Hofgraben
Bildrechte: © Gerhard Willhalm, <a href='https://fotoagentur-muenchen.de/bilder/d_bilder.php?id=9902'>Alte Münze</a>, <a href='https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode'>CC BY-NC 4.0</a>

Bemerkung

sog. Alte Münze, jetzt Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Vierflügelbau mit dreigeschossigem Arkadenhof, errichtet unter der Bauleitung von Wilhelm Egckl 1563-67, Umbau zur Münze durch Andreas Gärtner (mit Franz Thurn) 1807-09, klassizistische Fassadengestaltung von 1807-09, nach schweren Kriegsschäden Wiederaufbau 1950-52; siehe auch die zugehörigen Häuser Pfisterstraße 3 und 5 sowie den nördlichen Erweiterungsbau der Münze Maximilianstraße 6/8.

Beschreibung

<p> <strong>Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege</strong> Unter Herzog Albrecht V. als »neu erpau-ter marstal« von 1563-67 anstelle mittelalterlicher Häuser hinter der nördlichen Stadtmauer und durch Einbeziehung des &gt;Herzogsbads&lt; (seit 1511) in die Nordflanke des Neubaus errichtet; durch gedeckten &gt;Hofgang&lt; mit dem -&gt;• Alten Hof im Süden und mit Neuveste (-&gt; S. 263) im Norden verbunden. Ein bestimmter entwerfender Architekt nicht benennbar, doch nicht näher bestimmbarer Anteil des Augsburger Stadtwerkmeisters Zwitzel nicht auszuschließen (während sich die Rolle des bisher genannten Entwerfers Egckl wohl auf Bauaufsicht beschränkt). Kern des dreigeschossigen Vierflügelbaus der leicht trapezförmige Innenhof* (s. u.): im Erdgeschoss bis ins 18. Jh. der <strong>Hofmarstall </strong>für die Pferde und Remise für die Wagen, im Stockwerk darüber Wohnräume für Hofbeamte und Marstallbedienstete sowie vermutlich Vorrats- und Depoträume; im ganzen zweiten Obergeschoss die <strong>Kunstkammer </strong>des Herzogs (möglicherweise auch Bibliothek) - eines der ersten großen &gt;Museen&lt; nördlich der Alpen (nach dem sog. Ficklerschen Inventar, 1598, mit mehr als 6000 Objekten); die 1571-78 erfolgte Ausstattung der Räume verloren. -Ab 1809 Umbau für staatliche Münze; dabei Einzug von Zwischendecken in Räumen der ehemaligen Kunstkammer, Erwerbung der Nachbarhäuser (Pfisterstraße 1 und 2) und Umbau zum &gt;Scheidgadengebäude&lt; (1813 bzw. 1846); volle Nutzung ab 1829. Bei Anlage der -* Maximilianstraße Vorblendung eines Nordflügels (&gt;Direktorialgebäude&lt;) nach Entwurf von Bürklein 1857-63 (-&gt; Maximilianstraße 6); Restaurierung von Münzhof und Westfassade 1933-36. Durch Bomben 1944/45 bis auf Hof und einige Erdgeschossräume schwer beschädigt, zwischen 1948 und 1952/53 in ursprünglichen Formen wieder aufgebaut; renoviert 1963. Nutzungais <strong>Hauptmünzamt </strong>(Prägezeichen D) bis 1986. Mittelalterl iche Prägestätten - ausgenommen die von Bürgern wegen Münzverschlechterung 1295/96 zerstörte herzogliche Münzschmiede auf dem Markt- (-&gt; Marien-Jplatz - in München örtlich nicht fixierbar; die erste belegt für 1508 (bis 1599) an Nordseite des Hofgrabens, für 1612 »ne-we müncz am Marstal l«, seit 1620 Münze am Platzl/Münzstraße (in der noch 1803 Reichenbach die erste in Bayern entwickelte Dampfmaschine für Talerprägewerke installierte); erst mitVerlegung ins Hauptmünzamt 1829 aufgelassen. Bereits zwischen 1909 und 1912 Pläne für Verlegung der Münze auf Marsfeld, doch erst 1983-86 Neubau des Bayerischen Hauptmünzamtes in Riem (Pläne von Resenberg, Sepp, Heintz). Seit 31.7.1986 Sitz des <strong>Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege</strong>, das den historischen Bau in mehreren Etappen zwischen 1986 und 1995 grundlegend sanierte und durch Innenausbau (Werkstätten, Labors, Büros, Bibliothek, Archive usw.) nach seinen Erfordernissen adaptierte.