Altstadt - Aus der Gruftgasse
Reihe: So lang der alte Peter...
Staffel 2 · Folge 25 · Dauer: 02:56
Schlagworte: Gruftgasse
Podcast-Skript: Aus der Gruftgasse (Stimme: Marcus oder Anthony. Stability: 65%, Clarity: 80%) Die Gruftstraße hieß im Mittelalter „Judengasse", denn zwischen der Wein- und Dienerstraße befand sich das Judenviertel. Die Juden genossen Schutz von den ersten Bayernherzogen; ihre Zahl wird schon im 15. Jahrhundert auf mehr als zweihundert angegeben. Dennoch kam es unter der Herrschaft Herzog Ludwigs II. zweimal zu einer großen Judenverfolgung. Damals, im Jahre 1285, wäre die Synagoge samt allen Juden, einhundertachtzig an der Zahl, die sich hineingerettet hatten, ein Raub der Flammen geworden. Im Jahre 1440 wies Albrecht III. die Juden völlig aus München aus. Ihre Synagoge schenkte er seinem Leibarzt Dr. Johannes Hartlieb. Johannes Hartlieb erbaute sich aus der Synagoge ein Wohnhaus mit unterirdischer Kapelle, die er zu Ehren Marias und der Patrone der Heilkunst, St. Cosmas und Damian, weihen ließ. In der Kapelle ward ein Vesperbild aufgestellt, das der Sage nach in der Erde verscharrt gefunden worden, und das alsbald viele Andächtige anzog. Um solchen Zulaufs willen ließ Dr. Hartlieb über der Gruftkapelle eine größere Kirche bauen. Das zweistöckige Heiligtum ward vom Volksmund „bey unserer lieben Frauen in der Gruft" genannt, woher auch die Gasse ihren Namen empfing. Die alte Andachtsstätte bestand bis 1805, wo sie aufgehoben wurde. Das Vesperbild kam später in die Wallfahrtskirche nach Grafrath. Die Gruftkirche ward versteigert und zum Teil in Wohnhäuser umgewandelt. Zwei seltsame Überlieferungen knüpfen sich an das alte Gotteshaus. Einmal die Behauptung: im 18. Jahrhundert hätten Arbeiter in einem Pfeiler der Gruft ein brennendes Licht eingeschlossen gefunden. Das Phänomen beschäftigte damals viele Gemüter, ohne daß mehr als bloße Vermutungen dabei herauskamen. Ferner herrschte in Betreff der täglichen Neun-Uhr-Messe die weit verbreitete Volksmeinung: diese Messe sei gestiftet zur Abwendung von Münchens Untergang durch den Walchensee. Uraltem Glauben nach werde dieser einmal ausbrechen und die ganze Stadt überfluten. In eben der Gruftkirche wurde alljährlich ein goldener Ring geweiht und, um das Unheil zu bannen, in den See geworfen. Die Angst vor dieser Sintflut infolge eines Ausbruchs des Walchensees hat noch bis ganz am Ende des 18. Jahrhunderts in den Gemütern gespukt.