Zum Inhalt springen
Menü

Podcast

Altstadt - Der schöne Turm

Reihe: So lang der alte Peter...

Staffel 2 · Folge 35 · Dauer: 02:02

Altstadt - Der schöne Turm

Schlagworte: Schöner Turm

Der Schöne Turm verband Kaufinger- und Neuhauserstraße, trug Uhr, Wetterkugel und prunkvolle Malereien. 1807 abgerissen, hörten Anwohner nächtlich gespenstische Reiterzüge – gedeutet als Abschied der alten Münchner Herrscher vor neuer Zeit.

Der schöne Turm Aus der inneren Stadt von der Kaufingerstraße her ging es zur Neuhauserstraße durch einen Torturm, der zuerst das Kaufingertor, später der „Öde Turm" hieß. Im Jahre vierzehnhundertneunundsiebzig ward er wegen Baufälligkeit zum Teil abgetragen, dann aber neu und stattlicher aufgebaut. In dem Turm hing ein Glöcklein, das ward geläutet, wenn jemand hingerichtet wurde. Eine Uhr war an dem Turm, darauf zwei Männer die Stunde schlugen und eine Kugel, die das Wetter anzeigte: drehte sich die blaue Hälfte heraus, so regnete es, wenn aber die vergoldete Seite, so ward es heiter. Seit dem Neuaufbau war der Turm gar schön mit Malereien geziert; es waren da zu sehen Kaiser Ludwig mit Fürsten, sowie Pauker, Trompeter und Fahnenträger. Darnach hieß der Turm der „Schöne Turm". Im Jahre achtzehnhundertsieben aber wurde der Turm des engen Durchgangs wegen abgerissen. Einige Tage, ehe die Zerstörungsarbeit anhub, wurden die Umwohner nächtlicherweile durch einen seltsamen Lärm aufgeschreckt. Ohne irgend etwas zu erblicken, hörten sie Trompetengeschmetter, laute Befehlsrufe und schließlich vom schönen Turm gegen das Karlstor zu ganz deutlich den Abzug einer Reiterschar, deren Harnische laut rasselten, während das Straßenpflaster von den Pferdehufen hallte. Dies gespenstische Treiben hielten viele für ein Zeichen davon, daß die Geister des alten München, seine Herrscher und Führer, vor dem neuen Zeitalter davongingen und die Stadt verließen auf immer. Muß aber doch nicht ganz so schlimm gewesen sein. Wenigstens war noch manch eine Stätte den Geistern Alt-Münchens zu Rast und Einkehr bereitet — eine davon ganz nahe vom schönen Turm. Denn in der Kaufingerstraße, im Sabbadinihaus, hat Lorenz Westenrieder, der in jenem Jahr achtzehnhundertsieben noch lebte, gewohnt.


Standort