Beschreibung des Brandes im königlich-baierischen großen Hof- und Nationaltheater
1
Am 12. Jänner d. J. wurde, um die anwesenden Dultgäste zu erfreuen, die Weber’sche Oper: der Freyschütze, beym vollen Hause gegeben. Die dazu gehörigen Dekorationen konnten noch nicht weggeräumt seyn, als am 14. Jänner die komische Oper: die beyden Füchse, nebst dem Horschelt’schen pantomimischen Ballette: die Wildschützen aufgeführt werden sollte. Mit innigstem Vergnügen war das Publikum versammelt, und von der Königl. Familie befanden sich Se. Königl. Hoheit der Prinz Karl in höchster Loge.
Zu der Szene, wo Rittmeister Kleefeld als Ritter Baynard angezogen wird, mag sich durch irgend eine noch unbekannte Veranlassung das in dem Glaszylinder eingesperrte Flämmchen einer Theater-Lampe verlängert, und ein von oben herunter hängendes kleines Strickel ergriffen haben. Von diesem wurde das Flämmchen in der größten Schnelligkeit dem Schleyer mitgetheilt, worauf das Nachtgespenster-Gebilde des Freyschützen dargestellt ist. — Es wäre freylich zu wünschen gewesen, daß in diesem Augenblicke nur ein einziger Wasserstrahl auf das brennende Strickel hätte angewendet werden können. Allein es liegt oft in der sonderbaren Verkettung der Dinge, daß dasjenige, was das nothwendigste und nächste seyn sollte, doch nicht nahe genug bey der Hand ist; und war der eine Vorhang einmal ergriffen, so war es unvermeidlich, die auf dem Bühnen-Hause zur nämlichen Zeit befindlichen Soffiten und Vorhänge, so wie die zwischen denselben angebrachten hölzernen Maschinen-Gallerien mußten von dem Feuer in dem nämlichen Augenblicke um so sicherer ergriffen werden, als letztere von allen Seiten offen, und durch die