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Podcast

Altstadt - Von Sankt Peter

Reihe: So lang der alte Peter...

Staffel 2 · Folge 36 · Dauer: 08:23

Altstadt - Von Sankt Peter

Schlagworte: Alter Peter

St. Peter, Münchens älteste Pfarrkirche, überstand Brände, Kriege und Streit. Der Sage nach wollte der Teufel den Turm stürzen; ein mutiger Türmer vertrieb ihn mit dem Kruzifix – seitdem heißt es: „Sankt Peter steht schief.“

Von Sankt Peter „So lang der alte Peter, der Petersturm noch steht" — — — Dies Leiblied der Münchner ist zwar nicht aus ihrem Herzen geschöpft, sondern eine Nachdichtung des Wiener Liedes vom „alten Steffl". Aber das Gefühl der engen Zusammengehörigkeit von St. Peters Kirche mit der Münchner Stadt, das ist so echt als begründet. Fast überall, wo die Stelle einer Menschenansiedlung gegeben schien, haben zuerst Benediktinermönche, diese Pioniere des Glaubens und der Kultur, sich niedergelassen. Drei ihrer Klöster waren auf dem heutigen Münchner Boden begütert, bevor die Stadt erwuchs, die zu Recht ihren Namen von den „Münichen" herleitet. Die von Tegernsee hatten für ihre Klosterhofleute die uralte kleine Wieskapelle auf dem Petersbergl erbaut und dem „Heiland in der Rast" geweiht. Auf dem Grunde derer von Schäftlarn erhob sich die Marienkapelle; dazwischen schob sich eine umfangreiche Besitzung des Stiftes Benediktbeuern: Altham oder Altheim, deren Name im „Altheimer Eck" fortlebt. Eine sehr alte Kapelle stand auch dort; die Zeit ihres Entstehens und Vergehens ist ungewiß. Noch ehe Heinrich der Löwe aus den Mönchshöfen sich einen befestigten Platz zum Schutze der von ihm gebauten Isarbrücke schuf, erstand hinter der Wieskapelle, südlich von Altham, ein gleichfalls vom Kloster Tegernsee errichtetes Peterskirchlein; seitdem diente die Wieskapelle nur noch als Freithofkapelle. Im Streite zwischen Heinrich dem Löwen und dem Bischof Otto von Freising hielten die von Schäftlarn es mit dem Bischof, die von Tegernsee aber mit dem Herzog; und außerdem war das Petersberglein dem Löwen wichtig als strategischer Punkt. Deshalb wurde, als elfhundertneunundsechzig München zur Pfarrei aufstieg, die Peterskirche die erste Pfarrkirche der jungen Stadt. Sie wuchs mit dieser, vergrößerte und erneuerte sich, litt ihre Gefährden mit. Bei dem verheerenden Brand, der dreizehnhundertsiebenundzwanzig die halbe Stadt einäscherte, ging auch St. Peters Kirche samt der Wieskapelle zugrunde; nur die Katharinenkapelle unter dem Nordturm blieb verschont. In ihr und dann in der neuerbauten Wieskapelle ward lange Zeit Gottesdienst gehalten, bis der Wiederaufbau der Peterskirche vollendet war. Noch hängt am Fenster der Katharinenkapelle eine kleine Glocke, die damals gedient haben soll, um die außer der Kirche Stehenden auf die heilige Wandlung aufmerksam zu machen. Die Armut, in die der Stadtbrand einen großen Teil der Bürger versetzt hatte und das auf Stadt und Land lastende Interdikt verzögerten die Vollendung des Neubaus achtunddreißig Jahre. Bei der feierlichen Einweihung der neu errichteten Kirche im Jahre dreizehnhundertfünfundsechzig fehlten noch die Türme. Zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts stand jedoch auch das Turmgebäude fertig da mit zwei schlanken, gotischen Spitzen und blieb so bis sechzehnhundertsieben. In diesem Jahr schlug, am vierundzwanzigsten Juli gegen Mitternacht, der Blitz in den nach dem Markt hin gelegenen Kirchturm, und beide Türme brannten ab. Mit Mühe konnten die Glocken gerettet werden. Als nach großem Aufwand von Zeit und Geld der Schaden wieder gut gemacht war, erhielt der Petersturm so ziemlich das Aussehen, das er bis heute bewahrt. Die Kirche selbst wurde noch zweimal erweitert und umgebaut, in durchgreifender Weise unterm Kurfürsten Maximilian dem Ersten, darnach ein letztesmal im achtzehnten Jahrhundert, wo das Innere eine völlige Ausgestaltung im Geiste des Rokoko erfuhr. Nicht gar lange hatte sie in dieser endgültigen Form bestanden, als ihr alter Feind, das Feuer, ihr einen, wenn auch kurzen Besuch abstattete: ein noch mit glühenden Kohlen gefülltes Rauchfaß, das unvorsichtigerweise in einen Paramentenschrank geschlossen worden, ward