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Podcast

Marienplatz - Der Schäfflertanz

Reihe: So lang der alte Peter...

Staffel 2 · Folge 17 · Dauer: 03:38

Marienplatz - Der Schäfflertanz

Schlagworte: Schäfflertanz

Nach der Pest belebten Münchner Schäffler mit Tänzen die verängstigte Stadt. Alle sieben Jahre zeigen sie kunstvolle Figuren, Reifenschwingen und Humor. Das Rathaus-Glockenspiel erinnert bis heute an diesen Brauch.

Podcast-Skript: Der Schäfflertanz (Stimme: Marcus oder Anthony. Stability: 65%, Clarity: 80%) Nach einer grausigen Pestzeit waren, trotz des endlichen Erlöschens der Seuche, Furcht und Schrecken noch so groß, daß kein Mensch sich aus seiner Tür zu gehen traute und die Straßen wie ausgestorben verblieben. Da faßten, wie die Sage meldet, zuerst die Schäffler neuen Mut, zogen mit Trommeln und Pfeifen vor die Häuser und führten muntere Tänze auf, um das Volk zu erheitern und wieder mit Lebenslust zu erfüllen. Zum Andenken daran werden diese Tänze alle sieben Jahre wiederholt. Es werden dann zunächst gewählt: Der Umfrager, welcher sich erkundigt, wo getanzt werden soll, der Vortänzer, der einen mit Bändern geschmückten Stab hält, der Reifschwinger, auch „Hans" genannt, und der Nachtänzer oder Spaßmacher, außerdem 16 bis 20 Schäfflergesellen. Die Kleidung besteht aus einer roten Jacke, weißer Weste, über die sich das schwarze Pestband hinzieht, schwarzen Beinkleidern, gelbem Vorfell oder Schurz, weißen Strümpfen und schwarzen Schuhen mit Silberschnallen. Den Kopf schmückt eine grüne Kappe mit weiß und blauen Federn. Vor den Häusern, wo getanzt wird, führen sie mit ihren grünen bebänderten Reifen den künstlichsten Contretanz mit mannigfaltigen Figuren auf; die Hauptfigur heißt „der große Achter". Die Musik spielt dazu die Weise: „Gretel in der Butten, wie viel gibst du Oar?" „I gib net mehr, i gib net mehr, als um an Kreuzer sechsi und um an Batzen zwoa." „Und wenn du mir net mehra gibst, als um an Batzen zwoa, so bhalt du deine Butten un alle deine Oar!" Bei einer anderen Figur bilden die Tänzer einen Ring um den Hans, den Reifenschwinger, der auf einem Fasse stehend, im Takt zwei Kugeln in die Höhe wirft und wieder auffängt. Der Reifenschwinger bedarf überhaupt besonderer Übung und Gewandtheit, da er am Schlusse ein volles Weinglas auf die innere Fläche seines Reifens setzen und mit diesem herumschwingen muß, ohne es zu verschütten. Dies Glas leert er hernach auf das Wohl der Hauseigentümer. Der Luftigmacher, der sie begleitet, trug ehemals einen bizarr aufgekrempten Hut mit den daran gesteckten vier Aß eines Kartenspiels, in der Hand eine lange Wurst und auf dem Rücken eine Butte, in der ein ausgestopftes altes Weib saß. Hiervon hieß er selbst „Gretel in der Butten". Dieser Name sollte gleichfalls an die Pestzeit gemahnen, weil, der Sage nach, ein Bauernweib mit Eiern in der Butte sich nach Erlöschen der Seuche als Erste in die Stadt gewagt hätte. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts war die Gretel in der Butten nicht mehr beim Schäfflertanz. Der „Nachtänzer" oder Lustigmacher, von da ab als richtiger „Wurstl" bunt gekleidet, trieb jedoch munter seinen Schabernack mit den Zuschauern. War der Tanz beendet, so zogen die Schäffler paarweise nach den Klängen eines Marsches weiter. Bekanntlich verewigt das künstliche Glockenspiel auf dem neuen Rathaus den Schäfflertanz. Mit dem Glockenschlag elf Uhr erscheinen zuerst zwei turnierende Ritter, dann die naturgetreu gebildeten kleinen Schäfflerfiguren, die sich munter im Reigen drehen. In der Sendlingerstraße 86 besagt eine Inschrift, daß hier das Haus „Zum Himmelsschäffler" stand, von dem der Schäfflertanz seinen Ausgang genommen haben soll. Ihre Zunftgottesdienste pflegten die Schäffler im Dom zu halten, am Neujahrstage und am Tage St. Urbans, des Weinpatrons.


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