</p> <p> <strong>Beschreibung:</strong> Auf drei Seiten freistehender Baukörper unter Walmbach, drei unterschiedlich gestaltete Fassaden: Südseite an Pfisterstraße (mit Einfahrtstor) noch annähernd ursprüngliches Aussehen der Erbauungszeit; Westfassade am Hofgraben (-&gt; Zeichnung): elfachsige, vornehm zurückhaltende frühklassizistische Front mit über-giebelten Mittelrisalit zu fünf Achsen, nach Entwurf von A. Gärtner (1807) durch Thurn dem Altbau 1808-09 vorgeblendet; hier ehemaliger Haupteingang zur Münze. Im Giebel gut komponierte Gruppe (Gipsstatuen), F.J.Schwanthaler zugeschrieben: drei Frauen, zum einen als Personifikation der Prägekunst, zum anderen als Allegorien der Münzsorten Kupfer, Silber, Gold angesehen: Abwandlung der römischen Götter Aes-culanus (für Kupfergeld), Argentinus (für Silbergeld), Aurinus (für Goldmünzen). Nordseite: im Zug der Anlage der Maximilianstraße an Altbau durch Bürklein angebaut (1857-63) mit ehedem offenen Spitzbogenarkaden im Erdgeschoss, gerahmt von zwei fünfachsigen Risaliten; über den Arkaden auf Balustrade acht freistehende Zinkgussstatuen (-&gt;• Maximilianstraße 6 und 8).</p> <p> <strong>Bedeutung:</strong> Am Rand der mittelalterlichen Stadt nüchterner Zweckbau für herzoglichen Marstall und Kunstkammer in den Formen deutscher (Spät-)Renaissance; über dekorative Fassadengestaltung nichts überliefert. Die palastähnliche Westfassade eines der frühesten Werke des höfischen Klassizismus in München, durch die Lage am schmalen Hofgraben nicht voll zur Wirkung kommend. In der Aufnahme des klassizistischen Arkadenmotives von der Nordfassade der Hauptpost (-&gt; Residenzstraße 2) gelang Bürklein mit seinem Anbau an die Münze eine geglückte Überleitung zu den &gt;gotischen&lt; Formen der Maximilianstraße. Architektonisch am bedeutendsten der in seiner Form original erhaltene und in seiner Farbgebung (nach Befund aus Erbauungszeit) 1992-95 wiederhergestellte <strong>Münzhof</strong>*(etwa 35 zu 12 m; im Volksmund fälschlich &gt;Turnierhof&lt;): vierseitig umlaufende Laubengänge in gedrungenen Proportionen, nur im zweiten Obergeschoss zierlicher; unregelmäßige Rhythmisierung der Joche ignorieren die klassische Regelmäßigkeit italienischer Renaissancearchitektur (Alberti, Serlio, Palladio); im Erdgeschoss rustizierte Keilsteine, die Obergeschosssäulen auf Konsolen aufruhend, die Kapitelle skulpiert (Steinmetzarbeiten von Weinhart 1563/67). Von den ursprünglichen Stallungen in den vier Flügeln des Erdgeschosses nur noch im Südtrakt eine dreischiffigeHa//e mit Rotmarmorsäulen (vgl. -&gt; Hofgarten S. 159) erhalten; heute restauriert und für Veranstaltungen und Sonderausstellungen genutzt. Gegenüber in Nordostecke neues Treppenhaus mit Installation »Spurensicherung« (von N. Lang, 1998). -Von westlicher Schmalseite Zugang zur Haupttreppe, vor Zerstörung dreiläufig, 1952/57 durch Wendeltreppe in Stahlbeton ersetzt. In ihrem &gt;Auge&lt; Installation »Zerbrochene Figur« (von Lindenberg, 1996), zusammengesetzt aus Fragmenten der etwa zu 3/4 erhaltenen Gussmodelle zum Bronzedenkmal für Max l. Joseph (-&gt; Max-Joseph-Platz).</p> <p> <strong>Bedeutung:</strong> Durch Beeinflussung von italienischer Renaissance-Arkadenarchitektur und deren selbstständige eigenwillig-unbekümmerte Abwandlung zählt der Münchener Münzhof zu den wichtigen originären Leistungen süddeutscher Profanbaukunst, an Bedeutung allenfalls mit Hof des Alten Schlosses in Stuttgart (1557 ff.) vergleichbar; in der Funktion (Verbindung von Marstall und Kunstkammer) ähnlich der Stallburg in Wien (1558-65). Allerdings macht derVergleich des Münzhofs mit dem rein &gt;italienischem Arkadenhof der Stadtresidenz in Landshut (1536-43) den qualitativen Unterschied in der Rezeption klassischer Renaissanceformen deutlich.</p> <div> <p> <strong>Nachtrag 2009</strong><br /> Im 1. Stock des Haupttreppenhauses Bronzebüste des Münzdirektors Joseph v. Leprieurtf 1837) wohl von J.B. Stiglmaier.</p> </div>

Quellen

Münzgebäude, Kgl.
Zauner - München in Kunst und Geschichte (1915)

Münzgebäude, Kgl., Maximiliansstraße-Hofgraben. Unter Herzog Albrecht V. 1563—67 durch seinen Hofbaumeister Wilhelm Egkl (auch Egckhl oder Oegkhl geschrieben) als herzogliches Marstallge- bäude mit einem Turnierhof (Buhudirhof) errichtet. Damals begann die Zeit, wo man statt der Reittiere die Beförderung in großen Kutschen vorzog, so daß der alte kleine Marstall im Alten Hof nicht mehr genügte.