die Ursache, daß die Sakristei gänzlich ausbrannte, wobei eine Menge wertvollster Paramente und Meßgewänder verloren ging. Es ist verständlich, daß seit der Zeit, da die Kirche Unserer Lieben Frau zur zweiten Pfarrkirche Münchens erhoben wurde, gewisse Präcedenzstreitigkeiten zwischen dieser und der Pfarrkirche von St. Peter sich entspannen und bis in den Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts währten. Ein natürlicher Sohn des Herzogs Johann des Zweiten von Bayern, Dr. Grünwalder, war damals Dechant zu St. Peter. Der Streit um den Vorrang wurde vierzehnhundertachtundzwanzig durch folgende Entscheidung des Bischofs von Freising geschlichtet: „Der Pfarrer bei unserer Lieben Frau in München hat dem Dechant bei St. Peter Ehre und Gehorsam zu bezeigen." Dies änderte sich wesentlich, als vierzehnhundertvierundneunzig die Frauenkirche zur Collegiat-Stiftskirche erhoben ward. „Mit der Verkündigung der heiligen Zeiten soll sich der Pfarrer bei Unserer Lieben Frau nach dem Rate des Dechants bei St. Peter richten." „Mit der Antlaßprozession soll es also gehalten werden: Selbe soll alle Jahre abwechselnd von einer der beiden Pfarrkirchen ausgehen." Dies blieb bis achtzehnhundertsechsundzwanzig in Kraft. Das „Tal", eine Hauptverkehrsstraße Münchens, ward ehemals von der Grenze der beiden Pfarreien durchschnitten: die südliche Seite hieß „Tal Petri", die nördliche „Tal Mariä". Sowohl der Mutterpfarrkirche zu St. Peter als dem Münster zu Unserer Lieben Frau widerfuhr durch Papst Pius den Sechsten, der siebzehnhundertzweiundachtzig in München weilte, die Auszeichnung, daß der Papst am Hochaltar einer jeden Kirche eine stille Messe las. Aus allen Stürmen und Wirren der Jahrhunderte ging das ehrwürdige Gotteshaus unversehrt hervor. Nochmals drohte Gefahr durch äußere Feinde: als siebzehnhundertsechsundneunzig die Truppen des französischen Revolutionsheeres bis nach Bayern herein verfolgten. Am achten September kam es zu einer Kanonade, von der die Stadt schwer betroffen ward. An diesem Tag fand in der Peterskirche ein feierliches Hochamt statt. Da sauste eine verirrte Kugel in die Kirche herein, versehrte zwar niemand, erregte aber einen solchen Schrecken, daß Alles Hals über Kopf aus der Kirche entfloh. Nur der amtierende Priester, Dechant Kumpf, harrte ruhig am Altäre aus und vollendete mit Hilfe der ihm treugebliebenen Ministranten das Meßopfer. Von einem hartnäckigen Widersacher der Peterskirche weiß die Sage noch zu melden, nämlich vom leidigen Teufel. Es wird erzählt, daß der Höllenwirt auf die fromme Stadt München einen höllischen Zorn gefaßt hätte. Namentlich wäre die hochragende Spitze des Turmes ihm ein Dorn im Auge gewesen. Eines Nachts saß der Türmer von Sankt Peter friedlich in seinem Stüblein und horchte auf den Wind. Um Mitternacht aber erhob sich ein Zischen, Brausen und Heulen. Der Türmer eilte hinaus auf die Galerie und sah mit Entsetzen, wie ein ganzer Knäuel von höllischen Ungeheuern sich an die Turmspitze hing; das teuflische Heer ward vom leibhaftigen Satan in Person angeführt. Der Türmer aber, ein beherzter Mann, sprang flugs in die Stube hinein und riß das Kruzifix von der Wand. Er stürzte wieder auf die Galerie und schlug, indem er laut den Namen des dreieinigen Gottes anrief, das Kreuz dem Satan aufs Haupt. Der Höllenfürst wand und krümmte sich, ließ aber seine höllischen Pratzen nicht vom Turm. Allein der Türmer wich gleichfalls nicht; und ob ihm gleich der Arm zu erlahmen drohte, so ließ er sich die Schneid nicht abkaufen, sondern hielt voll Gottvertrauen stand. Da schlug es eins vom Turm, und im Nu war der ganze höllische Spuk zerstoben. Des andern Morgens aber tat der Türmer dem Rat Meldung. Da war großes Wundern. Als nun viel Volks auf dem Schrannenplatz zusammenlief, rief einer: „Muß doch wahr sein, schauts: die Spitze steht ein bißel schief!" Es war wirklich so: die Turmspitze hatte sich ein wenig schräg zur Seite geneigt. Seitdem hat es noch oft in den alten Peter eingeschlagen, doch ohne daß ihm erheblicher Schaden geschah. In München aber blieb als stehende Redensart: „Sankt Peter steht schief."


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