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Podcast

Altstadt - Der Schlafhaubenkramer

Reihe: So lang der alte Peter...

Staffel 2 · Folge 26 · Dauer: 02:38

Altstadt - Der Schlafhaubenkramer

Schlagworte: Frauenfreithof, Schlafhaubenkramer

Ein mutiger Krämer verspottete ein Spukgespenst mit Schlafhaube am Frauenfreithof, schlug es und floh. Mit Marienbild vertrieb er den Geist. Seitdem hieß er „Schlafhaubenkramer“, der Spuk verschwand.

Podcast-Skript: Der Schlafhaubenkramer (Stimme: Marcus oder Anthony. Stability: 65%, Clarity: 80%) Vor hundert und etlichen Jahren, da der alte Frauenfreithof noch bestand, galt es dort als nicht geheuer, und jedermann vermied am Abend die Nähe des Gottesackers. Allerhand Spukgeschichten wurden davon erzählt: so sollte auch zu Zeiten ein Geist mit einer weißen Schlafhaube auf dem Kopf den Freithof unsicher machen. In der Weinstraße gegenüber dem alten Polizeigebäude gab es damals einen Kramladen. Der Krämer, im Geschäft ein tüchtiger Kaufmann, sonst ein fideler Kumpan, ging jeden Abend nach Ladenschluß zum Bier. Doch ebenso pünktlich, wenn die Bierglocke geläutet hatte, nahm er den nächsten Weg nach Haus, und der führte übern Frauenfreithof. Einmal saß er wieder beim Trunk, da ward von Spuk und Gespenstern geschwatzt. „Das Gespenst mit der Schlafhaube läßt sich auch wieder sehen," behauptete einer. Der Krämer lachte dazu und meinte: „So ein Geist käme ihm grad recht, dem wollte er es schon zeigen!" Als es nun Zeit zum Heimgehen war, nahm der Krämer Hut, Stock und Laterne und trat seinen Weg übern Freithof an. Aber da er auf den Gottesacker kam, saß da ein langer weißer Mann mit einer Schlafhaube an einem Grabstein. Dem Krämer rann es eiskalt den Rücken herab; dennoch ließ er sich die Schneid nicht abkaufen, lief auf den Geist zu und versetzte ihm eine solche Watschen, daß ihm die Schlafhaube vom Kopfe fiel. Darnach aber war er selbst dermaßen erschrocken, daß er das Hasenpanier ergriff und davonrannte. Das Gespenst aber hinter ihm drein! Glücklich erreichte der Krämer sein Haus und schlug dem Verfolger die Türe vor der Nase zu. Was tut der Geist? An der Hauswand klimmt er hinauf, und wie der Krämer in seine Stube gelangt — o Graus — da schaut das Gespenst schon beim Fenster herein! In der Angst ergreift der Krämer ein Bild der Muttergottes von Altötting und wirft es dem Geist entgegen, der alsbald verschwindet. Der Krämer verfiel darnach in tiefen Schlaf; und als er des anderen Morgens erwachte — siehe: da hing das Madonnenbild wieder ruhig an seinem Nagel auf der Wand. Es ist nie aufgekommen, ob die Geschichte sich wirklich so zugetragen hat. Ob sie ein von Freunden ausgeheckter Spaß war, oder ob er das Ganze bloß geträumt hat? Kurz: von da an hieß der Krämer in der ganzen Stadt nur der „Schlafhaubenkramer"; und bis zum heutigen Tag ist der Name auf dem Haus verblieben. Der Geist mit der Schlafhaube hat sich aber nimmermehr sehen lassen; kann sein: er war durch die empfangene Watschen erlöst.


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