Zwischen den beiden Residenzen gelegen, der noch immer von Hofleuten bewohnten Alten Veste (Alter Hof) und der von Albrecht Y. errichteten Neuen Veste (jetzige Residenz) gelegen, war der Marstall mit jeder über die Straßen weg durch einen gedeckten Gang verbunden; das Erdgeschoß war für Pferde und Wagen, das 1. und 2. Obergeschoß für Wohnungen der Hofbeamten bestimmt; später wurde auch die „Kunstkammer“ Albrechts V. darin untergebracht. 1809 wurden das Münz- gebäude eingebaut (daher über dem Eingang an der Hofgrabenseite die Aufschrift „Moneta regia“) und zwar nach dem Entwurf des im derben strengklassizistischen Stil Weinbrenners tätigen alten Andreas Gärtner, Vater des bekannten Friedrich Gärtner.

Um 1860 baute Bürklein an der Maximiliansstraße einen Neubau an, der mit dem „Cafe Maximilian“ in seinem östlichen Teil eine symmetrische Baugruppe bildet, die durch einen spitzbogigen Arkadengang (vgl. das Maximilianeum) verbunden ist und auf den Arkaden Statuen trägt, die Allegorien auf die im Zusammenhang mit der kgl. Münze stehende Wissenschaft und Technik darstellen. Ganz besonderes kunstgeschichtliches Interesse bietet der Innenhof des Gebäudes, jetzt Münzhof, früher Turnierhof genannt, und zwar als der uns bekannte früheste und einzig erhaltene Profanbau Münchens aus der beginnenden Periode der einheimischen Renaissance. Es ist ein Hof mit umlaufenden Tribünen oder vielmehr Bogengängen, in denen Gäste als Zuschauer sitzen konnten. Sonst das eigentliche Zentrum einer Schloßanlage, konnte er hier nur wegen der Ungunst des Terrains nicht in der sonstigen geräumigen behaglichen Breite ausgebaut werden. Charakteristisch für diese echt deutsche Renaissancearehitektur des fortgeschrittenen 16. Jahrh. ist jene wechselnde Behandlung der Trägerformen (Säulen), wie es die Italiener nicht gekannt haben: jenes ungebundene Hantieren mit den Architekturgliedern — nicht nach festen Regeln sondern so, daß die Glieder bald kurz, bald lang, bald dick, bald dünn werden können, kurz -— es ist ein ungeheuer großer Reichtum, den die nordische Phantasie postuliert hat. So fehlen hier alle italienischen Säulenproportionen und Bogenproportionen: ganz kurze, stämmige Säulenstümpfe unten, noch kürzere in der Mitte, erst im 3. Stock eine Erleichterung, ohne daß jedoch der volle Halbkreisbogen riskiert worden wäre — auch da noch hält die deutsche Phantasie am Flachen fest: es wäre ihr phrasenhaft vorgekommen, an dieser Stelle den wohlbekannten italienischen Bogentenor zu wiederholen [ Wölffiin],

Der rechteckige Hof wird in 3 Geschossen von Säulengängen umzogen, die an der Langseite 8, an der Schmalseite 3 Arkadenbögen zeigen; im Erdgeschoß tragen die Säulen jonische Kapitelle mit kanneliertem Hals, auf denen weitgespannte Rusticabögen aufsetzen; die schweren, gedrungenen Säulenschäfte im 2. Geschoß tragen korinthisierende Kapitelle, und die Säulen im 3. Geschoß sind toskanisch gebildet. Die Bailustrade im 2. Geschoß ist fest gemauert, jene des 3. besteht aus zaunartig angeordneten viereckigen Pfeilern. Die Gänge sind durchweg mit spitzbogigem Kreuzgewölbe gedeckt. Das Material bilden Qua

Das k. Münzgebäude
Nagler - Acht Tage in München (1863)

Das k. Münzgebäude, am Hofgraben Nr. 4, war zum herzoglichen Marstall bestimmt, und es wurden in dem prächtigen, mit Säulengängen gezierten Hof auch Turniere gehalten. Im Jahre 1809 erhielt es nach dem Plane des Hof- Bauintendanten Andr. Gärtner die gegenwärtige Fayade, und gleichzeitig wur- de die sehenswerthe Präganstalt dahin verlegt. Das frühere Münzgebäude ist die Ruine Nr. 7 am Münzgäßchen, in welchem alljährlich Anfangs Mai der Bock ausgeschenkt wird. Das gegenwärtige Münzgebäude erhielt 1860 nach Bürklein's Plan einen Flügelbau an der Maximiliansstraße, welcher mit Arkaden versehen einen lichten Hof bildet, und zugleich eine Zierde der Straße ist. Die Statuen auf der Balustrade des Ganges, welche beide Gebäude an der Nordseite verbindet, wurden 1863 aufgesetzt.

Weitere Bilder
Gerhard Willhalm - Neue Münze

Neue Münze